Letzte Chance auf den Bider-Hangar

Belp

Bald entscheidet sich das Schicksal des Bider-Hangars auf dem Flughafen Bern-Belp. Die Gemeinde Langenbruck hat Interesse am historischen Gebäude, aber noch zu wenig Geld.

Bider-Hangar: In Belp steht das ochsenblutrote Gebäude den Ausbauplänen des Flughafens im Weg.

Bider-Hangar: In Belp steht das ochsenblutrote Gebäude den Ausbauplänen des Flughafens im Weg.

(Bild: Andreas Blatter)

Johannes Reichen

Es klang wie ein Hilferuf. Nur noch «die Kleinigkeit» von einer halben Million Franken fehle, um den Bider-Hangar von Belp ab­zuzügeln, schrieb der Gemeindepräsident von Langenbruck in der dortigen Dorfzeitung. Schon lange ist bekannt, dass die Baselbieter Gemeinde die 90-jährige Halle übernehmen möchte.

Noch mehr Sorgen machte Hector Herzig, dem Gemeindepräsidenten, nur die Tatsache, dass die Zeit langsam knapp werden könnte. Der Flughafen Bern könne «nicht länger auf uns warten», schrieb er. Ende September werde definitiv über das Schicksal des Hangars entschieden.

Der Text erschien noch vor den Sommerferien. Jetzt sagt Herzig, er habe bewusst einen alarmistischen Ton angeschlagen. Einerseits mit Erfolg, denn die Medien in der Nordwestschweiz hätten breit über die prekäre Situation berichtet. «Bider-Hangar steht vor dem Aus», titelte etwa die lokale «Volksstimme». Anderseits blieb bei Herzig auch Enttäuschung zurück, da das Portemonnaie seither nicht dicker geworden ist. Trotzdem klingt er optimistischer als noch im Juni. «Eigentlich ist alles parat», sagt er. «Wir müssen jetzt einfach noch ein bisschen warten.» Dennoch bleibt nicht mehr viel Zeit.

Grosses Interesse am Hangar

Langenbruck, 1000 Einwohner, an der Grenze zu Solothurn gelegen, ist der Geburtsort von Oskar Bider. Dem Flugpionier gelang es 1913 als erstem Piloten, die Alpen vollständig und in beiden Richtungen zu überqueren: Bern–Mailand retour. Nach ihm ist der Hangar benannt, der seit 1928 auf dem Flughafen Bern-Belp steht.

Nächstes Jahr ist es hundert Jahre her, dass Bider bei einem Flugunfall ums Leben kam. Diesen Todestag wird die Gemeinde zelebrieren. «Das wird ein grosser Anlass», sagt Herzig, der auch Präsident des Bider-Hangar-Vereins sowie der Bider-Stiftung ist, die Gegenstände zu Oskar Bider und dessen Schwester, der Schauspielerin Leny Bider, zusammenträgt. Unklar ist nur noch, ob bis dann auch der ­alte Hangar im Dorf stehen und wie beabsichtigt ein Museum beherbergen wird. «Das wäre ein wunderbarer Zeitpunkt», sagt Herzig.

Für Bern wäre der Umzug des Hangars eine gute Nachricht. Der Flughafen möchte es schon seit längerer Zeit loswerden. Aufgrund von Herzigs Zeilen in der Dorfzeitung stellt sich nun die Frage, wie lange der Flughafen Bern-Belp die Halle an ihrem jetzigen Standort noch duldet. Direktor Mathias Gantenbein bestätigt, dass der Flughafen für das heutige Areal des Bider-Hangars andere Pläne hat. Es werde für eine «Verbesserung der Betriebsabläufe» benötigt. Doch das sei keine Frage von Tagen oder Woch­en. Entscheidend ist für ihn die Frage, ob es Langenbruck gelingt, eine Lösung zu finden. «Bis Ende Jahr möchten wir Klarheit haben, wie es weitergeht.»

Jetzt geht es ums Geld

Immerhin ein Problem ist in Langenbruck mittlerweile gelöst: Ein Standort für den Hangar ist gefunden. «Wir sind mit dem Kanton Baselland einig, dass das Zivilschutzareal ein idealer Platz für den Hangar wäre», so Herzig.

So dreht sich jetzt alles ums Geld. Rund 1,5 Millionen Franken müssten für den Abbruch, den Transport und den Wiederaufbau zusammenkommen. Die Denkmalpflege des Kantons Bern befürwortet die Langenbrucker Pläne und würde Sicherungs- und Dokumentationsarbeiten beim Abbau finanziell unterstützen.

Der Flughafen Bern würde sich an einer Versetzung beteiligen, sagt Direktor Gantenbein, und zwar in Form von Sachleistungen im Wert eines tiefen sechsstelligen Betrags. Der Kanton Baselland hat einen namhaften Betrag zugesichert, falls sich auch die Gemeinde Langenbruck finanziell beteiligt. Noch dieses Jahr werde die Gemeindeversammlung darüber abstimmen, sagt Präsident Herzig. Bei einem Nein der Gemeinde werde das Projekt beerdigt. «Irgendwann muss man einen Schlussstrich ziehen.»

Berner Zeitung

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