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Menschenhändler muss die Schweiz verlassen

Die Berner Behörden wollen einen verurteilten Menschenhändler des Landes verweisen. Zu Recht, urteilte jüngst das Verwaltungs­gericht. Der Thailänder war Teil eines Prostitutionsrings in der Stadt Bern.

Cedric Fröhlich
Der Thailänder war Teil eines Prostitutionsrings in der Stadt Bern.
Der Thailänder war Teil eines Prostitutionsrings in der Stadt Bern.
Keystone

Die Frauen lebten im Ausland, meist unter ärmlichen Verhältnissen; sie verschuldeten sich bei der Organisation für ein Ticket in die Schweiz; sie landeten hier – als Ware, Gefangene. Bis heute ist es ein schier unvorstellbarer Fall von Menschenhandel. Abgespielt hat er sich auch in Bern, mitten in der Stadt. Die Frauen waren gezwungen anzuschaffen, Lohn erhielten sie dafür keinen: 50 Prozent gingen an die Organisation – wegen der Schulden. 50 Prozent verschwanden in der Tasche der Bordellbetreiberin. Als der Fall 2014 im Gerichtssaal landete, wussten die Behörden von 57 Opfern, welche die Organisation «rekrutiert» hatte. Die von Etablissement zu Etablissement weitergereicht wurden, etwa in der berüchtigten Häuserzeile mit der roten Fassade am Lagerweg in der Lorraine.

Einer der Verantwortlichen muss die Schweiz voraussichtlich verlassen. Drei Jahre nach seiner Verurteilung wegen Menschenhandels, Förderung der Prostitution, bandenmässiger Geldwäscherei sowie weiterer Delikte. Das Berner Verwaltungsgericht hat jüngst einen Entscheid der Polizei- und Militärdirektion (POM) gestützt. Diese hatte dem 51-jährigen Thailänder keine neue Aufenthaltsbewilligung erteilt. Das Gericht wies eine Beschwerde des Mannes ab. Er hatte argumentiert, der POM-Entscheid verletze den Grundsatz der Verhältnismässigkeit. Ihm droht die Rückschaffung nach Thailand. Noch steht dem Mann der Gang ans Bundesgericht offen.

Der kleine Fisch

Die Beteiligung am Konstrukt aus Gewalt, Ausbeutung und Raffgier handelte dem Mann im September 2014 eine Verurteilung zu 27 Monaten teilbedingt ein. Auch wenn er nur «reingerutscht war», wie die zuständige Richterin damals festhielt. Denn: Er hatte Bescheid gewusst. Mitgewirkt. Aufträge erteilt. Profitiert.

Die Schwere seiner Schuld war ein Grund, weshalb die Beschwerde chancenlos war. Eine Freiheitsstrafe von mehr als 24 Monaten bedeute aus fremdenpolizeilicher Sicht einen schwerwiegenden Verstoss gegen die schweizerische Rechtsordnung, argumentierte das Verwaltungsgericht in seiner schriftlichen Begründung. Ausserdem sei ein «gewisses Rückfallrisiko» nicht auszuschliessen.

Der Mann kam vor über 14 Jahren in die Schweiz, heiratete eine Schweizerin, wurde Vater, wurde geschieden. Heute lebt er in einer Agglogemeinde, seit der Verurteilung geht er einem regulären Beruf nach. Trotzdem attestierte ihm das Gericht «unterdurchschnittliche Integration»: Er bewege sich fast nur in der thailändischen Diaspora. Durch die Ausweisung würde er nicht entwurzelt. Zumal er mittlerweile wieder verheiratet sei – mit einer Thailänderin. Und weil sie, drei erwachsene Kinder sowie der Sohn aus der «Schweizer» Ehe heute in Thailand leben. Fazit des Verwaltungsgerichts: «Eine Rückkehr ins Heimatland ist ohne weiteres möglich und zumutbar.»

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