Mit dem Stau soll bald Schluss sein

Laupen

Für 2019 ist der Start der Verkehrssanierung Laupen geplant. Die Kreditbewilligung durch den Regierungsrat steht aber noch aus. Die Gewerbler befürchten, dass wegen der Bauarbeiten die Kunden wegbleiben.

Um die Wartezeiten zu minimieren, ist ein Kreisel geplant. Foto: ubl

Um die Wartezeiten zu minimieren, ist ein Kreisel geplant. Foto: ubl

Jeden Morgen und jeden Abend während der Pendlerzeiten quält ein Stau Laupens Einwohner. Und dies jedes Jahr mehr. Das Grossprojekt Verkehrssanierung und städtebauliche Entwicklung soll Abhilfe schaffen. Dessen Herzstück ist das Verschieben des Bahnhofs gegen Osten. Damit entfallen die Bahnschranken auf der Sensebrücke, welche die Hauptursache für den Stau eingangs des Stedtlis an der Neueneggstrasse sind.

2014 gaben Gemeinde und Kanton die Baupläne bekannt, 2018 hätte man mit den Arbeiten beginnen wollen. Derzeit sind die Pläne aufgelegt. Aber weil es sich um Teilprojekte handelt, die koordiniert werden mussten, hat sich die Planung zeitlich in die Länge gezogen.

Dazu der zuständige Projektleiter Hansjörg Fischer: «Der Baubeginn ist auf den Fahrplanwechsel 2019 geplant, weil in einer ersten Phase der Bahnhof verlegt werden soll, der 2020 in Betrieb genommen wird.» Nach dem Rückbau des alten Bahnhofareals soll 2022 der Strassenbau mit dem Bau der neuen Sensebrücke und des Kreisels starten. Parallel dazu werden sämtliche Werkleitungen erneuert und bis 2024 Hochwasserschutzmassnahmen realisiert. 

Jetzt sind in Gewerbekreisen Stimmen laut geworden, wonach es den Kreisel, der ostseitig des Stedtlis vorgesehen ist, gar nicht brauche. Denn wenn der Bahnhof verschoben sei und keine Barrieren mehr den Brückenübergang blockierten, würden die Staus erheblich abnehmen.

Gemäss Projektleiter Fischer hätten Verkehrssimulationen aber gezeigt, dass ein sogenannter Kleinkreisel für die Knotenkapazität am besten sei und die Wartezeiten minimieren würde. Mit einem 1:1-Versuch sei geprüft worden, ob verschiedene Bustypen und Lastwagen einen Kreisel mit 19 Metern Durchmesser befahren könnten. 

Ängste der Gewerbler

An einem Infoabend zum Projekt äusserten Gewerbetreibende Ängste, dass die Kundschaft während der rund fünfjährigen Bauzeit ausbleiben könnte. Denn die Zufahrt zum Stedtli wird lange Zeit gesperrt sein, und die Geschäfte rund um die Baustelle des künftigen Kreisels werden mit Ladewänden abgeschirmt. Dazu Gemeindepräsident Urs Balsiger (SVP): «Es wird natürlich Beeinträchtigungen geben. Die Leute werden Umwege in Kauf nehmen müssen, aber wir werden mit dem Gewerbe Lösungen suchen.»

Das verspricht man auch beim Kanton: «Nach der Plangenehmigung soll eine Begleitgruppe mit Vertretern des Gewerbes gebildet werden, die Massnahmen erarbeitet, um den Ausfall von Kundschaft möglichst gering zu halten», erklärt Hansjörg Fischer. Er denkt etwa an einen Lieferservice, an Foodtrucks, Pop-up-Stores und Innovationen wie Paketroboter. Im Gespräch ist auch ein Laden-Dörfli auf dem ehemaligen Bahnhofareal. 

Mit Ängsten von Gewerbetreibenden konfrontiert wurde auch Michael Aebersold, Präsident des Laupener Gewerbevereins L'Affiche. Der Fürsprecher und Notar schickt vorweg, dass die Haltung zum Verkehrsprojekt «grundsätzlich positiv» sei, weil so das Verkehrsproblem entschärft werde und auch die Werkleitungen schon längst hätten saniert werden müssen. Aber: «Der Weg zum Ziel ist noch mit Fragen gepflastert.» Es sei unklar, wie die Geschäfte im Städtchen während der Bauzeit erreicht werden könnten.

Mit Ideen wie einem Laden-Dörfli oder Foodtrucks kann er wenig anfangen. «Die bestehenden Geschäfte müssen zugänglich sein, die negativen Folgen für die Gewerbetreibenden eingedämmt werden», fordert er. Aebersold denkt auch an die Parkplatzsituation, die seiner Ansicht nach unklar ist und vorgängig gelöst werden müsste. Er hofft auf Lösungen durch Gespräche zwischen Gemeinde und Geschäftsleuten. 

Regierungsrat entscheidet

Das Strassenbauprojekt mit Kosten von rund 25 Millionen Franken ist im Investitionsrahmenkredit 2018–2021 enthalten und liegt in der Kreditkompetenz des Regierungsrats. Rund 19 Millionen Franken gehen zulasten des Kantons, circa 6 Millionen zulasten der Gemeinde. In diesem Gemeindeanteil sind auch die Kosten für die neuen Werkleitungen enthalten. 

Was, wenn das Projekt hinausgeschoben oder gar abgelehnt wird? Gibt es eine Minimalvariante? «Wir gehen davon aus, dass das Projekt in der jetzt vorliegenden Form realisiert werden kann. Sonst müsste die Situation neu beurteilt werden», sagt Fischer.

Berner Zeitung

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