Mit dem Viehhüter gegen den Biber

Kirchdorf

Unübersehbar hat sich der Biber im Limpachtäli bei Kirchdorf niedergelassen. Das gefällt nicht allen: Ein Viehhüter sollte den Nager stoppen – illegal, wie die Wildhut betont.

Unübersehbar: Spuren des Bibers im Limpachtäli bei Kirchdorf.

Unübersehbar: Spuren des Bibers im Limpachtäli bei Kirchdorf.

(Bild: zvg)

Stephan Künzi

Der Viehhüter ist verschwunden. Und mit ihm der Draht, der über das Bachbett gespannt war. Doch Diebe waren hier ganz offensichtlich nicht am Werk. Zwei kleine Plakate klären auf: «Der Biber und sein Lebensraum sind gesetzlich geschützt», steht auf dem ersten, «der Viehhüter kann beim Wildhüter (...) abgeholt werden», auf dem zweiten.

Aha, denkt der Wanderer, der von Kirchdorf her durch das Limpachtäli in Richtung Uetendorf unterwegs ist und neben den Plakaten auch abgenagte Äste und angeraffelte Baumstämme wahrnimmt. Der Biber hat den renaturierten Wasserlauf entdeckt. Und Leute aufgeschreckt, die ihn am weiteren Vordringen möglichst hindern wollen.

Niklaus Blatter bestätigt den Vorfall. Zu den Details äussert sich der kantonale Jagdinspektor nicht, er stellt nur klar, dass es verboten sei, einen Viehhüter ans Wasser zu stellen. Blatter will genauso wenig darüber spekulieren, ob der Eigentümer der zur Seite geschafften Anlage nun mit einem Verfahren oder gar einer Strafe rechnen muss. Viel lieber plädiert er für eine enge Zusammenarbeit mit seinen Leuten: Wer Probleme mit dem Biber habe, suche am besten das Gespräch mit dem zuständigen Wildhüter. «Gemeinsam finden wir immer eine Lösung.»

Spuren des Bibers gebe es im Gebiet seit etwa vier, fünf Jahren, fügt Blatter an. Die Bestände entwickelten sich generell erfreulich. Schon allein deshalb sei es falsch zu meinen, dass sich der Nager mit Massnahmen wie einem Viehhüter aufhalten lasse. Wobei, der Jagdinspektor relativiert nochmals: Fälle wie jener im Limpachtäli bei Kirchdorf seien «äusserst selten».

Bei Schäden gibts Geld

Tatsächlich. Wenn die Medien in jüngerer Vergangenheit über den Biber und seine Spuren berichteten, ging es um Bäume, die – wie vorletzte Woche an der Autobahn bei Lyss – plötzlich auf eine Strasse fielen. Oder um unterirdische Gänge, die – wie letztes Jahr im freiburgischen Cressier – einen Weg zum Einsturz zu bringen drohen. Im zweiten Fall reagierten die Betroffenen kurzerhand mit einer zwar fantasievoll gestalteten, letztlich aber illegalen Signaltafel, die vor der Biber­gefahr warnt.

Von grösseren Verlusten für die Landwirtschaft dagegen war kaum die Rede, und Markus Wyss bestätigt den Eindruck: Der Biber tue sich zwar gerne an Mais-, Getreide- und Zuckerrübenkulturen gütlich, so der Geschäftsführer des Berner Bauernverbands. Für die Betroffenen halte sich der Ausfall aber insofern in Grenzen, als er mit Geldern der öffentlichen Hand entschädigt werde. Analog zu den Schäden, die auch das Wild anrichte. Schwieriger wird es, wenn sich die Biber an einen Obstbaum machen, denn in diesem Fall, fährt Wyss fort, sei der finanzielle Ersatz noch nicht selbstverständlich.

Noch problematischer wird es, wenn die Biber mit ihren Dämmen das Wasser stauen, was in einem breiteren Uferstreifen ungewohnte Nässe und letztlich Ertragsausfälle zur Folge haben kann. Definitiv schwierig wird es überall dort, wo der hohe Wasserstand die Drainage im angrenzenden Land ausser Gefecht setzt. Dann fliesst in einem grösseren Umkreis das Wasser nicht mehr ab, die Gegend vernässt, und in den Leitungen setzt sich Schlamm ab, der zu Verstopfungen führen kann.

Gegen Mäuse und Wild

Genau davor hat Therese Glauser Respekt. Zusammen mit ihrem Mann Ruedi führt sie im Limpachtäli eine Bio-Baumschule, doch bisher, sagt sie, habe der Biber noch zu keinen Schäden geführt. Dass sie einen Teil der Kulturen mit einem Elektrozaun und einer tief in den Boden vergrabenen Sperre aus festem Kunststoff schützt, begründet sie mit der Abwehr von Mäusen und Wild. «Wir warten nun ab, was weiter passiert», erklärt sie. Und ergänzt: «Grundsätzlich mag ich den Biber ja sehr.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt