Mehr als nur Blech

Bolligen

Paul Nyffeler aus Bolligen sammelt Blechbüchsen. In gut vierzig Jahren sind 3500 Stück zusammengekommen, die er in seinem Haus ausstellt.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Ein grüner Wagen. Die Queen in ­Miniaturformat. Die Bundesräte ums Jahr 1900. Das sind nur drei Sujets aus der 3500-teiligen Blechbüchsensammlung von Paul Nyffeler. Mit seiner Frau Regula wohnt er am Hang oberhalb von Stettlen. Auf drei Stockwerken hat der 70-Jährige seine Sammlung verteilt: In Glasvitrinen oder auf den Vorhangbrettern stehen die Büchsen in Reih und Glied. Die Bretter seien ein Glücksfall, denn Licht sollte so wenig wie möglich an die Objekte gelangen. «Es bleicht die Farben aus», weiss Nyffeler. Deshalb hat er in der Werkstatt das Tageslicht gleich ausgesperrt und im Estrich, der als Lager dient, das Dachfenster abgedunkelt.

Die Büchsensammlerei begann 1976: «Ein Artikel in einem Finanzmagazin zum Thema hat mich dazu animiert», erklärt er.

Die erste bedruckte Dose

Im Laufe der Zeit kamen verschiedenste, zum Teil sehr exklusive Büchsen zusammen. So gehört auch die allererste farbig ­bedruckte Biskuitdose der englischen Firma Huntley & Palmers aus dem Jahr 1868 zur Sammlung. Noch immer strahlt sie in leuchtenden Farben. «Diese Büchse will natürlich jeder», sagt Paul Nyffeler nicht ohne Stolz.

Begeistert zeigt er während des Rundgangs durch sein Haus mal hier ein Exemplar, erwähnt mal dort eine Dose und greift schliesslich ins Gestell, um seinen «Liebling» zu präsentieren: «Diese Bonbondose stammt von Merz und Suter aus Aarau aus der Zeit um 1890», sagt Nyffeler. Sie befindet sich noch immer in einem Topzustand. «Sie ist selten und kam nur durch einen grossen Zufall in meinen Besitz.» Er nennt noch eine zweite solche Dose sein Eigen – allerdings sieht diese nicht mehr so edel aus, der Golddruck ist angelaufen.

Dass Nyffeler ein begeisterter Sammler ist, blieb auch seinem Arbeitgeber, der Valiant-Bank, nicht verborgen. Als er 2010 pensioniert wurde, durfte er in der Schalterhalle am Bundesplatz einen Querschnitt aus seiner Sammlung ausstellen.

Bei Preisen gibt es Grenzen

Die Büchsen wurden früher vor allem mit Keksen, Kakao oder Kaffee gefüllt. In einer Musterdose sind sogar noch die Original-Petit-Beurres ausgestellt. Sie sehen zwar wie frisch gebacken aus – aber man ahnt, dass sie sich bei der kleinsten Berührung in Staub auflösen würden. Eine Büchse steht übrigens ganz oben auf seiner Wunschliste: eine Dose in Form eines Elefanten von der Firma Riquet aus Dresden. Sie sei im Läckerlihuus in Basel ausgestellt und leider nicht verkäuflich. Wie viele Exemplare es davon auf der Welt noch gebe, das weiss er nicht. «Ich bin auch ­bereit, einen gewissen Preis zu zahlen. Aber alles hat seine Grenzen», sagt Nyffeler in diesem Zusammenhang. Und schmunzelt.

Als Beispiel erwähnt er das Pfefferminzpastillen-Büchslein in der Form der Queen. Dazu hätte man den König kaufen können. Für 950 Franken. Und einen solchen Preis ist er nicht zu bezahlen gewillt. Aber was kosten die ­Dosen denn eigentlich sonst so? Darüber schweigt sich der Sammler aus...

Handel unter Gentlemen

Nyffeler ist nach all den Jahren auch mit anderen Sammlern rund um die Welt gut vernetzt. «Wir helfen einander, Büchsen zu finden», sagt er. Gerade habe er in Frankreich einen Handel abgeschlossen, bei dem die Lieferung bereits unterwegs war, obwohl er die Zahlung noch nicht beglichen habe. Ein Handel «unter Gentlemen» eben. «Wenn ich mit anderen Sammlern ins Gespräch komme, weiss ich am Ende des Gesprächs oft nicht einmal, welchen Beruf die Person ausübt. Das ist auch nicht wichtig. Denn unser Thema sind die Büchsen.»

Mit seiner Sammlung habe er ebenfalls andere Leute zum Büchsensammeln animieren können. Eine unendliche Vielfalt an Formen, Farben und Stilen werde einem dabei geboten. «Es ist eine Welt aus längst vergangenen Zeiten. Und die Dosen sind eben mehr als nur Blech.»

Paul Nyffeler – ja, er ist ein Sammler aus Leidenschaft.

Berner Zeitung

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