Mein Name ist...Gründling

In der Rubrik «Mein Name ist...» stellen wir jeden Tag ein Tier vor, das in oder an der Aare lebt.

Der Gründling.

Der Gründling.

Sandra Rutschi

Ich mag Gesellschaft. In grossen Schwärmen schwimme ich in der Aare und in zahlreichen Seen, Bächen und Kanälen im Berner Mittelland. Und zwar am Boden, also auf dem Grund. Ich heisse ja auch Gründling.

Du erkennst mich an meinem länglichen Körper, meiner stumpfen Schnauze und den zwei kurzen Barteln in meinen Mundwinkeln. Mit diesen kann ich tasten, aber auch schmecken. Gross bin ich nicht, ich werde 8 bis 14 Zentimeter lang. Es gibt deshalb Fischer, die unsereins als Köder für Raub­fische benutzen.

Auch selbst bin ich Tieren auf meiner Speisekarte nicht abgeneigt. Ich mag Würmer, Kleinkrebse, Insektenlarven oder Fischlaich. Aber ich fresse auch abgestorbene Pflanzen.

Eigentlich finde ich ja, dass ich mit meinem graugrünen oder blaubraunen Rücken und den dunklen Flecken auf meinem Körper recht hübsch aussehe. Und doch haben mich die Menschen zum Gruseltier hochstilisiert. «Einer, der auszog, das Fürchten zu lernen» heisst ein Märchen der Gebrüder Grimm, in dem ich eine Hauptrolle spiele.

Da zieht ein furchtloser Mann in die weite Welt, um zu erfahren, was Gruseln bedeutet. Tote am Galgen, aggressive schwarze Katzen und halbierte Menschen lassen den Kerl aber kalt. Bis schliesslich seine frisch angetraute Prinzessin nachts einen Eimer Wasser mit Gründlingen über ihn leert. Erst da gruselt es ihn.

Eigentlich gemein: Über den Horror, den die Fische dabei empfunden haben müssen, spricht wieder niemand.

Berner Zeitung

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