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Rendez-vous Bundesplatz: Mal ergreifend, mal rätselhaft

Wieder einmal ist es soweit: das Rendez-vous Bundesplatz wartet mit einem Lichtspiel auf. Um alle Szenen verstehen zu können, ist einiges an Hintergrundwissen nötig. Dennoch überzeugen die Bilder auch heuer.

Stephan Künzi
Das diesjährige Licht- und Tonspektakel auf dem Bundesplatz steht im Zeichen der Reformation.

Soll man Religion derart in der Öffentlichkeit zeigenwie am Rendez-vous Bundesplatz? An einem Ort, an dem erneut Tausende Abend für Abend vor allem ein spannendes Lichtspektakel erwarten? Aber sicher. Zwar schwimmen der Kirche zurzeit tatsächlich die Felle davon. Wer aber auf der Strasse Leute anspricht, stellt bald fest: Mit dem Glauben, genauer, mit den grossen Fragen des Lebens beschäf­tigen sich alle irgendwie.

Wenn die Rendez-vous-Macher also heuer das Refor­mationsjubiläumzum Thema machen, stehen sie sehr wohl auch in der Tradition ihrer bis­herigen Shows. So haben sie erst im letzten Jahr den 150. Geburtstag des Roten Kreuzes in Szene gesetzt – und doch: So selbst­redend wie in der Vergangenheit, wo das Publikum einfach in farbenfrohe Bilder, in ineinanderfliessende geometrische Figuren und in stimmige Musik eintauchen konnte, ist das Lichtspektakel diesmal nicht.

Das diesjährige Licht- und Tonspektakel auf dem Bundesplatz steht im Zeichen der Reformation und ihres 500-jährigen Jubiläums.
Das diesjährige Licht- und Tonspektakel auf dem Bundesplatz steht im Zeichen der Reformation und ihres 500-jährigen Jubiläums.
Keystone
Es sei eine Reise vom Mittelalter bis in die Neuzeit.
Es sei eine Reise vom Mittelalter bis in die Neuzeit.
Keystone
Das Bundeshaus als riesige Kirchenorgel: Die Show soll jedoch kein Bekehrungsversuch sein.
Das Bundeshaus als riesige Kirchenorgel: Die Show soll jedoch kein Bekehrungsversuch sein.
Keystone
Zu entdecken ist etwa die Erfindung des Buchdrucks, die Spaltung der katholischen Kirche und das Betreten eines neuen Kontinents.
Zu entdecken ist etwa die Erfindung des Buchdrucks, die Spaltung der katholischen Kirche und das Betreten eines neuen Kontinents.
Keystone
Das Lichtspiel findet täglich jeweils um 19 Uhr und 20.30 Uhr statt.
Das Lichtspiel findet täglich jeweils um 19 Uhr und 20.30 Uhr statt.
Keystone
Von Donnerstag bis Samstag läuft zusätzlich eine Show um 21.30 Uhr.
Von Donnerstag bis Samstag läuft zusätzlich eine Show um 21.30 Uhr.
Keystone
Bespielt wird das Bundeshaus durch acht Projektoren.
Bespielt wird das Bundeshaus durch acht Projektoren.
Keystone
Die Lautsprecheranlagen für den Ton befinden sich auf dem Balkon des Ständerats.
Die Lautsprecheranlagen für den Ton befinden sich auf dem Balkon des Ständerats.
Keystone
Es ist bereits die 7. Ausgabe des «Rendez-vous Bundesplatz».
Es ist bereits die 7. Ausgabe des «Rendez-vous Bundesplatz».
Keystone
Das Spektakel hat letztes Jahr fast 600'000 Besucherinnen und Besucher angezogen.
Das Spektakel hat letztes Jahr fast 600'000 Besucherinnen und Besucher angezogen.
Keystone
Das Sicherheitskonzept wurde für die diesjährigen Aufführungen verstärkt.
Das Sicherheitskonzept wurde für die diesjährigen Aufführungen verstärkt.
Keystone
Es passe perfekt zur reformatorischen Bilderkritik, dass reformatorische Szenen auf die Fassade des Bundeshauses projiziert würden.
Es passe perfekt zur reformatorischen Bilderkritik, dass reformatorische Szenen auf die Fassade des Bundeshauses projiziert würden.
Keystone
«Wir wollen die Licht- und Schattenseiten der Reformation zeigen», so die Organisatoren.
«Wir wollen die Licht- und Schattenseiten der Reformation zeigen», so die Organisatoren.
Keystone
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Was zum Beispiel sollen die Wurstscheiben, die plötzlich auf der Fassade des Bundeshauses geschnitten werden? Für die Antwort sind Kenntnisse aus der Zeit vor 500 Jahren nötig: Mit einem Wurstessen brach der Reformator Huldrych Zwingli damals mit seinen Getreuen die Regeln der Fastenzeit. Es war ein Akt reformatorischer Freiheit gegen alles Unbiblische in der alten, der ­katholischen Kirche.

Erst recht Rätsel geben die Bilder auf, die das strenge Regime von Zwinglis Kollege Jean Calvin in Genf zeigen sollen. Oder das rechthaberische Gebaren, mit dem die Protestanten allen anderen Glaubensrichtungen entgegentraten – umso ergreifender gelingt die Szene, in der Leutpriester Zwingli seine Anna zur Frau nimmt und so gegen eine weitere unbiblische Regel verstösst. Zwei Hände treffen sich immer und immer wieder und bieten ein ähnlich faszinierendes mimisches Spiel, wie es sich später bei der Disputation zum neuen Glauben in etwas anderer Art wiederholen wird.

In den drei letzten Bildern wartet die Show definitiv mit leichterer Kost auf. Erst zeigt sie eine gleichmässig arbeitende Maschine, die für den reformatorischen Fleiss steht. Lässt dann Figuren aus dem berühmten Totentanz des Berner Reformators Niklaus Manuel auftreten, bevor sie nahtlos ins Finale übergeht und dieses wie immer mit einem bunten Feuerwerk aus Farben und Formen beschliesst.

Rendez-vous Bundesplatz gastiert noch bis zum 25. November auf dem Bundesplatz in Bern.

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