«Lidl und Loeb passen zusammen»

Bern

Das Berner Traditionshaus Loeb und der deutsche Detailhändler Lidl spannen zusammen. Nicole Loeb nimmt erstmals Stellung zum neuen Mieter.

Nicole Loeb im umgebauten Warenhaus in der Stadt Bern.

Nicole Loeb im umgebauten Warenhaus in der Stadt Bern.

(Bild: Beat Mathys)

Lidl und Loeb. Passen der deutsche Discounter und das Berner Traditionswarenhaus zusammen? Diese Frage wird seit Ende Januar in der Stadt heftig diskutiert. Damals hatte Loeb bekannt gegeben, dass sich der deutsche Discounter in den beiden Untergeschossen des Warenhauses einmieten wird. Lidl wird dort ab 2022 auf 2000 Quadratmetern präsent sein. Für die einen ist das Zusammengehen von Loeb mit einem Discounter ein No-Go, andere sagen, dass der sogenannte hybride Kunde heutzutage sowieso beim Einkauf günstiges und hochwertiges kombiniere.

Erstmals nimmt nun Loeb-Chefin Nicole Loeb Stellung zum vieldiskutierten Handel: «Lidl in der Innenstadt ist eine Chance für Bern und für Loeb.» Sie sieht auch Gemeinsamkeiten der beiden Unternehmen: «Lidl und Loeb passen zusammen. Beide setzen auf Regionalität», sagt sie. Es sei wohl zu wenig klar geworden, was der Auslöser für die Verhandlungen mit Lidl gewesen sei: «Wir sind uns mit dem bisherigen Mieter, dem Buchhändler Orell Füssli, über die Vertragsverlängerung nicht handelseinig geworden».

«Wir sind uns mit dem bisherigen Mieter, dem Buchhändler Orell Füssli, über die Vertragsverlängerung nicht handelseinig geworden.»Nicole Loeb, Chefin von Loeb

Lidl sei vor einem Jahr auf Loeb zugekommen, danach hätten die Verhandlungen begonnen. Zur Frage, ob und wenn Ja wie viel Lidl mehr bezahlen wird als Orell Füssli, will Nicole Loeb keine Stellung nehmen.

Viele Kunden riefen an

Loeb hatte viele Rückmeldungen zum neuen Mieter, und die waren unterschiedlich. «Es gab Kunden, die sich darüber freuen, dass Lidl in den Loeb kommt. Es gab aber auch Kritik», räumt Nicole Loeb ein. Sie habe diese Kritik ernst genommen und mit den Kunden direkt das Gespräch gesucht. Die meisten hätten ihre Erklärungen verstanden. «Meine Aufgabe als Unternehmerin ist es, langfristig zu denken», sagt Nicole Loeb. Entsprechend ist der Vertrag mit Lidl auch langfristig angelegt. Sie habe schon selber bei Lidl eingekauft, und zwar in Deutschland, als sie noch Studentin war.

Mit dem Einzug von Lidl in das Stammhaus von Loeb folgt das Berner Traditionshaus dem Beispiel inländischer und ausländischer Warenhäuser: Die meisten von ihnen bieten den Kunden im Untergeschoss ein Vollsortiment mit Lebensmitteln an. Dieses Konzept hat sich national und international bewährt. Lebensmittelanbieter sind als Frequenzbringer wichtig.

Damit der Kontrast zwischen dem Loeb-Sortiment und dem Angebot von Lidl nicht zu stark wird, sind beide Seiten gefordert. «Die Lidl-Filiale in der Stadt Zürich ist etwas edler gestaltet als eine herkömmliche Filiale», sagt Nicole Loeb. Als Vorbild diene das Vorgehen von Lidl im historischen Fraumünster-Gebäude in Zürich. Und Lidl stellt dazu in Aussicht: «Beim Innenausbau werden wir darauf achten, die Filiale harmonisch in das Gesamtgebäude zu integrieren, um dem denkmalgeschützten Gebäude in Bern gerecht zu werden,» sagt Lidl-Sprecherin Corina Milz.

Kein Discount-Warenhaus

Bei den Preisen werden sich Lidl und Loeb dagegen nicht annähern: Die Produktpreise in der Innenstadt werden die gleichen sein wie in Lidl-Filialen auf dem Land.

Auf die Frage ob der Verwaltungsrat lange besprochen habe, ob er den Vertrag mit Lidl eingehen wolle oder nicht, sagt Loeb: «Selbstverständlich diskutieren wir strategische Entscheidungen gründlich.» Es sei ein Prozess gewesen wie bei den meisten Entscheidungsfindungen. Da gelte es Vor- und Nachteile abzuwägen.

Die neue Strategie hat Auswirkungen auf den Lebensmittelladen von Loeb: Dieser wird nun in einen Bereich «Ort des Essens und Geniessens» mit viel Gastronomie umgewandelt.

Berner Zeitung

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