Marktschreier aus Leidenschaft

Yvonne und Frank Wettengl verkaufen an der BEA ­Gemüse- und Früchtehobel. Mit träfen Sprüchen und witzigen Pointen packen die Marktschreier das Publikum.

Der Marktschreier von der BEA: Frank Wettengl redet an seinem Stand an der BEA ununterbrochen. Video: Markus Ehinger
Markus Ehinger@ehiBE

Tomaten, Rüebli, Kabis, Peperoni, Rettich, Zitronen, Orangen, Äpfel – es gibt nichts, was die ­Geschwister Frank (37) und Yvonne Wettengl (47) aus Bülach nicht schneiden und hobeln könnten. Ihr Stand zwischen Henris Restaurant und dem Grünen Zentrum ist eine feste Grösse an der BEA.

Jahrzehntelang präsentierte und verkaufte Edi Wettengl hier Gemüsehobel und sorgte mit seiner Art und seinen Sprüchen für viele Lacher. Im letzten Jahr starb Wettengl im Alter von 75 Jahren. Er war eine Legende unter den Marktschreiern.

Jetzt hat die nächste Gene­ration das Unternehmen übernommen. Die Fussstapfen, in die Frank und seine Schwester Yvonne traten, sind gross. «Unser Vater Edi war überall bekannt und beliebt», sagt Frank Wettengl.

Geholfen hat dem ­Geschwisterpaar, dass es selber auch schon seit vielen Jahren im Beruf tätig ist. Die beiden Zürcher wollen nichts anderes machen, als von Messe zu Messe und von Markt zu Markt zu tingeln.

Eine knifflige Aufgabe

«Lernen kann man den Beruf nicht, man kann es, oder man kann es nicht», sagt Frank Wettengl. Er kenne Leute in seinem Bekanntenkreis, die wortgewandt seien und sehr gut Witze erzählen könnten.

«Wenn sie aber mal an unserem Stand das Publikum unterhalten und gleichzeitig ein Produkt verkaufen sollen, kommen sie schnell an ihre Grenzen.» Das Produkt anpreisen und auch unterhaltsam sein, sei nämlich eine knifflige Aufgabe. «Es braucht viel Witz und Charme.»

Marktschreier in zweiter Generation: Frank und Yvonne Wettengl führen den Gemüsehobelstand ihres Vaters weiter. Bild: Enrique Muñoz García

Eine grosse Traube Menschen hat sich vor Wettengls Stand ­gebildet. Die BEA-Besucher ­beobachten nicht nur fasziniert, wie Frank und Yvonne mit dem bekannten V-Power-Hobelset Gemüse und Früchte schneiden, sondern amüsieren sich vor allem über deren Sprüche.

An einem guten Tag verbrauchen die Geschwister Wettengl Gemüse und Früchte im Wert von rund 200 Franken. Was passiert am Abend mit dem Gemüse? Gibt es jeden Abend Gemüsesuppe im Hause Wettengl?

«Nein, am Abend können die Besucherinnen und Besucher das Gemüse und die Früchte gratis bei uns am Stand abholen und entweder ­selber essen oder als Tierfutter verwenden», sagt Frank Wettengl. Er wünscht sich, dass noch mehr Leute am Abend vorbeikommen, da man sonst frische Produkte wegwerfen müsse.

«Da muss man durchbeissen»

Nach der BEA ist die Frühlingssaison für die Geschwister abgeschlossen. Danach gehts in die Sommerpause. «Die BEA ist eine der schönsten Messen. Mir gefallen die Vielfalt und die Tiere.

«Es ist eine Übungssache, man gewöhnt sich ans viele Sprechen.»Frank Wettengl

Das gibts neben der Olma in St. Gallen nur noch in Bern in dieser Art», sagt Yvonne Wettengl. Streng wird es für die Marktschreier dann wieder ab Mitte August bis zum 24. Dezember – «weil wir an sehr vielen Weihnachtsmärkten präsent sind», sagen die beiden.

Konkurrenz im TV

Viel reden und immer präsent sein ist das A und O als Marktschreier. Haben die beiden am Abend überhaupt noch eine Stimme? «Wir wechseln uns ­regelmässig ab», sagt Yvonne Wettengl. Und ihr Bruder ­ergänzt: «Es ist auch eine Übungssache, man gewöhnt sich ans viele Sprechen.»

Mühsam sei es nur, wenn man eine Grippe habe oder erkältet sei. «Aber Kranksein gibt es bei uns nicht. Da muss man knallhart durchbeissen.» Die V-Hobel kennen viele Leute nur von den zahlreichen TV-Werbesendungen. Klar seien diese Sendungen eine Konkurrenz, sagt Frank Wettengl. Aber: «Am TV ist es zwar bequemer, dafür wird man bei uns auch noch unterhalten. Und wir arbeiten ohne Tricks und ohne doppelten Boden.»

Übrigens: Als Gemüsehobelverkäufer muss man nicht Ve­getarier sein: «Wir sind keine ­Vegetarier und möchten auch niemanden vom Vegetarismus überzeugen», sagen Wettengls. Wichtig sei aber eine ausgewogene ­Ernährung. Und die gebe es dank des V-Hobels fast automatisch.

Berner Zeitung

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