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Mit Ketten gegen Sprayer und Vandalen

Ein Hausbesitzer in der Lorraine will mit Absperrungen Vandalen fernhalten. Das sorgt bei der Firma im Parterre für Ärger. Dessen Geschäftsführerin kämpft gegen ein falsches Bild in der Öffentlichkeit.

Wirken wenig freundlich: Diese Ketten sollen Vandalen abhalten. Foto: Christian Pfander
Wirken wenig freundlich: Diese Ketten sollen Vandalen abhalten. Foto: Christian Pfander

Die Scheiben sind repariert, die Schmierereien entfernt. Es sieht wieder einigermassen normal aus im Erdgeschoss der Lorrainestrasse 25. Hier betreibt die fünfköpfige Firma Bestswiss seit rund drei Jahren einen Showroom für Schweizer Produkte. In dieser Zeit verübten Gentrifizierungsgegner immer wieder Farbanschläge auf den dreistöckigen Neubau. Letztmals vergangenen Juli. Da traf es das KMU im Parterre besonders heftig. Acht Scheiben gingen zu Bruch. Immerhin: Den Schaden von 50'000 Franken zahlte die Gebäudeversicherung.

Absage von Partnern

Die Vandalen sind das eine Ärgernis. Viel Frust hat sich bei Bestswiss-Geschäftsführerin Anita Di Domenico aber auch wegen etwas anderem angestaut. Rund um ihren Showroom stehen mächtige Sandsteinsockel – verbunden sind sie mit Eisenketten. Auch mehrere Überwachungskameras sind an der Fassade angebracht. Veranlasst hat dies der Hausbesitzer Stefan Berger – zur Abschreckung von weiteren Vandalenakten.

«Für uns ist diese Absperrung ziemlich ärgerlich», sagt Di Domenico, eine solche Abschottung passe nicht zu einem Showroom, der einladend wirken sollte. «Wir sind ein Laden, hier sollen Leute reinkommen können.» Aufgrund der abschreckend wirkenden Absperrung hätten ihr schon mehrere potenzielle Partner abgesagt, welche in ihrem Showroom Produkte ausstellen wollten.

Im April letzten Jahres sei ihr zudem versprochen worden, dass die Sandsteinsockel durch Blumentöpfe ersetzt würden, doch das ist bis heute nicht passiert. Kommt hinzu, dass die Massnahmen kaum Wirkung zeigen. Allein letztes Jahr kam es trotz Kameras und Absperrung zu vier Attacken.

Anita Di Domenico kämpft auch gegen ein falsches Bild, das in der Öffentlichkeit über ihr Geschäft entstehen könnte – nämlich, dass sie hinter den Überwachungs- und Abschottungsmassnahmen stecken könnte. Auch ärgert es sie, dass offenbar Liegenschaftsbesitzer Stefan Berger der Meinung ist, ihre Firma sei das primäre Ziel der Vandalen. Dies, weil ein Geschäft, das für «beste Schweizer Produkte» werbe, nicht optimal ins Multikulti-Quartier passe. Berger wollte auf Anfrage keinen Kommentar dazu abgeben, auch nicht zum Frust seiner Mieterin bezüglich der Absperrung.

In der Tat spricht einiges dagegen, dass nur die Firma im Parterre Zielobjekt der Vandalen ist. So werden doch auch die Wohnungen im Obergeschoss immer wieder mit Farbbeuteln beworfen. Ausserdem lassen auch die anonymen Bekennerschreiben auf einschlägigen Online-Portalen darauf schliessen, dass der 10-Millionen-Franken-Neubau als Ganzes als Feindbild dient. Militante Linksaktivisten werten darin den «eintönigen Betonklotz» als «Paradebeispiel für die Gentrifizierung». Sie wehren sich «gegen Aufwertung und Verdrängung von ärmeren Menschen durch zugezogene Yuppies».

Belastende Leerstände

Nach dem heftigen Anschlag im letzten Sommer hatte Anita Di Domenico genug. Obwohl ihr Mietvertrag noch bis 2022 läuft, machte sie sich mit Unterstützung der Liegenschaftsverwaltung von Graffenried auf die Suche nach einem Nachmieter. Laut ihr steht seit August ein Interessent bereit, doch spruchreif ist auch heute noch nichts. Das bringt sie in die Bredouille. «Ich habe Leerstände, die ich berappen muss», so Di Domenico. Für ihr Geschäft im Erdgeschoss inklusive Lagerraum im Keller zahlt sie 3400 Franken Miete pro Monat. Ein «absolut fairer Preis» sei das zwar, aber eben: Die Tatsache, dass sie einen Nachmieter sucht, sei fürs Anwerben potentieller Partner nicht gerade förderlich.

Sie überlegt sich nun, die mündliche Vertragskündigung vom Sommer wieder zurückzuziehen, da sich die Verhandlungen mit dem möglichen Nachmieter in die Länge ziehen. Sie sieht zwei Möglichkeiten: Die Absperrungen müssen weg, damit das Ladenlokal mit passenden Partnern betrieben werden kann. Oder – was ihr aus finanzieller Sicht und den entsprechenden Umständen noch lieber wäre - die sofortige Auflösung des Mietvertrags.

Kommt ein Secondhandladen?

Tatsächlich könnte es bis zu einem Mieterwechsel noch etwas dauern. Interessiert an dem Standort ist die Hiob International, eine christliche Entwicklungshilfeorganisation mit 170 Mitarbeitenden, die schweizweit 25 Brockenstuben betreibt. Laut Geschäftsführer Hervé Dobler ist ein Secondhand-Textilgeschäft geplant. Man sei immer noch in der Abklärungsphase mit dem städtischen Bauinspektorat. Da zum Teil eine Umnutzung vorgesehen ist, werde ein Baubewilligungsverfahren nötig. «Das dauert eine Weile», so Hervé. Die Vorgeschichte des Hauses kennt er. «Das schreckt uns nicht ab», meint er dazu.

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