Bern

Freitags ist es am gefährlichsten

Bern2017 kamen 39 Menschen auf den Berner Strassen ums Leben. Total rapportierte die Polizei 320 Unfälle mehr als 2016. Bei fast der Hälfte waren Zweiradlenker oder Fussgänger betroffen.

Traurige Bilanz: Letztes Jahr gab es im Kanton Bern wieder mehr Verkehrstote.

Traurige Bilanz: Letztes Jahr gab es im Kanton Bern wieder mehr Verkehrstote. Bild: Thomas Peter

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So viele Verunfallte wie letztes Jahr gab es auf Berns Strassen seit 2011 nicht mehr: 3219 Menschen kamen bei Verkehrsun­fällen zu Schaden – 182 mehr als im Vorjahr. 39 Menschen ver­loren ihr Leben, das sind überdurchschnittlich viele. Zudem wurden 630 Personen schwer verletzt, wie die Verkehrsunfallstatistik der Kantonspolizei Bern zeigt. 2016 hatte es 30 Tote und 603 Schwerverletzte gegeben. Bei den Leichtverletzten stieg die Anzahl von 2404 auf 2550.

Unter den 39 tödlich verunglückten Personen befinden sich 12 Autofahrer (+4), 8 Velofahrer (+5), 8 Fahrer und Mitfahrer von Motor- und Kleinmotorrädern (+2), 6 Fussgänger (–3) und 3 ­E-Bike-Lenker (+1). Sie verunfallten vor allem bei Schleuder- und Selbstunfällen, meistens auf Hauptstrassen sowohl ausser- als auch innerorts. Örtlich sind die Stadt Bern mit 4 und die Emmentaler Gemeinde Signau mit 3 Verkehrstoten die Spitzenreiter. Bei den Schwerverletzten weisen nebst den Städten auch Ober­länder Gemeinden wie Innert­kirchen und Guttannen relativ hohe Zahlen auf. Dies ist auf Motorradunfälle zurückzuführen.

Die Rolle der Jahreszeiten

Insgesamt rapportierte die Kantonspolizei 6109 Verkehrsunfälle mit Personen- und Blechschäden – 320 mehr als im Vorjahr. Weit mehr als die Hälfte davon er­eignete sich innerorts. Auch die Unfälle auf Autobahnen und Autostrassen nahmen zu und stiegen auf 926. In 39 Prozent der Fälle handelte es sich um Schleuder- und Selbstunfälle. Knapp 18 Prozent waren Auffahrunfälle, gut 11 Prozent Unfälle beim Ein­biegen.

Die Statistik zeigt, dass Berns Strassen je nach Jahreszeit unterschiedliche Gefahren bergen: So passierten Personenunfälle vor allem von Juni bis August, während Unfälle mit Sachschäden im Januar, November und Dezember Spitzenwerte erreichten. «Im Winter sind die Strassenverhältnisse schlechter, man gerät schneller ins Schlittern. Im Sommer hingegen bleibt es länger hell, man fährt schneller, und es hat mehr Fussgänger und Zweiradfahrer auf den Strassen», begründet Markus Haldemann, Chef Verkehr bei der Kantonspolizei Bern.

«Vor allem bei den schnellen E-Bikes unterschätzen viele Lenker und auch andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit.»Markus Haldemann, Chef? Verkehr Kantonspolizei Bern

Als gefährlichster Tag für Verkehrsteilnehmer erweist sich der Freitag. Noch konkreter: Freitag zwischen 16 und 18 Uhr. Dann passieren am meisten Unfälle. «Zu dieser Zeit wollen viele das Wochenende mit einer Ausfahrt einläuten – obschon der Körper eigentlich gar nicht mehr so fit wäre», sagt Haldemann.

Laut der Kantonspolizei sind fast bei jedem zweiten schweren Unfall Zweiradlenker oder Fussgänger betroffen. «Vor allem bei den schnellen E-Bikes unterschätzen viele Lenker und auch andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit», sagt Haldemann. Mit 45 Kilometern pro Stunde sind sie schneller unterwegs als ein Töffli. Und sie sind auf den Strassen noch ein relativ neues Verkehrsmittel.

Während die Anzahl Verkehrsunfälle bei den Velos stagniert, ist sie bei den E-Bikes markant angestiegen: 2013 gab es 90 E-Bike-Unfälle, 2017 waren es 187. Der Hauptgrund dafür ist laut Haldemann der Boom der E-Bikes: Es hat schlicht immer mehr Elektrovelos auf der Strasse.

Fokus auf Langsamverkehr

Deshalb will die Kantonspolizei 2018 bei der Prävention einen Schwerpunkt auf den Langsamverkehr setzen. Mit Informationskampagnen, Aktionen an Messen und Ausstellungen sowie bei der täglichen Polizeiarbeit will sie Velofahrer, Fussgänger und E-Bike-Fahrer auf richtiges Verhalten aufmerksam machen. Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit sind wie bereits in den letzten Jahren wichtige Themen. Haldemann gibt zu bedenken, dass 4 der 6 Fussgänger, die letztes Jahr auf Berns Strassen starben, über 64 Jahre alt waren. Dort lasse sich bereits mit hellerer Kleidung und bewuss­terer Wahrnehmung etwas bewirken.

Bei den Zweirädern wird ins­besondere das Befahren von Kreiseln ein Thema sein. Velo- und E-Bike-Fahrer sollen bewusst in der Mitte des Kreisels fahren. «Sonst besteht die Gefahr, dass sie übersehen und abgedrängt werden.» Autofahrern wiederum müsse bewusster werden, dass den Zweirädern dieser Platz in den Kreiseln zustehe. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.04.2018, 12:12 Uhr

Pro Velo fordert bessere Infrastruktur

8 Velofahrerinnen oder Velo­fahrer verunfallten letztes Jahr auf Berner Strassen tödlich – 5 mehr als 2016. Hinzu kommen 3 Personen, die 2017 bei einem E-Bike-Unfall ums Leben kamen – eine mehr als im Jahr davor.

Pro Velo Kanton Bern leitet von der deutlichen Zunahme tödlicher Velounfälle im vergangenen Jahr keinen Trend ab. Geschäftsführerin Gabriella Bolliger verweist auf die nationale Statistik, die vor knapp einem Monat publiziert wurde: Schweizweit starben letztes Jahr 37 Velo- oder E-Bike-Fahrende, 1042 wurden schwer verletzt. 2016 hatten sich diese Werte in einem ähnlichen Rahmen bewegt: Damals starben 33 Velo- oder E- Bike-Fahrende, 1055 verletzten sich schwer.

Gabriella Bolliger sieht einen Grund für die an­haltend hohe Opferzahl darin, dass immer mehr Menschen mit Velos oder E-Bikes unterwegs seien. Ihr Verband nehme die Zahlen «besorgt» zur Kenntnis und sieht den Kanton und die Gemeinden in der Pflicht: «Wir fordern bessere Velowege und einen Ausbau der Infrastruktur – nur so lässt sich die Situation verbesern.» hae

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