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Misstöne rund um Berner Pride-Parade

Dieses Wochenende findet in Bern die Pride Ouest statt. Hauptprogrammpunkt ist ein Marsch zum Bundesplatz am Samstag. Nun gibt es Misstöne – ausgerechnet aus dem linksextremen Lager.

Die Berner Pendler hatten heute Morgen ein farbenfrohes Erwachen. Zwei übergrosse Regenbogenstreifen flankierten den Fussgängerstreifen zwischen Bahnhofplatz und Bahnhofareal. Es ist ein Willkommensgeschenk der Stadt Bern an die LGBTI-Community (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle). Sie feiert dieses Wochenende in der Bundeshauptstadt die «Pride Ouest».

Farbenfroh soll es auch am Samstag in Berns Gassen zu- und hergehen. Geplant ist ein sogenannter «Sternmarsch», als Hauptprogrammpunkt des einmaligen Grossanlasses. Von verschiedenen Plätzen in der Stadt sollen die Menschen um 16 Uhr losziehen und sich anschliessend auf dem Bundesplatz versammeln. Dort werden Reden gehalten, unter anderem von Simonetta Sommaruga und Reto Nause.

Die Kritik der Linken

Genau das passt den linksextremen Berner Kreisen nicht. Sie riefen deshalb zu ihrer eigenen Demo «Stay queer, come rebel!» auf. Und zwar zur selben Zeit, am selben Ort. Auf ihrer Website erklären die Linksautonomen ausführlich, was ihnen an der «Pride Ouest» alles nicht passt.

Da wäre zum Beispiel Gemeinderat Reto Nause (CVP), der die Stadt Bern offiziell vertritt. Als Stadtberner Sicherheitsdirektor ist Nause mit seiner Reitschule-Politik für die Linksautonomen per se ein rotes Tuch. Aber in ihrem Statement kritisieren sie für einmal nicht nur seine angeblichen Repressionsgelüste, sondern die CVP-Familienpolitik. Diese sei etwa gegen die Ehe für Alle und gegen das Adoptionsrecht für nicht-heterosexuelle Paare.

Simonetta Sommaruga mögen die Linksautonomen wegen ihrer Asylpolitik nicht. « Als Vorsteherin des Schweizer Asylwesens, prägte sie dieses in den letzten Jahren in erster Linie durch Verschärfungen», heisst es im Demo-Aufruf. Unter anderem soll es in ihrer Amtszeit zu Ausschaffungen von Homosexuellen gekommen sein, die in ihrem Herkunftsland aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden.

Aber nicht nur die Redner, auch die Sponsoren stossen den Linksautonomen sauer auf. Besonders stört sie das Hotel Schweizerhof. Dieses gehört der Katara Hospitality Switerland AG, einer aus Katar finanzierten Hotelgesellschaft. Dort wird Homosexualität gemäss Scharia-Recht mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft. Die Grundsatzfrage der Linksextremen: «Was haben der Schweizerhof, Sommaruga und Nause genau mit der Pride zu tun?.»

Nause für «Ehe für alle»

Bei den Veranstaltern ist man rasch auf die Kritik der linksextremen Kreise eingegangen. In einem Statement finden sie zu Sommaruga und Nause viel lobende Worte.

«Wir sind froh, gibt es auch in der CVP und im Justiz- und Polizeidepartement Vertreter*innen, die gegenüber unseren Anliegen offen sind und sich für eine Veränderung zugunsten der LGBTIs einsetzen. Unsere Redner*innen gehören zu diesen Vertreter*innen», so die „Pride Ouest“-Veranstalter.

Tatsächlich sagte Reto Nause kürzlich in einem Interview gegenüber dem Magazin «Mannschaft» (eine Zeitschrift mit schwulem Zielpublikum), dass er bei der «Ehe für alle» eine andere Position vertritt, als seine Partei. Und auch die Verschärfungen in der Asylpolitik gehen nicht auf das Konto von Simonetta Sommaruga, sondern auf jenes der Schweizer Stimmbevölkerung.

«Platz für kritische Stimmen»

Erstaunlich ist vor allem der Abschnitt zum Schweizerhof: «Das Hotel Schweizerhof hat Eigentümer aus Katar, ein Land das gegenüber LGBTIs nicht offen ist. Die Direktion des Hotels und die Mitarbeitenden teilen diese Haltung in keiner Weise. Alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft oder sexuellen Orientierung, sind im Hotel Schweizerhof willkommen», schreiben die «Pride Ouest»-Veranstalter.

Vielleicht war es dieser Beweis an Haltung, der die Linksextremen etwas milder stimmte. Man habe mittlerweile über Facebook Kontakt gehabt, sagt Barbara Stucki, Kommunikationsverantwortliche der Pride Ouest. Die Linksextremen marschieren nun auch als Teil des «Sternmarsch» mit. «Wir kämpfen für eine bessere Schweiz und eine bessere Welt – für uns alle. In ‹Power of Diversity› hat es auch Platz für kritische Stimmen», so Stucki.

Bleibt zu hoffen, dass die «Trillerpfeifen und sonstige Lärminstrumente», welche die Linksextremen bei ihrer Demo mitbringen wollen, während den beiden Reden in den Taschen bleiben. Denn eigentlich haben ja alle Versammelten dasselbe Anliegen: Die Rechte der LGBTI-Community zu stärken.

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