Mein Name ist... Reh

In der Rubrik «Mein Name ist...» stellen wir jeden Tag ein Tier vor, das in oder an der Aare lebt.

Im 19. Jahrhundert standen Rehe in der Schweiz kurz vor der Ausrottung.

Im 19. Jahrhundert standen Rehe in der Schweiz kurz vor der Ausrottung.

(Bild: istockphoto)

Sandra Rutschi

Ich futtere ständig, acht bis zwölf Mahlzeiten täglich. Waldbesitzer haben deshalb nicht immer Freude an uns Rehen. Denn gerade im Frühling liebe ich Knospen und Triebe von Sträuchern und jungen Bäumen. Natürlich, mit meinen vier Mägen könnte ich als Wiederkäuer auch Holz verdauen. Aber die zarten Pflanzen sind halt viel leckerer.

Je nachdem, welche Blättchen ich abzupfe, wächst der Baum langsamer, verkrüppelt oder stirbt ab. Kommt hinzu, dass ich als Rehbock im Frühling die Basthaut meines neuen Geweihs an kleinen Bäumen und Sträuchern abstreife. Später markiere ich mein Territorium, indem ich mit dem Geweih gegen die Pflanzen schlage. Auch das setzt ihnen zu. Deshalb dürfen wir im Kanton Bern nun länger gejagt werden.

Von uns gibt es viele in der Schweiz und auch an der Aare. Das war nicht immer so. Weil uns die Menschen unbegrenzt jagen durften, waren wir im 19. Jahrhundert fast ausgerottet. Doch mittlerweile hast bestimmt auch du mich oder einen meiner Artgenossen schon mal in der Dämmerung an einem Waldrand gesehen. Ich lebe im Unterholz, wo ich mich mit meiner Schulterhöhe von rund 70 Zentimetern und mit meiner Länge von etwas über einem Meter verkriechen kann.

Im Moment ist Paarungszeit. Ich verfolge die Rehgeiss, bis ihre Sprünge langsamer werden und sie still steht. Dank ihrem herzförmigen weissen Spiegel am Hinterteil verliere ich sie bei dieser Verfolgungsjagd nicht aus den Augen. Wenn wir uns gepaart haben, gebe ich mein Territorium auf. Im Herbst und Winter lebe ich deshalb mit meinen Artgenossen in Gruppen zusammen und werfe mein Geweih ab. Die Kitze kommen im Mai und Juni zur Welt, wenn wir wieder unsere eigenen Wege gehen.

Berner Zeitung

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