Mehr Spielraum für Badi-Beizen

Zwei Traktanden der Stadtratssitzung vom Donnerstag thematisieren die Gastrolokale der Badeanstalten. Eine Motion fordert möglichst viele Freiheiten für die Betreiber der Beizen. 

Draussen ist der Sommer vorbei, das Eis ist noch nicht da. Drinnen in der Badi-Beiz der Ka-We-De läuft ein Flohmarkt.

Draussen ist der Sommer vorbei, das Eis ist noch nicht da. Drinnen in der Badi-Beiz der Ka-We-De läuft ein Flohmarkt.

(Bild: Enrique Muñoz Garciá)

Claudia Salzmann@C_L_A

Marokkanisches Essen gab es im Frühling im Badi-Beizli des Freibads Ka-We-De, danach folgte ein unvergesslicher Sommer mit vielen lauen Sommernächten, letzten Sonntag schloss ein Deko-Flohmarkt das zweite Gastro-Pop-up Himalaja ab.

«Die neuen Pächter bespielen die Lokale genial», sagt Tom Berger, Stadtrat des Jungfreisinns. Doch er fordert in der breit abgestützten Motion «Gastronomiebetriebe in Stadtberner Bädern vom Badebetrieb trennen» mehr Freiheiten für die Beizen in den städtischen Badis. «Wir wollen, dass die Badi-Gastronomie gänzlich losgelöst von den Öffnungszeiten der Badi betrieben werden kann», so Berger.

Seine Motion wurde von Mitgliedern von FDP, BDP/CVP, GLP/JGLP, GFL/EVP und SP/Juso miteingereicht. Die Beizen sind Teil der Wasserstrategie, welche sich um die Sanierung der Bäder dreht und am Donnerstag ebenfalls Thema im Stadtrat sein wird.

Mobile Zäune

Die Strategie lag noch nicht vor, als die Motion eingereicht wurde. Letztere fordert weiter, dass bei den Sanierungsplänen der Badeanstalten die Gastrobetriebe berücksichtigt werden. Da die Gebäude der Stadt Bern gehören, wäre sie bei allfälligen Unfällen in der Verantwortung. Damitdie Sicherheit gewährleistet und auch Haftungsunfälle ausgeschlossen werden können, seien bauliche Massnahmen nötig, beispielsweise mit mobilen Zäunen. 

Beim Erweitern der Öffnungszeiten gehe es primär um die Sommernächte, in denen es möglich sein soll, länger als bis 20 Uhr offen zu haben. Was mit der Motion möglich gemacht werden soll, sei nicht nur ein Bedürfnis der Badi-Beizen-Betreiber der Ka-We-De oder im Weyerli. Das Marzili wäre aus Sicht von Berger bestens geeignet dafür, warme Sommernächte bei einem kühlen Getränk ausklingen zu lassen.

Buvette zu, Sauna offen

Das würde nicht bei allen städtischen Badeanstalten Sinn machen, als Beispiel sei das Lorrainebad genannt. Dort müsste das Lokal komplett verschoben werden, damit die Sicherheit garantiert werden könnte, weil es direkt neben der Aare liegt. «Aber wir hätten selber Freude, wenn man an den Spitzentagen im Sommer länger offen haben könnte», so Lena Dernier, die die Buvette im Lorrainebad leitet. Rentieren würde es nur, wenn die Aare warm ist und viele den Weg ins Bad finden.

Bei der Motion geht es weniger um einen Ganzjahresbetrieb. An einen Winterbetrieb der Buvette sei sowieso nicht zu denken, denn die Wasserzufuhr des Restaurants werde abgestellt. «Und in einer Buvette ohne Wasser könnte man höchstens Fondue anbieten», so Dernier.

Win-win-Situation

Heuer wird erstmals auf dem Rasen flussabwärts nach dem Lorrainbad eine Sauna in vier Jurten betrieben. Auch bei diesem Unterfangen muss die Sicherheit gewährleistet sein: Das Innenbassin ist abgesperrt, Abkühlmöglichkeiten bieten Duschen und eigene Wannen. Wer in die Aare springt, tut dies auf eigenes Risiko.

Während ab dem Wochenende in zwei Jurten geschwitzt wird, ist die dritte als stiller Entspannungsraum angedacht und die vierte als Empfangs- und Verweiljurte ausgelegt. Die Motion verlangt vom Gemeinderat auch, dass die Pächter unterstützt werden. Berger betont: «Wir müssen es möglichst allen Gastronomen leicht machen.»

Insbesondere sei es bei den Badi-Beizen eine Win-win-Situation: Je mehr Geld sie verdienen, desto mehr Miete zahlen sie der Stadt. Dass die Miete umsatzgebunden ist, bestätigt auch Dagmar Boss von Immobilien Stadt Bern (ISB).

Tom Berger sieht den Gemeinderat in der Pflicht, auch mal beim Regierungsstatthalteramt zu intervenieren, wenn man ein Projekt wichtig finde. Oder beim Mobiliarkauf finanziell unter die Arme zu greifen: ImFall der Ka-We-De wurden die Lounge-Möbel von der Stadt finanziert. Bei einem Wechsel gehen diese an den nächsten Pächter über, wie Boss von ISB bestätigt. Der Vorstoss dürfte laut Berger im Parlament in der abgeschwächten Form des Postulats eine Mehrheit finden.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt