Lätti

Bluttat vor Sexclub: Täter weniger lang im Gefängnis

LättiDas Obergericht hat die Strafe für den tödlichen Messerstich etwas reduziert: Der Mazedonier sitzt nun für 8 Jahre und 9 Monate im Gefängnis.

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«Wo isch Kolleg?» «Hie bin i!»Es waren gerade mal zwei Sätze, die Oberrichter Andreas Weber aus den zahllosen Zeugenaussagen zitierte. Sie waren aber entscheidend für das, was Weber in der Folge ausführte.

Intensiv hatte sich das Obergericht zuvor mit der Frage beschäftigt, ob der Mazedonier, der vor dem Sexclub Paradiso in der Lätti einen Kosovaren tödlich verletzt hat, vom Regionalgericht in Biel zu Recht für 10 Jahre ins Gefängnis geschickt worden ist.

Oder ob für das Geschehen vom Herbst 2013 nicht, wie vom Staatsanwalt gefordert, eher eine 12-jährige Strafe angebracht wäre – der Verteidiger seinerseits hatte für den Messerstich keck auf Notwehr und damit auf Freispruch plädiert.

Das Obergericht fand in dieser Situation seine eigene Antwort: Es reduzierte die Strafe zwar, setzte sie aber auf noch immer 8 Jahre und 9 Monate fest.

Er fiel um «wie eine Tanne»

«Wo isch Kolleg?» «Hie bin i!»

Die Frage an die beiden Begleiter des Kosovaren zeige, dass der Mazedonier nicht in Notwehr zugestochen habe, führte Weber zur Begründung aus. Sie zeige vielmehr, dass der Mazedonier die Auseinandersetzung bewusst gesucht habe.

Gleiches gelte für den Kosovaren, dessen Antwort unzweifelhaft die Bereitschaft zum Kampf signalisiere, kurz: Wenn im gegenseitigen Einvernehmen gerauft werde, könne keine Seite einen Notwehrakt für sich in ­Anspruch nehmen.

Gestützt sah Weber seine Ausführungen durch Szenen, die von den Überwachungskameras festgehalten wurden. Sie dokumentieren schon eine erste Rangelei im Innern des Sexclubs, die Eifersucht und die Aggressivität des Mazedoniers war, so Weber, mit Händen zu greifen. Es ging um eine Frau, und die anwesenden Damen konnten ihn nur mit Mühe davon abhalten, den Kosovaren ins Freie zu verfolgen.

Später kam es draussen trotzdem zur zweiten, verhängnisvollen Konfrontation, wobei Weber diesmal auch auf Zeugenaussagen abstellte. Wieder schaukelten sich die beiden gegenseitig hoch. Die Fäuste flogen, der Mazedonier stach zu, der Kosovare fiel um «wie ein Tanne», der Mazedonier versetzte ihm noch einen Fusstritt – und schlenderte zu seinem Auto.

Die Videos zeigten auch noch, Weber konnte sich den Zusatz nicht verkneifen, dass «recht prominente Altpolitiker» im Sexclub zu Besuch waren.

Kein gezielter Stich

Wieso das Obergericht die Strafe reduzierte? Anders als die erste Instanz wertete es weit stärker, dass der Mazedonier den Kosovaren im Augenwinkel traf, an einer weichen Stelle am Kopf, in der die Klinge bis in den Hirnstamm vordringen und die letztlich tödlichen inneren Blutungen auslösen konnte.

Im dynamischen ­Geschehen eines Zweikampfs sei es unmöglich, einen solchen Stich gezielt auszuführen, betonte Weber. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.11.2016, 20:51 Uhr

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