Loubegaffer: Rammstein, Life Ball und Futtersilos

Bern

Die Loubegaffer schauen hin, hören zu und berichten, was unter den Berner Lauben zu reden gibt.

Warfen sich in Schale: Thomas Fuchs (links) und Erich Hess.

Warfen sich in Schale: Thomas Fuchs (links) und Erich Hess.

(Bild: zvg)

Nicht überrascht waren die Loubegaffer, als sie letzte Woche Reto Nause am Rammstein-Konzert sichteten. Der rechte Flügel des Gemeinderats ist bekannt für seine Vorliebe für harte Musik. Vor gut einem halben Jahr machte er schon Schlagzeilen, als er im Bierhübeli ein Clawfinger-Konzert besuchte. Allerdings weniger für den Besuch an sich als für das Intermezzo danach. Nause wagte sich nämlich nach Konzertschluss auf die Schützenmatte. Dort war er aber kein gern gesehener Gast, er wurde von den Reitschülern weggewiesen. Darauf verschaffte der CVP-Mann seinem Frust in den sozialen Medien Luft. «Früher war cool toleranter! Und Punkrock fägt anderswo auch mehr!»

Feiern ist ein Metier, das auch Erich Hess mühelos beherrscht. In den Bars rund um den Kornhausplatz ist er zu später Stunde ein oft gesehener Gast, wie uns gefühlte 152 Augenzeugen berichteten. Letztes Wochenende feierte Hess für einmal in Wien: Zusammen mit dem Stadtberner SVP-Präsidenten und «Best Buddy» Thomas Fuchs reiste er an den Life Ball. Seinen Städtetrip kündete er letzte Woche im Grossen Rat während der Klimadebatte grossmundig an. Der Punkt war dabei vor allem das Verkehrsmittel, das ihn nach Wien beförderte: ein Flugzeug. Und Nein, sagte Hess, er habe kein schlechtes Gewissen. Die Loubegaffer finden das etwas schade. Mit seinem Life-Ball-Kostüm hätte er auch in der Bar eines Nachtzugs eine gute Falle gemacht.

Im Nachtzug hätte Hess auch getrost den Vorhang ziehen können, wenn er an seinem persönlichen Unort, der Berner Reitschule, vorbeigefahren wäre. Dort hätte er aber etwas gesehen, was einen SVP-Politiker freuen sollte. Seit einigen Wochen stehen auf der Schützenmatte neun Futtersilos. Ganz im Dienste der Kunst. Das Künstlerkollektiv Hole Pole um Teddy Ottoni und Piotr Tollik hat die ausgedienten Silos für gerade mal zwei Franken kaufen können und möchte daraus eine Art Skyline schaffen, wie die «Bauernzeitung» schreibt.

Apropos Reitschule: Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) traf am letzten Donnerstag Ravi Shankar, den indischen Yogalehrer und Friedensstifter. Shankar schafft es offenbar, mit Yoga verfeindete Parteien miteinander zu versöhnen. So soll er in Havanna Mitglieder der kolumbianischen Regierung und der Rebellenorganisation Farc auf Friedenskurs gebracht haben. Er sprach mit den Rebellen, meditierte, atmete. «Es dauerte ein paar Tage, diese Männer von den Prinzipien Gandhis zu überzeugen», sagte er der «Süddeutschen Zeitung». Vielleicht wäre es ein Ansatz, Shankar zum Meditieren mit den Strassenkämpfern aus dem Umfeld der Reitschule einzufliegen. Oder um die verhärteten Blöcke im Stadtrat miteinander besser ins Gespräch zu bringen. Die Loubegaffer sind gespannt, ob sich der Stapi etwas einfallen lässt.

Die Loubegaffer schauen hin, hören zu und rapportieren, was unter den Berner Lauben zu reden gibt. stadtbern@bernerzeitung.ch

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...