Mehr Platz für die Sense

Neuenegg

Die Gemeinden Neuenegg und Flamatt-Wünnewil wollen das Sensebett in Oberflamatt revitalisieren und ökologischer gestalten. Das soll auch den Hochwasserschutz verbessern.

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Noch fliesst die Sense zwischen der Autobahnbrücke und der alten Steinigen Brücke in einem engen Bett von höchstens 30 Metern. Das soll sich auf dieser 1,2 Kilometer langen Strecke zwischen Neuenegg und Oberflamatt ändern: Zwei sogenannte Flussaufweitungen mit bis zu 80 Meter Breite sollen der Sense mehr Platz und Dynamik geben. Dafür liegt jetzt in den Gemeinden noch bis zum 6.Juli ein Vorprojekt zur Mitwirkung auf. Der Geograf und Fachmann Naturgefahren Warin Bertschi von der Emch+Berger AG Bern hat das Projekt mit ausgearbeitet. Bei einer Begehung erklärt er die heutige Situation und was geplant ist. Hauptziel ist die Revitalisierung der Sense bei gleichzeitiger Verbesserung des Hochwasserschutzes. Durch die Aufweitung können Kiesbänke, Tief- und Flachwasserzonen entstehen, die sich bei Hochwasser immer wieder neu formieren.

Das Projekt sieht unter anderem vor, die Ufer neu zu gestalten. Beispielsweise beim Campingplatz Thörishaus, der von der Steinigen Brücke aus gut zu sehen ist. Hier soll bernseitig der Uferschutz saniert und ein Hochwasserschutzdamm gebaut werden, steht der Campingplatz nach starkem Regen doch regelmässig unter Wasser.

Wohnwagen zu nah am Ufer

Die Wohnwagen, welche direkt am Ufer platziert sind, müssen verlegt werden. «Auslöser ist aber nicht das Wasserbauprojekt», betont Warin Bertschi. Weil die Gemeinde Neuenegg die Überbauungsordnung beim Campingplatz revidiert sowie aus Sicherheitsgründen müsste die Wohnwagenreihe am Wasser so oder so weichen. Und weil am bernseitigen Ufer die ARA-Leitung im Boden liegt, wird das Flussbett vor allem auf Freiburg-Seite verbreitert. Dort sind die Massnahmen, die Bertschi beschreibt, allerdings einschneidender. Die Sense wird an drei Stellen um 15 Meter verbreitert, und der Wald muss teilweise abgeholzt werden. So entstehen Initialisierungsflächen, von denen aus sich der Fluss selbstständig verbreitern kann und sich eine natürliche Dynamik und Kiesbänke ausbilden.

Linksseitig wird der erwarteten Seitenerosion mit natürlichen und weichen Verbauungen aus Holz begegnet. So entstehen Kiesbänke, die mit der Zeit von Pflanzen besiedelt werden und bei Hochwasser unter Umständen auch wieder verschwinden. «Nach den baulichen Massnahmen lassen wir den Fluss arbeiten und sein Bett immer wieder neu gestalten», erklärt Warin Bertschi. Diese neuen Übergänge von den Ufern zum Wasser und die Kiesbänke begünstigen eine Artenvielfalt, wie sie bis jetzt nicht möglich war. Es entstehen wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere.

700'000 Franken Restkosten

Das alles hat seinen Preis. Die Kosten für das ambitionierte Wasserbauprojekt werden auf rund sieben Millionen Franken geschätzt. Davon werden der Bund und die Kantone Bern und Freiburg zwischen 70 und 80 Prozent übernehmen. An den Restkosten beteiligen sich der Renaturierungsfonds des Kantons Bern und weitere Ökofonds. Den restlichen Betrag von maximal 700'000 Franken teilen sich die Gemeinden Neuenegg BE und Wünnewil-Flamatt FR untereinander auf.

Die Flussaufweitung Oberflamatt ist ein Vorzeigeprojekt. «Natürliche Flusslandschaften dienten dem Projekt als Vorbild. Teile solcher Lebensräume sollen an der Sense wieder entstehen», sagt Warin Bertschi und schaut von der Steinigen Brücke auf das graugrüne Wasser hinab. Man habe auf diesem Flussabschnitt einen optimalen Standort gefunden, um beispielhaft zu zeigen, was möglich ist. «Es soll Lust auf mehr machen», sagt Bertschi und betont, dass das Projekt auch den Bedürfnissen von Erholungssuchenden gerecht werden soll. Die zahlreichen Menschen, die im Sommer an die Sense kommen, um zu baden und zu bräteln, sollen von einem attraktiveren Flussabschnitt profitieren können. Bis es so weit ist, dauert es allerdings noch ein bisschen. Bis im Herbst 2016 soll das Bauprojekt ausgearbeitet sein. Die Ausführung ist für 2018 vorgesehen.

Berner Zeitung

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