Leere Läden im Talgut-Zentrum

Ittigen

Der Detailhandel erlebt schwierige Zeiten. Im Talgut-Zentrum leidet er besonders stark. Vier der zwei Dutzend Geschäfte stehen leer. Hier fehle das Einkaufserlebnis, kritisiert ein früherer Ladeninhaber.

Läden kommen und gehen. Das in den Achtzigerjahren entstandene Ittiger Talgut brauche dringend eine Auffrischung, fordern die Detaillisten.

Läden kommen und gehen. Das in den Achtzigerjahren entstandene Ittiger Talgut brauche dringend eine Auffrischung, fordern die Detaillisten.

(Bild: Andreas Blatter)

Peter Steiger

Lücken stören auch in anderen Einkaufszentren. Im Ittiger Talgut-Zentrum jedoch häufen sie sich auffällig. Verwaist ist seit diesem Frühling das Lokal, in dem die Modekette Blackout ihr Sortiment anbot. Mit der Modeva- Filia­le schloss diesen Winter ein weiteres Kleidergeschäft. Eine Textilreinigung machte dicht. Ein Bijoutier gab das Geschäft auf. Blank sind überdies zwei von acht Schaukästen.

Der wichtigste Detaillist ist Coop. Die Filiale sei nicht gefährdet, versichert die Medienstelle. Doch ist anzunehmen, dass die Filiale weniger umsetzt als früher. Coop beantwortet die Frage nach den Umsatztrends nicht direkt, sondern nur mit dem Hinweis, dass der Umsatz in der Region Bolligen, Ittigen, Wankdorf und Schönbühl gestiegen sei. Weil darin der Zukauf von Carrefour enthalten ist, täuscht die vermeintliche Frohbotschaft.

Angesichts von Internethandel, Überangebot und Einkaufstourismus wollen die Betreiber der verbliebenen Läden die Kunden nicht verunsichern und äussern sich vorsichtig: Dass der ­Geschäftsverlauf etwa gleich geblieben sei, melden die Dropa-Drogerie, die Bäckerei Sterchi und McOptik. Neu im Talgut ist Jacqueline Gerber, die ihr Spielwarengeschäft von Bern hierher gezügelt hat. Sie hofft, dass sie den früheren Umsatz erreicht.

«Das Quartier ist tot»

Happig kritisieren hingegen die früheren Ladenbetreiber. Daniel van Bürck, Chef der Modeva-Kleiderkette: «Das Einkaufszen­trum vermittelt kein Shopping-Erlebnis.» Überdies würden unkoordinierte Öffnungszeiten die Kundschaft verärgern. «Es lief kaum mehr was», sagt Beatrice Berger, die bis vor kurzem hier eine Filiale ihrer Kleiderreinigung Drynette führte. Das Quartier sei tot. «Im Einkaufszentrum öffnen und schliessen die Läden im schnellen Rhythmus.»

Das Talgut-Zentrum ist während des Baubooms der Acht­zigerjahre entstanden und war vorerst ein Publikumsmagnet. Seither sind rundherum grosse Shoppingareale entstanden.

Das Talgut leidet neben der neuen Konkurrenz unter weiteren Problemen: Das Einkaufszentrum ist Ittigens Mittelpunkt. Deshalb kämpft das Areal mit ähnlichen Schwierigkeiten wie andere Siedlungskerne: Die Dorfbewohner kaufen in der Stadt oder im Megastore ein und drehen damit an der Abwärtsspirale – das Zentrum verliert Läden, Kunden und damit weitere Geschäfte.

Das «Netzwerk Altstadt» will diese Entwicklung nicht nur in historisch gewachsenen Innenstädten, sondern auch in neueren Ortskernen bekämpfen. Netzwerker und Planer Paul Hasler empfiehlt, dass die Gemeinden verstärkt unternehmerisch aktiv werden: «Bis zur Jahrtausendwende mussten sie nichts unternehmen, die Läden kamen von selbst. Heute muss die Ortsentwicklung zusammen mit dem Handel angepackt werden.» Als erfolgreiches Beispiel nennt er Köniz, wo die Gemeinde Platz für die Detaillisten geschaffen hat.

Gemeinde will handeln

In Ittigen scheint man die Zeichen der Zeit zu erkennen. Angedacht sei, dass man den weit­gehend geschlossenen Gebäudekomplex gegen aussen öffne, ­indem man etwa den Zugang zur RBS-Station verbessere, erklärt Gemeindepräsident Marco Rupp. «Weil die Liegenschaft viele Besitzer hat, sind Veränderungen allerdings schwierig.» Das Zentrum sei neu zu positionieren und aufzuwerten. Dazu würden auch öffentliche Anlässe und Märkte gehören. «Das Talgut hat seine Berechtigung», betont Rupp.

Dass Veränderungen nötig sind, bestätigen auch die Detaillisten. Bei Spielwarenhändlerin Gerber wie bei McOptik tönt es gleich: Das Talgut brauche dringend eine Auffrischung. Bis Bauarbeiter aufkreuzen, dauert es Jahre. Kurzfristig würden laut Hasler wenigstens gemeinsame Werbung oder koordinierte Öffnungszeiten etwas bewirken.

Im Talgut fehlen auch diese kleinen Helfer. Rund ein halbes Dutzend Geschäfte schliesst über Mittag. Beinahe jeder Laden, aber auch die Poststelle pausiert zu anderen Zeiten.

Berner Zeitung

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