«Mit allen Mitteln» gegen ein zweites Asylzentrum

Lyss

In der Kaserne Lyss soll ab dem Jahr 2025 ein Bundesasylzentrum entstehen. Dies, obwohl bereits im benachbarten Kappelen ein Bundesasylzentrum zu stehen kommt. Das will sich die Gemeinde nicht gefallen lassen.

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Christoph Albrecht

Zur Diskussion stand es schon länger. Nun ist es definitiv: Der Bund will auf dem Waffenplatz Lyss ein Bundesasylzentrum bauen. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat am Dienstag einen entsprechenden Entwurf des Sachplans Asyl veröffentlicht. Demnach ist auf dem heu­tigen Kasernenareal ab dem Jahr 2025 eine Anlage mit bis zu 350 Schlafplätzen geplant. Sie soll das befristete Bundesasylzentrum im Berner Zieglerspital ablösen.

Die Pläne des Bundes haben es in sich. Der Grund: Bereits jetzt ist klar, dass das bisherige kantonale Durchgangszentrum in Kappelen 2019 in ein Bundesasylzentrum für 270 Personen um­gewandelt wird. Dieses befindet sich zwar auf Kappeler Gemeindegebiet, es gehört aber zum Siedlungsgebiet von Lyss. Das heisst: Die Ortschaft würde gleich beide für die Asylregion Bern ­vorgeschriebenen Bundesasylzentren erhalten.

«Das ist unfair»

Beim Lysser Gemeindepräsidenten Andreas Hegg (FDP) ist die Verärgerung über die nun konkreten Pläne des Bundes riesig: «Das ist unfair, unsolidarisch und respektlos», sagt er. Seit Jahren biete Lyss bereits Hand für Asylsuchende – und solle nun mit einem zweiten Zentrum gleich die ganze Last des Kantons tragen. «Das geht einfach nicht!» Dass das bisherige kantonale Durchgangszentrum nicht auf eigenem Gemeindeboden steht, lässt er nicht gelten. «Die Aus­wirkungen davon sind vor allem bei uns in Lyss zu spüren.»

Für Hegg ist deshalb klar: «Wir verlangen, dass unsere Gemeinde wieder vom Plan des Bundes gestrichen wird.» Wie er dies konkret zu erreichen gedenkt, will er zwar nicht kommentieren. Der Bund müsse aber «mit grösstem Widerstand rechnen», warnt er.

Beim SEM hat man für den Unmut in Lyss Verständnis. «Dem Widerstand ist natürlich Rechnung zu tragen», beschwichtigt SEM-Sprecher Lukas Rieder. Dass gerade Lyss als Standort für das zweite Bundesasylzentrum vorgesehen ist, kommt jedoch nicht von ungefähr. Da die Armee die Kaserne von Lyss nach Thun verlegen will, wird dort künftig Platz frei. «Diese Lösung wäre sehr kostengünstig», so Rieder.

Das bezweifelt der Lysser Gemeindepräsident Andreas Hegg. «Ich verstehe nicht, weshalb man die Kaserne überhaupt verlegen will.» Der Waffenplatz funktioniere gut. Mit dem Umzug nach Thun werde seiner Meinung nach unnötig Geld ausgegeben.

Kampfansage an den Bund

Wie die Lysserinnen und Lysser zum Vorhaben des Bundes stehen, wird sich in den nächsten dreissig Tagen zeigen. So lange hat die Bevölkerung nun Zeit, sich zu den Plänen zu äussern. Für den Kanton und die Gemeinde läuft die Anhörungsfrist bis zum 4. Juli. Die Kampfansage von Gemeindepräsident Hegg ist jedenfalls bereits zum Start der Vernehmlassung deutlich: «Wir werden uns mit allen Mitteln gegen ein zweites Zentrum wehren.»

Berner Zeitung

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