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Liebe, Macht, Theater

Wer mit wem und warum nicht: Der frühzeitige Abgang von Schauspielchef Cihan Inan verkommt zur Posse.

Sophie-Thérèse Krempl (links) und Cihan Inan (Mitte) haben unterschiedliche Auffassungen vom Theater.
Sophie-Thérèse Krempl (links) und Cihan Inan (Mitte) haben unterschiedliche Auffassungen vom Theater.
Beat Mathys

Ein Adieu, eine rätselhafte Botschaft, eine gut gemeinte Beschwichtigung, eine konstant befeuerte Gerüchteküche und die Macht der Liebe. Es sind dieser Tage die Zutaten für das Theater abseits der Bühnen von Konzert Theater Bern.

Am Montag verschickte die Kommunikationsabteilung von Konzert Theater Bern die Mit­teilung, dass Cihan Inan seinen Zweijahresvertrag nicht verlängern wolle und das Haus im Sommer 2019 verlasse. Im Mail stand auch der Satz, der das Tor zu Spekulationen weit öffnete. «Cihan Inan hatte seinen Verbleib am Haus an eine Bedingung geknüpft, die weder die künstlerische Ausrichtung des Schauspiels noch den Einflussbereich von ­Cihan Inan betraf.» Was war da bloss passiert?

Streit beim ersten Stück

Schon vor Monaten berichteten Insider hinter vorgehaltener Hand vom schwelenden Streit von Schauspielchef Cihan Inan und der Chefdramaturgin Sophie-Thérèse Krempl. Die unterschiedliche Auffassung davon, wie man Theater macht, führte bereits vor der ersten Theaterproduktion der Saison zum Streit, bei Kleists «Penthesilea», bei der Cihan Inan Regie führte.

Und dann wurde es kompliziert. Denn da war noch die Liaison von Krempl mit Intendant Stephan Märki. Cihan Inan wähnte sich offenbar in der Zwickmühle zwischen Chef und Untergebener. Inan hat sich zwar bis heute nicht wesentlich ge­äussert. Doch Eingeweihte berichten, dass der Einfluss von Sophie-Thérèse Krempl bei Konzert Theater Bern schon eher gross sei.

Bereits im Herbst begann der Stiftungsrat zu vermitteln; es durfte nicht sein, dass sich die Affäre Gräve wiederholt: Inans Vorgängerin musste 2016 nach einer halben Spielzeit gehen, nach einem Zwist mit Märki. Sie liess ihre Demontage nicht auf sich sitzen und machte gehörig Lärm – die Sache warf ein schlechtes Licht auf Konzert Theater Bern. Also nahm sich Stiftungsrats­präsident Marcel Brülhart, ein ausgewiesener Schlichter und ­erfolgreicher Verhandler, diesmal frühzeitig des schwelenden Streits an und vermittelte zwischen Inan und Krempl.

Das Resultat: Krempl wurde Kommunikationschefin des Vierspartenhauses. Die Berührungspunkte zwischen ihr und Cihan Inan beschränkten sich in der Folge auf die Mittwochmorgenbesprechung, an der jeweils die gesamte Theaterleitung an einem Tisch sitzt. Eine Art Bundesratssitzung, in der die Leiter aller Departemente des Hauses das Wichtigste austauschen.

Heikle Liaison

Trotz des moderaten Umbaus in der Theatersparte, die dem Schauspielchef entgegenkam, hat sich Cihan Inan gegen eine Verlängerung seines Engagements entschieden. Seine Be­dingung wäre gewesen, dass Krempl das Haus verlässt. Sie oder ich. Eine Forderung, auf die Intendant Stephan Märki nicht eingehen konnte und wollte. Warum Inan die Forderung stellte, ist schleierhaft. Hatte Krempl trotz der Schlichtung weiterhin Einfluss auf Inans Sparte – oder schob Inan die Personalie bloss vor, ohne wirkliche Lust auf eine Vertragsverlängerung?

Die Geschichte hat Konzert Theater Bern für sich behalten wollen, Stiftungsratspräsident Marcel Brülhart hat gestern im Interview mit dieser Zeitung die Schuld auf sich genommen, wohl mit dem Ziel, die Wogen zu glätten. Zu heikel schienen die persönlichen Verstrickungen in der Führungsetage. Der Standpunkt von Konzert Theater Bern ist, dass Liebschaften nicht an die ­Öffentlichkeit gehören – Marcel Brülhart wollte dazu im Gespräch keine Stellung nehmen.

Dieser Grundsatz gilt offenbar auch, wenn Beziehungen zu Problemen führen, die die Führungsetage von Konzert Theater Bern nicht zu lösen in der Lage ist. ­Gestern machte das Online­magazin «Journal B» das schlecht gehütete Geheimnis öffentlich.

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