Masslose Messebesucher an der BEA

Gratis-Goodies sind für manche Leute der Hauptgrund, eine Messe zu besuchen. Kann man sich ohne Geld an der BEA durchschlagen?

Degustieren, bis man platzt – oder zurechtgewiesen wird.

Degustieren, bis man platzt – oder zurechtgewiesen wird.

(Bild: Urs Baumann)

Manche Menschen lassen sich von Gratisangeboten geradezu berauschen. Gibt es etwas umsonst, nehmen sie vorsorglich lieber vier als nur ein Stück mit, sie sammeln und hamstern sich ehrgeizig und leidenschaftlich durch Promotionen und Degustationen. Vor diesem Hintergrund drängt sich ein Konsumententest auf: Taugt die BEA als Schlaraffenland der Gratisschnäppchenjäger? Und muss man in Anbetracht der Hallen voller Käsewürfel und Landjägermöckli, die nur darauf warten, verspeist zu werden, überhaupt sein Portemonnaie mit an die Messe ­nehmen?

Wenn es an der BEA ein Paradies für Jäger der kostenlosen Häppchen und Pröbchen gibt, dann muss das Halle 4.1 sein: Dem Genuss und der Tradition ist sie verschrieben und voller Stände, die regionale Produkte anbieten – welche die Besucherinnen und Besucher auch probieren dürfen. Hier dominieren Holz und Stroh, hier scheint alles hausgemacht. Der Schein trügt natürlich, auch grössere Firmen haben ihre Stände aufgebaut: Kambly verschenkt Güezi, allerdings lassen sich hier nicht dreist die Taschen füllen: Die nette Promotorin lässt zwischen drei verschiedenen Sorten auswählen und fischt schliesslich mit silberner Greifzange einen einzelnen Keks vom Tablett. Kompensiert wird an einem anderen Stand, an dem Apfelchips unbeaufsichtigt in einem Korb angeboten werden.

Es empfiehlt sich, Dreistigkeit nicht penetrant zur Schau zu stellen. Dementsprechend fühlt man sich auch als ungeübte Häppchenjägerin: Ein wenig schuldbewusst und stets beobachtet ­– zumindest am Anfang. Mit der Zeit erfasst einen der Sammelrausch und das Schnappen eines Pestobrötchens, Mandelbärlis, Schokoladenherzchens, Konfischnittchens ge­niesst man mehr als das anschliessende Essen. Das Einsacken selbst ist es, das befriedigt, ja geradezu euphorisiert. Erlebe ich gerade den Beginn einer neuen Sucht?

Alles liegt aber nicht drin. Ein Standbesitzer fährt die Schnäppchenjägerin an, sie solle zurückhaltender mit seinen Brotaufstrichen umgehen ­­– sie gibt ihm im Stillen recht. Allgemein überrascht die Gelassenheit des Verkaufspersonals: «Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht», meint Kathrin Frutiger vom Feinkostladen La Grande. Man müsse die Leute manchmal sogar zum Degustieren auffordern.

Die BEA entpuppt sich zwar durchaus als Schlaraffenland. Aber ganz ohne Geld fühlt man sich am Ende des Tages ähnlich wohl wie nach einer Schulreise: Leicht übel von Chips und Gummibärchen, aber dennoch nicht richtig satt.

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