Mit der Winde in den Wind

Belp

Erstmals nach vielen Jahren führte die Segelfluggruppe Bern ihre Windentage im Belpmoos durch.

Mit bis zu 100 km/h in Richtung Himmel: Ein Segelflugzeug hebt im Belpmoos ab. Foto: Susanne Keller

Mit bis zu 100 km/h in Richtung Himmel: Ein Segelflugzeug hebt im Belpmoos ab. Foto: Susanne Keller

Johannes Reichen

Wie von Geisterhand gezogen setzt sich das Segelflugzeug in Bewegung. Es holpert über die Graspiste, wird immer schneller, kurz darauf hebt es ab und steigt steil in die Luft – mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Kilometern je Stunde. Auf etwa 250 Metern Höhe dreht es ab, macht einen Bogen über dem Belpmoos und setzt nach rund fünf Minuten schon wieder auf. Dieses Bild zeigte sich am Wochenende dutzendfach auf dem Flughafen Bern-Belp. Wieder einmal.

Traditionell veranstaltet die Segelfluggruppe Bern am Bettagswochenende ihre Windentage. «In den letzten Jahren mussten wir jeweils auf einen anderen Flugplatz ausweichen», sagt Stefan Zlot, Präsident der Segelfluggruppe Bern. Zum Beispiel Yverdon. Wegen «betrieblicher Umstände» hätten sie in Bern jeweils keine Bewilligung erhalten.

Hier ist der Start und die Landung eines Segelflugzeugs zu sehen. Video: Johannes Reichen

Seltenes Heimspiel

Nun aber, seit dem Grounding der Fluggesellschaft Skywork, herrscht nicht mehr viel Betrieb im Belpmoos. Und so konnte die Segelfluggruppe erstmals seit über fünfzehn Jahren wieder daheim ihre Winden­tage durchführen – auf der Piste vor dem eigenen Hangar und dem Clubhaus, der Villa Thermik. Die Winde wurde für dieses Wochenende aus Ambri im Tessin nach Belp transportiert. Zlot hofft, dass im Belpmoos künftig regelmässig Windentage durchgeführt werden können.

«In den letzten Jahren mussten wir jeweils auf einen anderen Flugplatz ausweichen.»Stefan Zlot, Präsident Segelfluggruppe Bern

Segelflugzeuge, die keinen eigenen Antrieb haben, gelangten üblicherweise im Schlepptau eines Motorflugzeugs in die Luft. Anders beim Windenstart. Hier werden sie von einem Seil in die Luft gezogen. Der Aufrollmotor befindet sich am anderen Ende der Graspiste, mehrere hundert Meter entfernt, auf einem Anhänger. Die Kommunikation erfolgt mittels Funk. Vor dem Start muss auch der Tower die Freigabe erteilen. Dann wird das Seil aufgerollt, das Flugzeug setzt sich in Bewegung.

Effizient und ökologisch

«Es handelt sich um eine der traditionellen Startarten», sagt Zlot. Auf manchen Flugplätzen sei sie Standard. Sie sei sehr effizient, kostengünstig und ökologisch. Und deshalb sei sie auch für die Schulung sehr sinnvoll. Davon profitieren auch die Piloten der Segelfluggruppe. Immer wieder heben sie ab und landen kurz darauf wieder.

Und wenn am Samstag im Belpmoos nicht die Panne einer Helvetic-Maschine den Flugverkehr vorübergehend lahmgelegt hätte, dann wären es noch ein paar Flüge mehr geworden.

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