Lieber Herr Messner, kommen Sie doch einmal vorbei!

Das Alpine Museum müsste in den Bergen stehen, um zu funktionieren – das sagte die Bergsteigerlegende Reinhold Messner in einem Interview mit dieser Zeitung. Beat Hächler, Direktor des Alpinen Museums, hat darauf eine Replik verfasst. Er erklärt, weshalb das Alpine Museum in der Stadt Bern genau am richtigen Ort ist.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Alpine Museum stehe in der Stadt Bern komplett am falschen Ort, sagte Reinhold Messner in der BZ. Und: Er verstehe nicht, warum das Alpine Museum überhaupt staatliche Unterstützung brauche. Auf beides gibt es klare Antworten. Die Antworten haben mit einem anderen ­Verständnis von Inhalten zu tun.

Das Alpine Museum der Schweiz steht sehr bewusst in der Stadt, weil die Bergthemen, die uns interessieren, sehr viel mit der Beziehung von Städterinnen und Städtern zum Berggebiet zu tun haben: Identität, Mobilität, Freizeitverhalten, Zweitwohnungen und so weiter.

Das Alpine Museum der Schweiz ist kein Matterhorn- und kein Eigernordwandmuseum und auch kein Messner-Besucherzentrum. Sonst müsste es tatsächlich in den Bergen stehen. Es hat einen andern Auftrag. Es dient der Diskussion und ­Reflexion von sozialen, ökologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Berg­themen der Gegenwart. Mit diesem ­Konzept erreichte das Alpine Museum 2017 über 120'000 Besucherinnen und Besucher, zum einen im Stammhaus in Bern, zum andern an fünf weiteren ­Tourneeorten in der Schweiz.

Das Alpine Museum funktioniert! Es funktioniert sogar sehr gut, aber es funktioniert anders als Messners touristische Mountain-Museen. Schlicht falsch ist der hergestellte Zusammenhang zwischen angeblichem Nichtfunktionieren des ­Museums und der Mittelkürzung, die das Bundesamt für Kultur ab nächstem Jahr vollzieht. Es gibt keinen solchen Zusammenhang. Obwohl das Alpine Museum der Schweiz seine öffentliche Aufgabe gut erfüllt und sein Konzept immer besser funktioniert, wird seine Bundesfinanzierung gekappt. Finanziert ist das Alpine Museum mit einem Mix von öffentlichem und privatem Geld. Der Eigenfinanzierungsgrad, also der Anteil des privaten Gelds am Gesamtertrag, betrug 2016 hohe 44 Prozent.

Öffentliches Geld sichert aber auch öffentliche Nutzungen. Wir nennen dies Service public: öffentliche Bildungsangebote wie Gratiseintritte für Schulen, die Erschliessung und Bewahrung einer einzigartigen Sammlung, die zum nationalen Kulturerbe gehört, Kooperationen mit kleinen Institutionen im Berggebiet und viele Veranstaltungen mit Dritten. Anders als Reinhold Messners Museen erfüllt das Alpine Museum der Schweiz die professionellen Standards von Icom, dem International Council of Museums.

Lieber Herr Messner, sprechen Sie mit uns und nicht nur über uns. Kommen Sie doch auf einen Kaffee vorbei, wenn Sie in Bern sind. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.02.2018, 08:44 Uhr

Beat Hächler ist Direktor des Alpinen Museums der Schweiz in Bern. (Bild: Urs Baumann)

Artikel zum Thema

«Das Alpine Museum steht komplett am falschen Ort»

Reinhold Messner arbeitet derzeit als Filmemacher und Vortragsreisender. Im Interview äussert er sich kritisch zur geplanten V-Bahn und sagt, wo seiner Ansicht nach das Alpine Museum stehen müsste. Mehr...

Belebende Bergtour

Alpines Museum Bern Das Alpine Museum hat am Dienstagmorgen mit einem Publikums-Zmorge seinen Überlebenskampf lanciert. Bis in zwei Wochen sollen mindestens 10’000 Personen ihre Solidarität mit dem Museum ausdrücken. Mehr...

Alpines Museum entschuldigt sich für unglücklichen Slogan

Bern Unter dem Slogan «Achtung Bergsturz» lancierte das Alpine Museum am Donnerstag eine Kampagne gegen die Kürzung von Bundesgeldern. Am Freitag entschuldigten sich die Verantwortlichen – aus aktuellem Anlass. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Die Welt in Bildern

Fakelträger: Junge Ungaren ziehen in Erinnerung an die Studentenproteste von 1956 durch die Strassen von Budapest. (22. Oktober 2018)
(Bild: Szilard Koszticsak) Mehr...