Mehrweggeschirr ist in Bern bereits im Trend

Bern

Die Stadt Bern will mit dem Sauberkeitsrappen Wegwerfverpackungen bekämpfen. Dabei bieten einige Restaurants bereits Alternativen.

50 Restaurants in Bern bieten dieses Mehrweggeschirr an.

50 Restaurants in Bern bieten dieses Mehrweggeschirr an.

(Bild: zvg)

Rahel Guggisberg

Am Buffet der Vegirestaurantkette Tibits im Bahnhof Bern schöpft ein Kunde Salat und Gemüse in eine Mehrwegschale. Diese kostet 25 Franken. Dafür gibt es auf jedes Essen 10 Prozent Rabatt. Dieses Angebot würde der Berner Gemeinderätin Ursula Wyss gefallen. Sie stellte am Montag vor, wie sie Anbieter von Take-away-Gerichten zur Kasse bitten will. Dies weil die Kunden ihren Abfall im öffentlichen Raum entsorgen.

Der Trend zur schnellen Verpflegung am Mittag und zwischendurch nimmt zu: Das Geschäft wächst seit 2013 jährlich um 4 Prozent und hat im Jahr 2018 schweizweit ein Umsatzvolumen von 4,5 Milliarden Franken erreicht. Das geht aus einer vom Beratungsunternehmen Alix Partners veröffentlichten Konsumentenumfrage hervor. Die Take-away-Anbieter boomen an gut frequentierten Lagen in Bahnhöfen, Fussgängerzonen, Raststätten und Tankstellen. Sandwichs, Snacks und verzehrfertige Salate sowie Obst sind die am häufigsten genannten Produktkategorien, die Kunden kaufen. Dabei entsteht viel Abfall.

Wer weniger Abfall produzieren will, kann Mehrwegangebote nutzen. Das Berner Jungunternehmen Recircle kämpft beispielsweise mit Mehrweggeschirr gegen den Verpackungsmüll aus den Take-aways. Das Geschäftsmodell funktioniert so: Ein Restaurant mit Take-away-Angebot kauft robustes Mehrweggeschirr bei Recircle und gibt das Geschirr den Konsumenten für 10 Franken ab. Diese bringen es danach schmutzig zurück, oder sie waschen es zu Hause selber ab und benutzen es wieder beim nächsten Besuch.

Bern ist vorne dabei

«Die Nachfrage nimmt stark zu», sagt die Geschäftsführerin Jeannette Morath. Bereits über 400 Restaurants mit Unterwegsverpflegung machen schweizweit mit, 50 davon in der Stadt Bern. «Die Berner sind sehr affin für nachhaltige Lösungen mit dem Wegwerfgeschirr», sagt Morath. In keiner anderen Stadt werde das Angebot so genutzt.

Das Geschirr sei frei von schädlichen Inhaltsstoffen. Man könne es mindestens 100-mal waschen, ohne dass Spuren zurückbleiben. Das Geschirr wird bei der Stefan Kälin AG in Einsiedeln hergestellt. Recircle hat den Sitz im Berner Wylerquartier und beschäftigt 6 Mitarbeiter. Kunden können innerhalb des Netzwerks die wiederverwendbaren Recircle-Schalen ­zurückbringen. Auch die Migros nutzt das Angebot, verwendet aber separat gekennzeichnete Behälter, die nur beim Grossverteiler zurückgegeben werden können. Die Nachfrage ist laut der Migros noch nicht riesig, nimmt aber zu.

Rabatt für eigenen Becher

Und was unternimmt Coop gegen das Plastik-Einweggeschirr? Sprecherin Andrea Bergmann sagt: «Wir bieten schon heute im Take-away-Geschäft zahlreiche Produkte im Offenverkauf unverpackt an. Kunden können sie in eigene Behälter verpacken.» Die Waagen haben eine Tara-Taste, mit der das Gewicht des Behälters «genullt» werden kann. Zudem bekommen Kunden 25 Rappen Rabatt, wenn sie ihren eigenen Becher für Heissgetränke mitnehmen.

Trotzdem will die Stadt Bern nun behördlich eingreifen und von Detailhändlern, aber auch von Bars und Pubs einen Sauberkeitsrappen für die Entsorgung von Abfällen im öffentlichen Raum verlangen. Sie kann sich ein Beispiel an den Plastiksäcken nehmen, die auf Drängen der Politik nicht mehr gratis abgegeben werden. Bei Denner beispielsweise sank danach der Verbrauch an Raschelsäcklein um über 80 Prozent.

Berner Zeitung

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