Mit einem feinen Netz zum «Green Tower»

Wabern

Es war eine Besichtigung «kurz vor der Vollendung», ins neue Hochhaus in Wabern wird bald Leben einziehen. Die ersten Pflanzen haben den grünen Turm bereits erobert.

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Annic Berset

In zehn Tagen ist es so weit. Die ersten Bewohner werden in den Wohnturm im Bächtelenpark in Wabern einziehen. Eigentlich erstaunlich, dass im neuen Hochhaus schon bald Leute leben sollen. Zu allgegenwärtig ist die Baustelle rundherum noch.

Bereits erahnen lässt sich allerdings, weshalb der Wohnturm anders als andere Hochhäuser werden wird. Das macht ein Rundgang klar, zu dem seine Schöpfer kurz vor der Eröffnung eingeladen haben: Der «Green Tower» des Architektenbüros Buchner Bründler aus Basel wird nämlich das erste Hochhaus der Schweiz sein, das mit einer bepflanzten Fassade aufwartet.

«Wegen der Brandschutzbestimmungen ist ein solches Projekt nicht ganz unkompliziert», erklärt Andreas Bründler bei dieser Gelegenheit. Deshalb sei diese Form des Begrünens in der Schweiz noch nicht verbreitet.

Flächendeckendes Grün

Möglich macht es ein feines Netz, das rund um das Gebäude gespannt worden ist. Es sorgt dafür, dass am Ende die geplanten 1200 Quadratmeter Grünfläche an der Fassade zu sehen sein werden. In den nächsten Monaten sollen die Maschen entlang Pflanzen emporklettern und sich gleichzeitig auch gegen links und rechts entwickeln. Zu diesem Zweck wurden 100 Pflanzentröge auf allen Etagen angelegt – versetzt, damit sich das Grün flächendeckend ausbreitet.

«Es muss gewährleistet sein, dass die Pflanzen nicht verdorren und die Brandgefahr dadurch nicht steigt», führen die Verantwortlichen beim Ortstermin weiter aus. Deshalb sei der Wohnturm mit einer Bewässerungsanlage ausgestattet worden. Diese merkt, wann sie den Pflanzen wie viel Wasser geben muss. Die Bewohner sollen damit in die Ferien verreisen, ohne jemanden für das Giessen anstellen zu müssen. Bei der Wahl der Pflanzen sind zudem Lichtverhältnisse berücksichtigt worden, die auf allen vier Seiten anders sind.

Blick in die Alpen

Bereits heute sind auf allen Stockwerken Grundbepflanzungen zu sehen, die sich schon am Netz hinaufschlängeln. Weil das Bild der Fassade einheitlich wirken soll, sind die Pflanzen in den Trögen so vorgegeben.

Von den 45 Wohnungen im Wohnturm sind bereits 42 vermietet oder verkauft, eine ist reserviert. Beim Blick in eine der Mietwohnungen, die die ersten vier Geschosse einnehmen, fällt der ungewöhnliche Grundriss auf. Die Wohnungen sind so konzipiert, dass sie mindestens gegen zwei und meist sogar gegen drei Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. Die Fenster reichen allesamt vom Boden bis zur Decke und lassen viel Licht in die Wohnungen.

Am meisten besticht aber der Aussenraum, bei jeder Wohnung kommen mindestens 45 Quadratmeter als Balkon zur Wohnfläche dazu. «Wir wollten einen Ersatzgarten schaffen, damit alle Bewohner auch draussen genug Platz finden», führt Andreas Bründler aus.

Je weiter in die Höhe die Besichtigung führt, desto mehr befindet sich das Haus noch im Rohbau. Die Eigentumswohnungen werden erst nach und nach im Herbst bezogen. Ganz zuoberst, in der künftigen Attikawohnung im 16. Stockwerk, nimmt die Wohnung mit einer Fläche von über 200 Quadratmetern den ganzen Grundriss ein. Bei schönem Wetter wäre hier das Alpenpanorama zu geniessen.

So oder so geht der Blick hinaus ins Grüne, und dabei wird klar: Der «Green Tower» darf nicht nur wegen seiner speziellen Bauweise, sondern auch wegen seiner Umgebung diesen Namen durchaus tragen.

Berner Zeitung

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