Lehrerin entlassen – weil sie Hund mitnahm

Bern

Eine Lehrerin nimmt einen blinden, zugelaufenen Hund mit in den Unterricht. Dort döst dieser ruhig in einem Körbchen. Ein Jahr ging das gut. Nun hat die Schulleitung die Lehrerin entlassen.

Solidarität mit entlassener Lehrerin: Eltern und Kinder wehren sich gegen die Kündigung einer Lehrerin im Berner Mattequartier.

Solidarität mit entlassener Lehrerin: Eltern und Kinder wehren sich gegen die Kündigung einer Lehrerin im Berner Mattequartier.

(Bild: Beat Mathys)

Frau Weber* scheint eine äusserst beliebte Klassenlehrerin zu sein, wie Plakate rund um das Schulhaus Matte zeigen: «Frau Weber soll bleiben, mit Minya», steht farbig auf einem Transparent beim Schulhofzaun. An einer Tür zum Schulhaus die nächste Sym­pa­thie­be­kun­dung. «Eine gute, beliebte Lehrerin einfach so ent­lassen? Kreative Lösungen statt traurige Kinder».

Was ist passiert? Die Schulleitung Altstadt-Schosshalde hat eine Klassenlehrerin entlassen, weil sie ihren Hund Minya in den Unterricht mitnahm. Der Lehrerin sei es leider nicht gelungen, die Betreuung ihres Hundes nach Vorgabe der Schulleitung zu organisieren. Im letzten Sommer habe sie die Ausnahmebewilligung verlängert bekommen. Nun sei es aber nicht mehr möglich, dass der Hund weiter in der Schule betreut werden kann. Der Schulleiter hat der Lehrerin auf Ende Schuljahr gekündigt, wie in einem Schreiben steht, das dieser Zeitung vorliegt.

Der Brief ist für viele Eltern ein Schock. «Das ist nicht richtig», sagt ein empörter Philippe Cornu. Berns wohl bekanntester Konzertveranstalter ist Vater eines Schülers in dieser Klasse und sitzt im Elternrat. Die Lehrerin sei sehr beliebt, so Cornu. Auf Facebook lässt er Dampf ab: «Die Paragrafenreiterei der Schulleitung ist einfach nur erbärmlich und eine Machtdemonstration zulasten der Kinder.»

Blinder Hund als Beispiel

Seine Version des Falls: Vor rund einem Jahr hat die tierliebende Lehrerin den kleinen blinden Hund bei sich aufgenommen. Die Unterbringung gestaltete sich aber schwierig, weil das junge Tier auf sie fixiert war. Auch um den Erstklässlern Solidarität zu lehren, habe die Lehrerin Hund Minya in die Klasse mitgenommen. In einem Körbchen habe Minya jeweils geschlafen. Herumgerast sei der Hund nie, weil Minya eben blind sei. Weder Eltern noch Kinder hätten sich über das Tier beschwert.

Vor einem Jahr, eine Woche vor den Sommerferien, sei der Lehrerin zum ersten Mal gekündigt worden. Für die Eltern geschah dies ohne Vorwarnung. Die Schulleitung habe aber die Entlassung wegen des Widerstandes der Kinder und Eltern zurück­genommen. Minya wurde ab diesem Zeitpunkt befristet toleriert. Ein Jahr später gibts nun die zweite Kündigung. «Es wurde keine Diskussion gesucht. Weder mit den Eltern noch mit dem Elternrat», sagt Cornu.

Schulleiter Urs Schenk – er kündigte der Lehrerin – will sich auf Anfrage nicht zum Fall äussern, weil das ordentliche Verfahren noch laufe. «Die Rekursfrist ist hängig, inhaltlich kann ich nicht mehr dazu sagen», so Schenk.

Auch die Lehrerin war bislang nicht erreichbar. Via Elternrat Philippe Cornu lässt sie mitteilen, dass sie nicht als Opfer in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten wolle. Auf einen Rekurs gegen ihre Entlassung werde sie aber verzichten. Sie habe die Kündigung angenommen. Nach all den Vorkommnissen fühle sie sich von der Schulleitung nicht mehr willkommen. Eine gemeinsame Zukunft scheint darum nicht realistisch, so Cornu im Namen der Lehrerin. Die Eltern wiederum werden nicht klein beigeben. «Es wird noch eine So­li­da­ri­täts­be­kun­dung geben», kündigt Cornu an.

*Vorname der Redaktion bekannt

Berner Zeitung

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