Bantiger

Mit dem Putzlappen auf Wanderschaft

BantigerOhne die gelben Wegweiser würden sich viele Wanderer verlaufen. Rolf von Allmen sorgt rund um den Bantiger dafür, dass sie sauber sind und ihren Dienst tun können.

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Sein Frühlingsputz dauert bis in den Herbst. Zwischen April und Oktober reinigt Rolf von Allmen die Wanderweg-Wegweiser im Bezirk Bantiger. Auf einer Karte zeigt der 67-Jährige sein Gebiet, es erstreckt sich von Worblaufen durch das Lindental bis nach Hindelbank und von dort zurück die Bahnlinie entlang via Schönbühl nach Zollikofen. Rote Linien zeigen die Wanderwege. Sie sind 120 Kilometer lang.

In einer Sprühflasche, die andere für ihre Blumen brauchen, hat von Allmen Wasser mit Abwaschmittel gemixt. Damit netzt er die Wegweiser und wischt sie dann mit einem alten Baumwollshirt ab. Zu stärkern Mitteln muss er meistens nicht greifen: «Richtig schmutzig sind die Wegweiser selten», sagt er.

In der Regel treffe er Spinnweben an. Hin und wieder kommt es allerdings zu Sprayereien. Um sie zu entfernen, muss von Allmen ein zweites Mal mit einem Spezialmittel ­vorbeikommen. Einmal habe er sogar einen durchlöcherten Wegweiser angetroffen. Wohl aus Blödsinn habe jemand einen Schuss aus einer Waffe abgegeben, mutmasst er.

150 Stunden im Ehrenamt

Manchmal steht von Allmen auch vor einer nackten Eisenstange, dann nämlich, wenn jemand den Wegweiser abmontiert und als Souvenir eingepackt hat. Bis die Tafel ersetzt ist, kann ein Jahr verstreichen – neue Wegweiser bestellt der Verein Berner Wanderwege nur einmal pro Jahr.

Seit vier Jahren ist Rolf von Allmen Bezirksleiter am Bantiger, einer von insgesamt 90 im ganzen Kanton. Mit der Arbeit angefangen hat er gleich nach der Pensionierung. Nach vierzehn Jahren Bürojob beim Bund freut sich der Elektroingenieur, in der Natur unterwegs zu sein. Zudem schätzt er die flexiblen Arbeitszeiten: Alle Wanderwege des Bezirkes muss er jedes Jahr begangen haben. Wann er das macht, bestimmt er selbst. Um die 150 Stunden ist er unterwegs. Ehrenamtlich.

Nach jedem geputzten Wegweiser späht Rolf von Allmen nach der nächsten gelben Markierung. «Die Wege müssen so signalisiert sein, dass sich niemand verläuft.» Die sogenannten Zwischenmarkierungen, das sind Farbmarkierungen, Kleber oder Blechrhomben, machen den Wanderern klar, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Auch sie werden vom Bezirksleiter gereinigt oder ersetzt.

Ist bei den Farbmarkierungen das Gelb ausgeblichen, pappt von Allmen einfach eine neue Schicht Acrylfarbe darüber. «Auf Buchenholz haftet sie gut, bei Tannen und Eichen dagegen ist das Malen wegen der groben Rinde schwierig.» Eine Lösung für dieses Problem habe er noch nicht gefunden, und auch die Kollegen aus anderen Bezirken hätten nicht weiterhelfen können. Dabei tauscht man gerne Tipps und Tricks aus, wie er weiter erzählt. Unter anderem erfuhr er auf diesem Weg, dass sich unerwünschte Kleber auf Wegweisern am besten mit einem alten Schnitzer entfernen lassen.

Wie viele Markierungen?

Auf seinen Touren schleppt von Allmen zwölf Kilo Gepäck mit – Rucksack, Tasche, Leiter. Das Handwerk gelernt hat er während zweier Kurstage. Sein Wissen frischt er regelmässig auf. So beriet er sich an einer Weiterbildung mit anderen Bereichsleitern über knifflige Signalisationen: Wo platziert man einen Wegweiser, damit die Wanderer ihn sehen? Bringt man lieber noch einen Rhombus mehr an? Im Zweifel sei das so, aber: «Zu viele Markierungen werden rasch zur Farce.»

Zu Hause in Ostermundigen druckte sich Rolf von Allmen die Karte seines Bezirkes auf ein Holzbrett. Darüber legte er eine Plastikplane, auf der er nach jeder Tour die zurückgelegte Route markiert. Manche Wege können sehr wohl mehrere Striche tragen. Denn: «Ich laufe nach Lust und Laune los. Weil ich nicht die idealste Route ausrechne, gehe ich manche Wege zweimal.» Ende Saison wischt er die Farbe wieder weg. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.08.2018, 08:58 Uhr

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