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Metzgerei vor dem Aus

Das Geschäft läuft, aber nach 30 Jahren haben Küngs genug. Deshalb schliessen sie ihre Metzgerei. Die ­Suche nach einem Nachfolger blieb erfolglos. Die Schlachterei bleibt bestehen.

Seit 30 Jahren im Geschäft: Rosa und Fritz Küng bieten in ihrer Metzgerei nicht nur Fleisch an.
Seit 30 Jahren im Geschäft: Rosa und Fritz Küng bieten in ihrer Metzgerei nicht nur Fleisch an.
Christian Pfander

Was es nicht alles zu kaufen gibt in der Metzgerei Küng in Toffen. Ragout, Haxen, Steaks vom Kalb. Koteletts, Filets, Braten vom Schwein. Entrecôtes, Plätzli, Tatar vom Rind. Spiessli, Pouletschnitzel, Fleischkügeli. Landjäger, Cipollata, Saucisson. Schinken, Speck, Salami. Gekochtes, Geschnittenes, Geschnetzeltes.

Alles das und noch viel mehr liegt in der Auslage der Metzg oder hängt hinten an der Wand, als kurz nach 15 Uhr die Ladentür aufgeht. Ein Kunde tritt ein, was darfs denn sein? Kalbsleber, 500 Gramm, am Stück. Auch das gibts hier natürlich.

Keine Nachfolge gefunden

Seit 30 Jahren führen Fritz und Rosa Küng die Metzgerei an der Hauptstrasse, und wenn nicht noch ein Wunder geschieht, dann ist bald Schluss. Auf Ende Februar wollen sie den Verkaufsladen schliessen. «Es sei denn, wir finden doch noch einen Nachfolger», sagt Fritz Küng.

Allerdings: Küng kümmert sich schon seit Jahren um eine Lösung, und deshalb ist seine Hoffnung grösstenteils aufgebraucht. «Ich habe mich bereits damit abgefunden, dass es mit diesem Laden nicht mehr weitergeht», sagt der 57-Jährige. «Es tut weh, vor allem für unsere Kunden tut es mir leid.»

30 Jahre im Laden

Wer sich der Metzgerei Küng nähert, dem fällt sie sofort auf. Seit Jahren steht eine riesige Bratwurst aus Plastik vor dem Laden, weiss, beidseitig braun angebraten. «Die Lage an der Bernstrasse ist gut», sagt der Metzger, auch wenn sich das Dorfleben eher unten im Bahnhofquartier abspielt, wo es auch einen Coop gibt.

«Es tut mir vor allem für unsere Kunden leid.»

Metzger Fritz Küng

Fritz Küng ist in der Metzgerei aufgewachsen, die einst seine Eltern führten. Eigentlich wollte er einst Bauer werden, aber weil sein Bruder nach einem Unfall die Metzgerei nicht übernehmen konnte, war klar, dass die Reihe an ihm war. «Darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht, das war ganz normal.»

Heute sei das anders. Weder der Sohn noch die Tochter kommen für die Nachfolge infrage, sie haben sich für andere Berufe ­entschieden. Auch von den Angestellten will niemand das Zepter von den Küngs übernehmen. Und auch sonst war die Suche bisher erfolglos. Dabei könnte sich der Nachfolger in ein gemachtes Nest setzen. «Der Laden läuft gut, wir haben eine treue Kundschaft», sagt der Metzger.

Küngs verkaufen in ihrem Laden nicht nur Fleisch, sondern auch eine Reihe weiterer Produkte. Teigwaren und Käse aus der Region, Chips, Saucen, Schokolade, Polenta, Risotto, Gewürze, viele Öle. «Das mache ich gerne», sagt Rosa Küng. Die 53-Jährige managt den Laden.

Schlachterei bleibt

Im hinteren Teil des Gebäudes hat Fritz Küng das Sagen. Hier ­befindet sich die Schlachterei, Küngs metzgen ihre Tiere selber, was selten geworden ist für kleine Metzgereien. Rinder, Kälber, Schweine, Pferde, Schafe, Ziegen und Kaninchen schlachten und verarbeiten Küng und sein Angestellter. Aber kein Geflügel und kaum Wild. «Wir haben hohe hygienische Standards, die wir beim Wild nicht einhalten könnten.»

Im Gegensatz zum Laden wird Küng die Schlachterei weiter betreiben, einfach noch für andere Metzger und Direktvermarkter. «Ich kann nicht von hundertachtzig auf null herunterfahren.» Die Arbeit mache ihm Spass, ein paar Jahre wolle er noch weitermachen. Aber etwas mehr Freizeit, das wäre schön.

Rosa Küng hingegen hat nach 30 Jahren hinter der Ladentheke genug. Ihr Arbeitstag beginnt um 5.15 Uhr und dauert bis nach 18.30 Uhr. «Ich möchte auch noch etwas anderes erleben», sagt sie und packt dem Kunden noch drei Schweinskoteletts ein. Durchzogen.

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