Letzte Chance für RGM: SP lässt das Bündnis nicht platzen

Bern

Die SP Stadt Bern will noch bis Mitte April versuchen, ihre Bündnispartner GB und GFL davon zu überzeugen, dass es neben SP-Gemeinderätin Ursula Wyss nur noch eine Stapi-Kandidatur verträgt.

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Zu dritt? Zu zweit? Oder nach 24 Jahren erstmals im Alleingang? Während der mit Spannung erwarteten SP-Debatte zur Zukunft des Rot-Grün-Mitte-Bündnisses (RGM) mussten die Medienvertreter gestern Abend auf Antrag eines Mitglieds den Saal verlassen. Bei der Rückkehr war die Temperatur im Raum einige Grad gestiegen, die Entscheidung über die Zukunft von RGM aber noch nicht gefallen.

Die SP-Basis beschloss mit 102 zu 6 Stimmen, dem RGM-Bündnis für die Wahlen vom 27.?November eine letzte Chance zu geben. Bis Mitte April wird die Parteileitung weitere Gespräche mit den Partnern von GB und GFL führen.

Ziel: Aus drei mach zwei

Das Ziel der SP bleibt noch immer das gleiche, wie es die Basis bereits Ende Januar festgelegt hatte: Neben SP-Gemeinderätin Ursula Wyss soll aus dem RGM-Bündnis nur noch Platz für eine grüne Kandidatur ums Stadtpräsidium sein. Im Moment wären es insgesamt deren drei: Alec von Graffenried wurde von der GFL nominiert, Gemeinderätin Franziska Teuscher vom Grünen Bündnis und an der gestrigen Hauptversammlung der SP Gemeinderätin Ursula Wyss.

Ein Bündnis, drei Stapi-Kandidaturen – das wäre eine «Chalberei» zitierte SP-Co-Präsident Stefan Jordi den Politologen und RGM-Mitbegründer Werner Seitz. Seitz habe die RGM-Gespräche als externer Berater begleitet, erklärte Jordi. «Als Bündnis muss es unser oberstes Ziel sein, eine Mehrheit im Gemeinderat zu erreichen», plädierte Jordi dafür, noch ein Türchen für RGM offen zu lassen. Würden SP, GB und GFL sich in der Wahl ums Stadtpräsidium konkurrenzieren, sei das Bündnis unglaubwürdig, und «es bekäme Risse».

Welche Überlegungen die Basis dazu brachten, der Parteileitung zu folgen und die Gespräche mit GB und GFL weiterzuführen, blieb hinter verschlossenen Türen. Denkbar ist, dass mit der Vertagung der Druck auf die GFL hoch gehalten werden soll. Denn eines konnte man aus Gesprächen gestern herauslesen: Es wäre wohl eher im Sinne der SP, wenn GFL-Kandidat von Graffenried sich zurückzöge als GB-Frau Teuscher.

Letzte Option: Alleingang

Kommt bis Mitte April keine Einigung zustande, will die SP die Mittepartei GFL aussen vor lassen und eine Wahlallianz nur noch mit dem Grünen Bündnis anstreben. Scheitert auch diese, will die SP den Alleingang wagen. Ebenfalls angenommen wurde von der SP-Basis ein Antrag, der bei GB und GFL kaum auf Gegenliebe stossen dürfte: Käme es zu einem zweiten Wahlgang ums Stadtpräsidium, so dürfte nur noch der RGM-Kandidat antreten, der am meisten Stimmen holte. Damit hätte wohl in jeder Konstellation die Bisherige Ursula Wyss die besten Karten.

Berner Zeitung

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