Massarbeit für die Hornusser

Moosseedorf

Die Brüder Res und Markus Rufer führen seit 20 Jahren eine Hornusserwerkstatt. In diesem Jahr, in dem das Eidgenössische ­Hornusserfest stattfindet, ­haben sie viel zu tun.

Res Rufer hat einen Stecken in die Maschine gespannt und dreht das eine Ende dünner. Mit seinem Bruder betreibt er die Hornusserwerkstatt im Dachstock ihres Elternhauses.

Res Rufer hat einen Stecken in die Maschine gespannt und dreht das eine Ende dünner. Mit seinem Bruder betreibt er die Hornusserwerkstatt im Dachstock ihres Elternhauses.

(Bild: Nicole Philipp)

Stephanie Jungo

In der Hornusserwerkstatt der Gebrüder Rufer in Moosseedorf. Durchs Fenster über der Werkbank ist der Moossee zu sehen. An eine Stütze in der Mitte des Raumes sind Rohlinge für Stecken angelehnt.

Drei Meter lang, elf Millimeter im Durchmesser. Res Rufer greift sich einen Stecken und spannt ihn in die Dreh­maschine. Er drückt einen Knopf, der Stecken beginnt, sich um die eigene Achse zu drehen.

Ein Schneideplättchen dreht die Oberfläche ab, der Umfang des Steckens nimmt ab. «Je dünner das vordere Ende ist, desto elastischer der Stecken», erklärt Res Rufer, während er den Messschieber holt. Über 90 Prozent der Stecken bestehen heute aus Kohlefaser, der Rest ist Glasfaser. «Man hört es schon beim Drehen, ob das Material gut ist.»

Das zweite Standbein

Res Rufer führt die Hornusser-Werkstatt gemeinsam mit ­seinem Bruder Markus. Im Dachstock des Bauernhofs, wo die beiden aufgewachsen sind, fertigen sie seit 20 Jahren Stecken an.

Auf die Idee einer Hornusserwerkstatt kamen die Brüder, weil sie selbst seit 40 Jahren hornussen. «Die Wege zur nächsten Werkstatt waren lang», erzählt Markus Rufer. Die Brüder betreiben die Werkstatt nebenberuflich.

Im Juli endet die Meisterschaft, im August finden die Feste statt. «Ab Oktober ist hier nicht mehr viel los», erklärt Markus Rufer. Erst im Januar gehe es wieder los – wenn die Trainingslager anfangen.

«Die Hornusserwerkstatt hat sich so als gutes zweites Standbein herausgestellt.» Die Maschinen haben die Rufers selbst gebaut. Auch die Dreh­maschine, wo Res Rufer gerade den Stecken fertig gedreht hat. Ans untere Ende leimt er das ­Verbindungsstück, woran die ­Hornusser das Träf befestigen.

Alles im Griff

Ein Kunde betritt den Dachstock. Er hat Probleme mit seinem Stecken. Res Rufer schaut sich ihn an. «Der reicht wohl nur noch dazu, Ziegen zu treiben», scherzt der Kunde. Der nächste Hornusser wartet bereits im Eingang – er benötigt einen neuen Griff.

Res ­Rufer spannt den Stecken in eine Maschine, stülpt einen Griff aus Kork übers hintere Ende. Der Griff beginnt sich zu drehen. Eine Schleifmaschine, die oben an der Maschine angebracht ist, senkt sich zum Griff.

Gleichmässig wird der Kork abgeschliffen «So ­passen wir jeden Griff individuell für unsere Kunden an.» ­An­schliessend befestigt Res ­Rufer ein Gummiband ans untere Ende, lässt den Stecken nochmals drehen. Das Band wickelt sich um den ganzen Griff.

Klare Vorstellungen

Gegenüber der Werkstatt haben die Brüder einen Verkaufsladen eingerichtet. Rechts hängen die Regale mit den Träfs. Auf der ­linken Seite sind verschiedene Steckenmodelle ausgestellt.

Oft würden Hornusser das Testset mit verschiedenen Stecken reservieren, damit sie diese auf dem eigenen Hornusserplatz ausprobieren können. «Wir haben aber auch Kunden, die klare Vorstellungen von ihrem Stecken mitbringen, die wir dann gemeinsam umsetzen.»

Dieses Jahr sei in der Werkstatt besonders viel los, erzählen die beiden. «Wir spüren das ‹Eidgenössische›», sagt Markus Rufer. Mehr Hornusser bringen ihre Stecken in Reparatur. Und: «Das ‹Eidgenössische› ist für viele Hornusser die Motivation, neues Material zu kaufen.»

Eidgenössisches Hornusserfestin Walkringen vom 17.–19. und 24.–26. August. Mehr Infos:www.ehf2018.ch

Berner Zeitung

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