Lindenhof verliert Behandlungen

Die Lindenhofgruppe darf künftig voraussichtlich gewisse Bauchoperationen nicht mehr durchführen.

Die Lindenhofgruppe reagierte wenig erfreut – und behält sich rechtliche Schritte vor.

Die Lindenhofgruppe reagierte wenig erfreut – und behält sich rechtliche Schritte vor.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Marius Aschwanden

Es bleibt vorerst dabei: Die Lindenhofgruppe ist im Kanton Bern die grosse Verliererin beim Kampf um die hoch spezialisierten Eingriffe im Bauchraum. Sie darf künftig keine komplexen Operationen mehr an der Speiseröhre, der Bauchspeicheldrüse und der Leber vornehmen. Das geht aus einer Medienmitteilung hervor, welche die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) diese Woche veröffentlicht hat.

Hintergrund für die neue Zuteilung ist ein jahrelanger Streit zwischen der GDK und manchen Schweizer Spitälern. Während die Kantone für die Erteilung der Leistungsaufträge in herkömmlichen Medizinbereichen zuständig sind, läuft die Zuteilung in der hoch spezialisierten Medizin interkantonal durch das zuständige Beschlussorgan der GDK.

Dieses strebt seit Jahren eine Konzentration der Operationen im Bauchraum auf einige wenige Klinken an, um die Qualität zu erhöhen. Dagegen wehrten sich aber jene Spitäler, die Aufträge zu verlieren drohten. 2017 nahm die GDK dann einen neuen Anlauf. Der nun erfolgte Entscheid ist ein Resultat davon.

Zahlen nicht erfüllt

Im Kanton Bern darf künftig nur noch das Inselspital hoch spezialisierte Eingriffe an der Speiseröhre durchführen. Für Operationen an der Bauchspeicheldrüse und der Leber ist neben dem Inselspital noch die Hirslanden-Klinik Beau-Site zugelassen. Die Leistungsaufträge gelten ab August und sind auf sechs Jahre befristet.

Dass die Lindenhofgruppe leer ausgehen könnte, zeichnete sich bereits 2017 ab. Damals veröffentlichte die GDK einen Entwurf der neuen Spitalliste – das Berner Privatspital fehlte darauf. Im nun publizierten Schlussbericht des zuständigen Gremiums wird als Begründung unter anderem aufgeführt, dass Mindestfallzahlen nicht erfüllt würden.

Die Lindenhofgruppe reagiert in einer Stellungnahme wenig erfreut auf den Entscheid. Die Leistungsaufträge seien für sie «von grosser Bedeutung». Für die Bereiche Speiseröhre und Bauchspeicheldrüse behält sie sich denn auch rechtliche Schritte vor. Eingriffe an der Leber hingegen stellten keinen Schwerpunkt der Gruppe dar, weshalb man auf die Erteilung eines Auftrags von sich aus verzichtet habe.

Auch das Spitalzentrum Biel verliert einen Leistungsauftrag. Dieses hat sich erfolglos für komplexe Operationen an der Bauchspeicheldrüse beworben. Wie der «Bund» berichtete, sei auch dort noch offen, ob richterlich gegen die Spitalliste vorgegangen werden soll.

Optimismus in Bern

In zwei weiteren Bereichen der Bauchchirurgie – Eingriffe am Enddarm und komplexe Übergewichtsoperationen – hat die GDK noch keinen Entscheid getroffen. Dies, weil das Beschlussorgan der Meinung ist, dass weniger Spitäler zum Zug kommen sollen, als von den Experten vorgeschlagen.

Hier geht die Lindenhofgruppe «klar davon aus», dass sie die Aufträge erhalten wird. Ob der Optimismus angebracht ist, scheint fraglich: In der Evaluation wurde die Spitalgruppe auch in diesen Bereichen nicht berücksichtigt.

Berner Zeitung

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