Mit dem Pfleger auf Tour im Tierpark Dählhölzli

Bern

Diesen Tag wird Philipp Reinalter so schnell nicht vergessen: In Begleitung von Tierpfleger Andreas Hofer darf sich der 13-Jährige um die Wildtiere im Dählhölzli kümmern.

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«Unser jüngerer Sohn Philipp ist ein riesengrosser Tierfan», schreibt Cornelia Reinalter in ihrer Mail an die «Forum»-Redaktion. Sein grösster Wunsch: Einen Tierpfleger bei der täglichen Arbeit begleiten. Wir kontaktieren den Tierpark Dählhölzli, der sich sofort kooperativ zeigt – und so erlebt der 13-Jährige noch vor dem Wintereinbruch einen unvergesslichen Tag.

Im Wolfsgehege

Zum Auftakt gehts mit Andreas Hofer in die Tierparkmetzgerei. «Hier wird auch mal eine Kuh ­geschlachtet», erzählt der Tierpfleger. Eine der wenigen Arbeiten, die der 28-Jährige nicht gerne macht. Ansonsten liebt Hofer die Vielseitigkeit seines Berufs. «Gärtnerarbeiten gehören ebenso dazu wie handwerkliche Tätigkeiten», erzählt der Berner.

Für Philipp Reinalter hat der Tierpfleger am heutigen Tag ein Programm zusammengestellt, das sich in erster Linie auf die Tier­betreuung konzentriert. «Nur Scheibenputzen und Entlauben wäre ja langweilig für dich», sagt er mit einem Schmunzeln zu seinem «Schnupperstift».

Andreas Hofer ist im Tierpark Dählhölzli für die Raubtiere zuständig. Dazu gehört auch die Fütterung der fünf Wölfe. Mit einem Kübel voller Fleisch aus der Metzgerei darf auch Philipp Reinalter mit ins Gehege. «Wölfe sind sehr ängstliche Tiere, sie würden nie einen Menschen ohne ganz triftigen Grund angreifen», zerstreut Hofer allfällige Bedenken.

Tatsächlich, erst als die beiden aus dem Gehege zurück sind, nähern sich die Wölfe der «Beute». Der Schüler beobachtet das Geschehen, während Hofer sich verstecken muss. Sehen die Wölfe ihren Pfleger, machen sie sich aus dem Staub. Der Grund: «Die Wölfe haben mich schon im Gehege gesehen, sie stufen mich deshalb als Gefahr ein.»

Derzeit geniessen die Wölfe im Dählhölzli einen riesigen Auslauf, dürfen sie doch auch das Bärengehege benutzen. Mascha und Mischa, die beiden ussurischen Braunbären, befinden sich nämlich in der Winterruhe. Auf einem Bildschirm kann Philipp Reinalter dem Pärchen beim Schlafen zuschauen.

Gegenseitiger Respekt

Andreas Hofer, der nach einer Erstausbildung eine verkürzte zweijährige Lehre als Tierpfleger absolviert hat, sieht sich in erster Linie als «Diener der Tiere». Gegenseitiger Respekt sei das oberste Gebot. «So gut, wie du zu einem Tier bist, so gut ist es zu dir», lautet seine Devise.

Besonders angetan ist Andreas Hofer, seit fünf Jahren im Dählhölzli tätig, vom Leopardenweibchen. Nur logisch also, führt Philipp Reinalters Rundgang auch zu den Raubkatzen. «Hier waren vor dir noch nicht viele Menschen», sagt der Tierpfleger, als sie die Leopardenstallungen hinter dem Gehege aufsuchen. Wie bei den Bären ist auch bei den Leoparden die Sicherheit oberstes Gebot. Eine Schleuse, Gitter vor den Fenstern, keine Türfallen – und jeder Handgriff wird doppelt kontrolliert.

«Abends lange ausgehen und dann unkonzentriert auf der Arbeit erscheinen, das geht gar nicht.» Bevor Philipp Reinalter die Leoparden mit einem Leckerchen belohnen darf, gilt es deren Stalllungen zu putzen. Und so reinigen die beiden – mit Besen ausgerüstet – den Boden und entfernen das mit Urin durchnässte Sägemehl.

Seehunde-Fütterung

Danach deponiert Philipp Reinalter für die Wildkatze an verschiedenen Stellen Futter, dies unter der Beobachtung Hofers sowie der «Dame des Geheges». Und dann wartet auch schon die nächste Attraktion: Mit Tierpflegerin Marina Gerber darf Philipp Reinalter bei der öffentlichen Fütterung der Seehunde mit­helfen.

Bevor Cornelia Reinalter ihren Sprössling wieder am Eingang in Empfang nehmen darf, hat Andreas Hofer noch ein Anliegen in eigener Sache. Als Schlangennarr will er Philipp Reinalter («Ich habe kein Lieblingstier, aber Schlangen mag ich nicht so») die Angst vor dem Reptil nehmen.

Er nimmt eine wunderschöne Königspython aus dem Käfig – und tatsächlich ist der 13-Jährige fasziniert. Er berührt die Haut der Schlange und stellt fest, dass diese nicht wie oft vermutet nass und schleimig ist. Gefragt nach dem Highlight des Nachmittags, erwähnt er denn auch gleich die Python. «Und den Besuch im Wolfsgehege. Und, und, und . . .»

Übrigens: Philipp Reinalter, der später einmal Biologe werden möchte, und Andreas Hofer haben sich wohl nicht das letzte Mal getroffen. «Ruf mich im Frühling an, dann haben Mascha und Mischa die Winterruhe beendet, und ich kann dir auch noch meine Arbeit mit den Bären näherbringen.» Wetten, dass Philipp Reinalter dieses Angebot annehmen wird?

Berner Zeitung

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