«Mehr Stadt erfordert mehr Dorf»

Ostermundigen

Die ­Gemeinde wird städtischer ­werden, zum Beispiel mit höheren Gebäuden. Dafür sind aber auch genügend dörfliche Zonen und Grünflächen nötig.

«In gewissen Quartieren ist die so­ziale Balance am Kippen», so Gemeindepräsident Thomas Iten.

«In gewissen Quartieren ist die so­ziale Balance am Kippen», so Gemeindepräsident Thomas Iten.

(Bild: Nicole Philipp)

Markus Zahno

Innert sechs Jahren ist Ostermundigen von 16'000 auf rund 18'000 Einwohner gewachsen. Die Vorortsgemeinde gehört damit zu den am raschesten wachsenden Orten im Kanton. Dabei geht oft vergessen: Zwei Drittel aller Mundigerinnen und Mundiger leben in einem Haus, das zwischen 1945 und 1980 gebaut wurde.

Viele dieser Häuser sollten dringend saniert werden. Es gibt Hausbesitzer, die hohe Gewinne erwirtschaften, indem sie wenig Geld in den Unterhalt ihrer Liegenschaft investieren und die Wohnungen möglichst an Sozialhilfebezüger vergeben. Entsprechend hoch ist in Ostermundigen die Sozialhilfequote (über 8 Prozent) und entsprechend tief das durchschnittliche Einkommen (unter 50'000 Franken).

Oder, wie es Gemeindepräsident Thomas Iten formuliert: «In gewissen Quartieren ist die so­ziale Balance am Kippen.» Die Gemeinde müsse Gegensteuer geben, ansonsten gerate sie finanziell in eine Abwärtsspirale. Der günstige Wohnraum müsse gleichmässiger über die Region verteilt werden als heute.

Der erste «Leuchtturm»

Die soziale Durchmischung ist eines der zentralen Themen im Projekt O’mundo, der Ostermundiger Ortsplanungsrevision. In der ersten Phase wurde der ­Istzustand in der Gemeinde analysiert. Nun beginnt die zweite Phase, wie Iten am Donnerstag vor den Medien erklärte. In dieser Phase erarbeiten die Behörden eine Strategie, wie sich die Gemeinde entwickeln soll.

Für Iten und seine Gemeinderatskollegen ist klar: Es braucht Anreize, um alte Gebäude zu erneuern und das Dorf zu verdichten. Insbesondere entlang der Bernstrasse sollen höhere Gebäude möglich werden.

Als Entwicklungsschwerpunkte sind die Gebiete beim Bahnhof, beim Dreieck und beim Tell vorgesehen. Ein erstes solches «Leuchtturmprojekt», wie es Iten nennt, ist bereits aufgegleist: das Bärenhochhaus.

Unabhängig von einer Fusion

Ostermundigen wird in Zukunft also städtischer. «Mehr Stadt erfordert aber auch mehr Dorf», hält der Gemeinderat fest. Es braucht genügend Grünflächen und Rückzugsmöglichkeiten. Das ist ein weiteres Schwerpunktthema von O’mundo.

Aber macht eine Ortsplanungsrevision in Ostermundigen überhaupt noch Sinn? Schliesslich sähen es mehrere politische Parteien gerne, wenn Mundigen bald mit der Stadt Bern fusionieren oder eine Fusion zumindest prüfen würde. Ja, selbst im Falle einer Fusion sei O’mundo nötig, sagt Thomas Iten. Denn auch ein Stadtteil oder ein Quartier müsse sich entwickeln. «Und diese Entwicklung müssen wir jetzt angehen. Dringend.»

Berner Zeitung

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