Miss-Schweiz-Wahl findet nicht in Bern statt

Bern

Die diesjährige Miss-Schweiz-Wahl findet nicht mehr in Bern statt, sondern in Basel. Ein Grund für den Ortswechsel waren die Misstöne rund um die Wahl. Berns Stapi Alexander Tschäppät trägts mit Fassung.

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Letztes Jahr bekam die Miss-Schweiz-Wahl eine Generalüberholung. Neuer Veranstalter, neues Konzept, neuer Standort war die Devise. Die Show wurde neu als «Wohltätigkeitsveranstaltung» konzipiert und nach Bern verlegt. Jetzt ist jedoch klar, dass es ein vorerst letztes Gastspiel war. Die Wahl wird dieses Jahr nämlich nicht mehr in der Bundeshauptstadt stattfinden, sondern in Basel. Dies teilten die Organisatoren am Freitag mit. Damit entschwindet dieses Jahr nach dem Fussball-Cupfinal ein weiterer nationaler Anlass von Bern nach Basel.

Der Schönheitswettbewerb soll demnach am 7. November im Musical Theater Basel stattfinden. Für Basel habe man sich «aufgrund der kulturellen und weltoffenen Ausstrahlung» der Stadt entschieden, schreibt die Miss Schweiz Organisation AG.

Dieser Entscheid sorgt in Bern etwas für Verwirrung. Denn im Nachgang der Wahl am 11. Oktober 2014 zogen die Veranstalter ein durchaus positives Fazit. Kein Wunder: 30 Prozent mehr TV-Zuschauer, 900 geladene Gäste im riesigen Partyzelt auf dem Bundesplatz und viel Medienecho im In- und Ausland waren die Früchte, welche die Organisatoren ernten konnten. «Die Wahl soll 2015 in Bern etabliert werden», schrieben die Promotoren eine Woche nach der Wahl.

Allerdings gab es im Zusammenhang mit der Wahl auch Misstöne. Zuerst wurde die «Verkommerzialisierung» des Bundesplatzes angeprangert. Dann protestierte am Abend selber eine Gruppe junger Leute gegen die in ihren Augen sexistische Wahl, worauf es zu einem umstrittenen Polizei-Einsatz kam.

Jene negativen Begleiterscheinung waren für die Organisatoren der Grund, der Stadt Bern den Rücken zu kehren. «Medienschlagzeilen wie ‹Miss Schweiz wird ein Fall für die Justiz› warfen einen unschönen Schatten über die Wahl», begründet Organisator Claudio Righetti am Freitag gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz den Entscheid (Das ganze Interviwe sehen Sie hier.). Die Dimension des Events für Bern sowie der karitative Aspekt der Veranstaltung seien fast komplett untergegangen, so Righetti.

Tschäppät hat Verständnis

Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät bedauert, dass die Miss-Schweiz-Wahl dieses Jahr nicht in der Bundesstadt über die Bühne geht. Allerdings gehe deswegen keine Welt unter, sagte Tschäppät am Freitag.

Im Gespräch mit den Organisatoren habe er darauf hingewiesen, dass eine Neuauflage auf dem Bundesplatz sicher nicht vernünftig wäre, sagte Tschäppät. «Konfrontationen» wären zu befürchten gewesen.

Auf dem Bundesplatz zu beharren könnte als Zwängerei ausgelegt werden und hätte der Miss-Schweiz-Wahl nur geschadet. Die Stadt habe andere Standorte vorgeschlagen, die Veranstalter hätten sich nun aber für ein bestehendes Haus in Basel entschieden. In Bern war 2014 ein gigantisches Zelt, der «Swiss Dome», aufgebaut worden.

«Ich bedaure, dass ein solcher Event, der Bern doch ein bisschen PR einträgt und auch wirtschaftlich etwas bringt, nicht bei uns stattfindet», sagt Tschäppät schliesslich. Von grosser Tragweite sei dies aber nicht, machte er deutlich.

Bern Tourismus bedauert Abgang

Markus Lergier, Direktor von Bern Tourismus, bedauert den Abzug der Missenwahl aus der Stadt Bern: «Es ist schön für eine Stadt, einen solchen Event beherbergen zu dürfen» sagt er auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnetz. Und weiter: «Eine Miss-Wahl bringt etwas Glamour mit sich und eine gute Medienpräsenz.»

Trübsal blasen will Lergier deswegen trotzdem nicht: «Wir haben auch andere Anlässe in Bern und sind überzeugt, dass neue und spannende Projekte nach Bern kommen werden», meint er. Lergier glaubt auch nicht, dass sich die Stadt Bern zu wenig dafür eingesetzt habe, dass der Glamour-Event in der Bundeshauptstadt bleibt.

Juso sieht sich als Siegerin

Erfreut über den Wegzug zeigt sich die Juso des Kantons Bern, kein Wunder, so waren sie doch massgeblich beteiligt an der Protestaktion am Wahlabend. «Das ist ein Sieg für die Protestierenden und für alle, die sich gegen diese Veranstaltung gewehrt haben» schreibt Tamara Funiciello, Co-Präsidentin der Juso Kanton Bern, in einer Medienmitteilung vom Freitag. Eine solche sexistische Veranstaltung wolle man in Bern nicht tolerieren.Bereits jetzt kündigen die Juso Sektionen Basel und Bern an, auch im neu gewählten Veranstaltungsort Basel Proteste durchzuführen.

Auch Stadträtin Seraina Patzen (JA) freut sich über den Wegzug der Misswahl: «Der öffentlicher Raum sollte für die Bevölkerung da sein und nicht für einen exklusiven Anlass», sagt sie. Anders als beispielsweise der Märit auf dem Bundesplatz habe die Misswahl keinen Nutzen für die Bernerinnen und Berner gehabt.

Appalooza bleibt im Boot

Nicht viel ändern wird sich für die Appalooza productions GmbH, welche an der letztjährigen Miss-Schweiz-Wahl für die Infrastruktur inklusive Zelt zuständig war. Sie wird dies auch in Basel sein, wie Carlo Bommes, Inhaber von Appalooza, gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz bestätigt.

L‘Oréal Schweiz als Sponsor

Die Miss-Schweiz-Wahl soll auch in Basel als Charity-Event stattfinden, schreiben die Organisatoren. Corelina, die Stiftung für das Kinderherz von Starherzchirurg Thierry Carrel, wird weiterhin Partnerin der Miss-Schweiz-Wahl sein. L‘Oréal Schweiz konnte zudem als neuer Sponsor ins Boot geholt werden.

mib/sda

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