Minimalismus – im Kleiderschrank

Januarloch-Kalender

Bei Capsule Wardrobe geht es nicht um Pillen oder Kaffee, sondern um Kleider – und zwar um wenige. Selten mehr als 40 Teile besitzt, wer nach diesem Konzept lebt. So auch Larissa R. Döring aus Bern.

Kleidungsstücke, die ihr nicht schmeicheln, hat Stilberaterin Larissa R. Döring aussortiert.

Kleidungsstücke, die ihr nicht schmeicheln, hat Stilberaterin Larissa R. Döring aussortiert.

(Bild: Raphael Moser)

Ein voller Schrank und nichts zum Anziehen. Dieses Problem kennt Larissa R. Döring nicht. Als sie vor vier Jahren das Konzept der Capsule Wardrobe im Rahmen ihrer Ausbildung zur Stil­expertin entdeckte, entrümpelte sie ihre Garderobe. Warf alles raus, was ihrer Figur nicht schmeichelte und nicht schwarz oder weiss war. 40 Teile lagern heute in ihrem Schrank – Accessoires, Unterwäsche, Sport- und Abendkleider ausgenommen.

Döring schätzt die Einfachheit einer Capsule Wardrobe: «Jeden Morgen weiss ich, was ich anziehen will.» Möglich macht ihr das die Gewissheit, dass jedes Teil ihren Charakter unterstreicht, zu den Formen ihres Körpers und ihres Gesichts sowie dem Haut- und Haarton passt. Weil auf diesen Kriterien die ganze Garde­robe basiert, ermittelt diese die Stilberaterin bei ihren Kundinnen und Kunden zuerst. «Keiner Person stehen alle Farben.»

Niemand könne darum Vorlagen für Capsule Wardrobes aus dem Internet eins zu eins übernehmen. Viele Ratgeber stufen zum Beispiel einen Trenchcoat als «Must-have» ein – dabei passe dieser nicht zu jeder Körperform. «Wessen Körper das Fett am Bauch speichert, trägt besser keinen Trenchcoat, da dieser mit den zweireihigen Knöpfen die Taille betont», mein Döring.

Keine Scheu vor Zahlen

Aufgetaucht ist der Begriff der Capsule Wardrobe zum ersten Mal in den 70er-Jahren in England. Trugen die meisten Frauen vorher Kostüm, variierten sie mit dem Aufkommen von Massenkollektionen öfter ihre Outfits, die Leerstellen im Schrank schrumpften. Susie Faux, Inhaberin der Boutique Wardrobe in London, empfahl darum, sich auf zwölf zeitlose Teile zu beschränken. Designerin Donna Karan nahm die Idee auf, spitzte sie zu und präsentierte 1985 eine Kollektion, bestehend aus nur 7 Teilen.

Heute kursieren verschiedenste Zahlen; die meisten raten zu 20 bis 40 Kleidungsstücken. «Niemand soll sich von Nummern abschrecken lassen», betont Döring. Je nach Berufs- und Familiensituation seien manche Menschen gezwungen, mehr als 40 Teile zu besitzen. Damit der Kern der Capsule Wardrobe – die Einfachheit – trotz fehlender Deckelung gewahrt bleibt, nennt Döring eine Faustregel: «Jedes Teil sollte mit mindestens fünf anderen kombiniert werden können.» Wer sich diese Frage stellt, bleibe vor Spontan- und Fehlkäufen verschont.

Geld sparen

Klingt stark nach Disziplin und ja, auch Eintönigkeit. Döring widerspricht: «Accessoires sorgen für Abwechslung.» Sehr gerne mag sie farbige Seidentücher. Die sind vielfältig, lassen sich um Hals, Kopf oder Handgelenk binden. Selbst Kleider in knalligen Farben und mit extravaganten Mustern können Platz finden in einer Capsule Wardrobe – sofern sie eben zu der Trägerin oder dem Träger passen.

Dass eine Person sich verändert im Laufe des Lebens und mit ihr auch der Stil, ist sich Döring bewusst. «Eine Capsule Ward­robe ist nicht starr. Dinge kommen hinzu, andere fallen raus.» Secondhandshops schätze sie darum. Dort könnten selbst Leute mit einem kleinen Budget Kleider von guter Qualität kaufen. Ihrer Erfahrung nach sparen Menschen, die eine Capsule Ward­robe führen, auf Dauer sogar Geld: «Sie sind nicht mehr der ständigen Versuchung, Neues anzuschaffen, ausgesetzt.»

Stilexpertin Larissa R. Döring bietet in Bern Workshops an, in denen die Teilnehmenden eine Capsule Wardrobe einzurichten lernen. Weitere Infos: bonjourelegance.ch.

Berner Zeitung

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