Luc Mentha tritt ab – der Wahlkampf hat begonnen

Köniz

Luc Mentha (SP) wird 2013 nicht mehr als Gemeindepräsident antreten. Schon jetzt dreht sich das Kandidatenkarussell für seine Nachfolge.

  • loading indicator
Lucia Probst

Die Könizerinnen und Könizer müssen in einem Jahr einen neuen Mann oder eine neue Frau an die Spitze ihrer Gemeinde wählen: Am Donnerstag gab der Könizer Gemeindepräsident Luc Mentha (SP) seinen Rücktritt bekannt. Er wird im November 2013 nicht mehr zu den Wahlen antreten.

«Zehn Jahre sind genug», begründet Mentha seinen Entscheid. Dieser sei in den letzten Monaten gereift. «Als Wunschszenario hatte ich das aber schon länger im Kopf.» Darben muss Mentha nicht. Wenn er abtritt, wird er 61½-jährig sein. Bis zu seiner Pension erhält er gemäss den Regelungen der Gemeinde 55 Prozent seines heutigen Lohnes – das macht brutto jährlich rund 112000 Franken.

Ein Bärendienst für die SP

2004 wurde Mentha Gemeindepräsident, dies mitten in der Legislatur. Er folgte auf seinen Parteikollegen Henri Huber. Seit über zwanzig Jahren ist das Könizer Gemeindepräsidium damit bereits in sozialdemokratischer Hand.

Seiner Partei erweist Mentha mit seinem Rücktritt einen Bärendienst. «Klar sind wir nicht begeistert», räumt SP-Präsident Christoph Salzmann ein. «Wir hätten ihn gerne überzeugt, noch vier Jahre zu bleiben.» Aber man respektiere Menthas persönlichen Entscheid. Schon gestern kündigte die SP an, dass sie das Präsidium verteidigen will. Das wird jedoch eine grosse Herausforderung sein. Katrin Sedlmayer will zwar für eine weitere Legislatur als Gemeinderätin kandidieren. «Fürs Präsidium stehe ich aber nicht zur Verfügung», macht sie klar. Ihr Job als Planungsdirektorin gefalle ihr gut. Gespräche führt die SP nun vor allem mit Parlaments- und Vorstandsmitgliedern.

Für die andern Parteien und auch seine Gemeinderatskolleginnen und -kollegen kommt Menthas Rücktritt überraschend. Viele gingen bis jetzt davon aus, dass sich 2013 der gesamte Gemeinderat zur Wiederwahl stellt. Mentha ist der Einzige, der nun zurücktritt. Nebst Sedlmayer bestätigten gestern Urs Wilk (FDP), Ueli Studer (SVP) und Rita Haudenschild (Grüne), dass sie erneut antreten. Alle drei schliessen auch eine Kandidatur fürs Präsidium nicht aus.

Besser machen als die Berner

«Ich sage nicht kategorisch Nein», erklärt Rita Haudenschild. Das Präsidium sei sicher ein spannendes Amt. Schon bisher hat die Linke für die Wahlen zusammengearbeitet. Nicht ausgeschlossen ist, dass Haudenschild deren Spitzenkandidatin sein könnte. Die Linke wird sich dieses Szenario überlegen müssen.

«Klar ist das Präsidium eine reizvolle Aufgabe», sagt auch Ueli Studer (SVP). Er wurde bei den letzten Gemeindewahlen mit dem besten Resultat in den Gemeinderat gewählt. «Das ist sicher eine denkbare Kandidatur», sagt SVP-Präsident Stefan Lehmann. Klar ist für ihn, dass die Bürgerlichen möglichst gemeinsam eine Kandidatur auf die Beine stellen sollten. «Wir müssen uns einigen können, wenn wir erfolgreich sein wollen.» Im stadtbernischen Wahlkampf habe man gesehen, wie es sonst herauskomme. «Wir könnten es besser machen.» Punkto BDP ist Lehmann zuversichtlich. «Wir arbeiten gut zusammen und hoffen, sie ins Boot holen zu können.»

Das Gemeindepräsidium sei «ein Thema, das man jetzt anschauen muss», sagt Gemeinderat Urs Wilk (FDP). Er werde das mit der Partei diskutieren. Für FDP-Präsident Hanspeter Kohler ist noch alles offen. «Die Chancen für die Bürgerlichen sind aber natürlich gestiegen.»

So ruhig, wie viele bis am Donnerstag dachten, werden die Könizer Wahlen 2013 also nicht sein. Mit Menthas Rücktritt ist der Wahlkampf eröffnet. Die SP tröstet sich vorerst damit, dass dieser Rücktritt zumindest gemeindepolitisch Sinn macht: Wegen Amtszeitbeschränkung hätte sonst 2017 der komplette Aderlass im Gemeinderat gedroht. Doch: Hätten dann alle mit neuen Kandidierenden antreten müssen, hätte die SP weit bessere Karten gehabt, um das Präsidium zu verteidigen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt