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Lyss setzt auf Kontinuität, aber darf nicht stehen bleiben

Redaktor Hans Ulrich Schaad zu den Gemeindewahlen in Lyss.

Lyss hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung erlebt. Das Bauland ging im Nu weg, die Bevölkerungszahl ist auf 14 750 Personen gestiegen. Lyss ist als Regionalzentrum gut erreichbar, sowohl mit dem öffent­lichen Verkehr als auch mit dem Individualverkehr, und bietet viele Arbeitsplätze. Lyss ist damit ein gefragter Wohnort. Und der Gemeinde geht es gut, die Finanzen sind auf einer gesunden Basis. Das haben während des Wahlkampfs alle Beteiligten unisono gesagt.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die Stimmberechtigten der bestehenden Crew das Vertrauen aus­gesprochen haben. Nur Margrit Junker (SP) muss ausscheiden. Sie wäre zwar als Gemeinderätin gut wiedergewählt worden. Sie darf aber wegen der Amtszeitbeschränkung das Mandat nicht ­annehmen. Damit wird der Lysser Gemeinderat zum reinen Männergremium, ein Sonderfall für einen Ort mit fast 15 000 Einwohnern.

Auch Rolf Christen (BDP) und Michel Rudin (GLP) dürfen sich ein bisschen als Sieger fühlen, obwohl sie von Andreas Hegg (FDP) bei der Präsidiumswahl fast zu Statisten degradiert wurden. Sie haben entscheidend dazu beigetragen, dass die Listenverbindung von BDP und Grünliberalen den Sitz von Rolf Christen verteidigen konnte. Und im Grossen Gemeinderat haben die Grünliberalen etwas zugelegt und erreichen mit drei Sitzen Fraktionsstärke.

Lyss war wegen des möglichen Bundesasylzentrums auf dem Waffenplatz in den letzten Monaten in den Schlagzeilen. Alle Politikerinnen und Politiker, von links bis rechts, haben im Wahlkampf klar Stellung bezogen gegen dieses Vorhaben. Ein Zentrum – jenes auf Kappeler Boden, aber im Siedlungsgebiet von Lyss – sei genug. Dieser Kampf ist noch nicht ganz zu Ende, obwohl ein zweites Zentrum im Raum Lyss derzeit wenig realistisch ist. Das ungute Gefühl bleibt, vor allem weil die definitive Grösse des Zentrums Kappelen noch nicht feststeht. Es kann sein, dass die Lysser Stimmberechtigten es eher den Bürgerlichen zutrauen, auf politischer Ebene erfolgreich gegen das zweite Asylzentrum zu kämpfen, weshalb die Bürgerlichen zugelegt haben.

Es kann gefährlich sein, wenn es einem gut geht. Man wird träge. Der neue Gemeinderat ist deshalb zusammen mit dem Parlament gefordert, in der nächsten Legislatur wichtige Weichen zu ­stellen. Dabei geht es nicht nur um die häufig aufgeworfene Frage, ob Lyss nun ein Dorf oder eine Stadt ist. Es gibt viele grosse Hausaufgaben, etwa bei der Schulraumplanung. Im Grentschel darf es beim Ausbau zu keinen Verzögerungen kommen. Ebenfalls zügig angepackt werden muss die Sanierung des Schulhauses Stegmatt. Und bei der Belebung des Zentrums müssen nach den vielen Worten im Wahlkampf nun Taten folgen. Sonst geht es Lyss in ein paar Jahren nicht mehr so gut.

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