Ostermundigen

Mit dem Tram zur neuen Strasse

OstermundigenDie Gemeinde Ostermundigen hofft auf ein Ja zum Tram – auch, weil sie dadurch günstiger zu einer sanierten Bernstrasse und neuen Werkleitungen käme als ohne Tram. Die einen finden das ungerecht, die anderen sprechen von einer Win-win-Situation.

Die Bernstrasse in Ostermundigen ist sanierungsbedürftig.

Die Bernstrasse in Ostermundigen ist sanierungsbedürftig. Bild: Urs Baumann

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Die Bernstrasse in Ostermundigen hat eher unrühmliche Bekanntheit erlangt. Sie ist übersät mit Spurrinnen und Schlaglöchern. Auf dem Trottoir spriesst Gras aus dem Asphalt.

Ganz zu schweigen von den teilweise über 100-jährigen Werkleitungen im Boden. Diese sollten, wie die ganze Strasse, längst erneuert werden. Die Gemeinde hat das aber immer wieder verschoben. Begründung: Es mache keinen Sinn, jetzt viel Geld in die Bernstras­se zu investieren und sie nach dem Tramentscheid je nachdem nochmals umzubauen. Man müsse ganzheitlich planen.

Die Gegner des Trams Bern–Ostermundigen, über das am 4. März abgestimmt wird, sehen das anders. Sie finden: Die Gemeinde Ostermundigen habe ­ihre Strasse und die Werkleitungen verlottern lassen und könne diese nun günstig sanieren – zulasten des Kantons, der den Hauptteil des Tramprojekts zahle.

Der Zeitwert wird ersetzt

Was ist dran an diesem Vorwurf? Fakt ist: Das Tramprojekt kostet insgesamt 264 Millionen Franken. Ostermundigen übernimmt 28 Millionen, der Grossteil davon ist für die Erneuerung der Strasse sowie der Wasser- und Abwasserleitungen vorgesehen. «Dass wir auf Kosten des Kantons sanieren, davon kann keine Rede sein», sagt Ostermundigens Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos).

Das Gegenteil sei der Fall. «Alle Beteiligten profitieren davon, dass wir die Werkleitungen in der Bernstrasse nicht bereits vor zehn Jahren saniert haben.» Die Gemeinde müsse ihre Werkleitungen wegen des Trams nämlich so oder so verlegen. Im Gegenzug erhalte sie vom Kanton den Zeitwert der Leitungen ersetzt. Das heisst: Wären die Leitungen vor zehn Jahren erneuert worden, wäre der Zeitwert viel höher als bei 100-jährigen Leitungen.

Die Projektpartner: Zum Vergrössern anwählen.

«Attraktiv für beide Seiten»

Unbestritten ist aber: Müsste Ostermundigen die Bernstrasse und die Leitungen auf eigene Faust erneuern, würden 28 Millionen Franken kaum ausreichen. Laut ersten Berechnungen brauchte es dafür bis zu 35 Millionen. Damit nicht genug: Falls das Kapazitätsproblem auf der Linie 10 mit Doppelgelenkbussen gelöst würde, müsste Ostermundigen weitere 3 bis 5 Millionen Franken für die Anpassung der Bushaltestellen beisteuern. Die Finanzierung der Haltestellen ist nämlich Sache der Gemeinden.

Wer zahlt wie viel?

In Ostermundigens 28-Millionen-Beitrag an das Tramprojekt ist alles inbegriffen: die Bernstrasse, die Leitungen, die Tramhaltestellen sowie ein 1,5-Millionen-Beitrag an die Erneuerung von Bahnhof und Bahnhofunterführung. «Für uns ist das finanziell ein attraktives Angebot», sagt Gemeindepräsident Thomas Iten. Doch auch der Kanton fahre günstiger, wenn der Trambau mit anderen Arbeiten kombiniert werde. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.02.2018, 10:51 Uhr

Beschwerde

Die Abstimmung zum Tram Bern–Ostermundigen findet definitiv am 4. März statt. Das Bundesgericht hat einer Beschwer­de die aufschiebende Wirkung nicht erteilt, wie das Referendumskomitee mitteilt. Das ­Komitee beanstandete mehrere Aussagen in der Abstimmungsbotschaft. Ad acta gelegt ist die Sache aber nicht. Falls das Volk das Tramprojekt annimmt, wird das Bundesgericht auf die Beschwerde eintreten. maz

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