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Landesausstellung: Als ein Lift noch die Massen anlockte

Heute vor 100 Jahren eröffnete die Landesausstellung in Bern. Einer der Höhepunkte: Der erste öffentlich zugängliche Lift – gebaut von Emch Aufzüge Bern.

Die Kabine des ersten öffentlich zugänglichen Lifts an der Landesausstellung 1914 in Bern.
Die Kabine des ersten öffentlich zugänglichen Lifts an der Landesausstellung 1914 in Bern.
zvg
Die Aussichtstürme des Restaurants Studerstein auf dem Viererfeld im Bau. Das Besondere: Ein Lift von Emch Aufzüge Bern führte die Besucher auf den nordöstlichen Aussichtsturm.
Die Aussichtstürme des Restaurants Studerstein auf dem Viererfeld im Bau. Das Besondere: Ein Lift von Emch Aufzüge Bern führte die Besucher auf den nordöstlichen Aussichtsturm.
Staatsarchiv des Kantons Bern
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Ein veritables Stadtquartier entstand für die Landesausstellung von 1914 in der hinteren Länggasse und auf dem Viererfeld. Das Messegelände erstreckte sich auf einer Fläche von gegen 80 Fussballfeldern (siehe Kasten). Eines der zahlreichen nur für die «Leistungsschau» erbauten Gebäude war das Restaurant Studerstein mit seinen markanten Türmen. Das Besondere an diesem Restaurant: Ein Lift von Emch Aufzüge Bern führte die Besucher auf den nordöstlichen Aussichtsturm.

«Das war der erste öffentlich zugängliche Lift in der Schweiz von Emch», erzählt Jürg Emch (78), der heute Verwaltungsratspräsident der Emch-Holding ist. In den letzten Monaten hat er im firmeneigenen Archiv recherchiert und dabei festgestellt, dass ursprünglich ein Zürcher Unternehmen den Lift hätte bauen sollen.

25'000 Besucher an der Landi transportiert

Die für den Personenlift im Aussichtsturm beauftragte Firma Aufzüge- und Räderfabrik Seebach musste kurz vor der Landesausstellung 1914 ihre Geschäfte aufgeben. «Hans Emch junior bewarb sich danach für den Nachfolgeauftrag», sagt Jürg Emch. Die Berner erhielten den Zuschlag. «So konnte Hans Emch das Unternehmen erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentieren», sagt Jürg Emch. In der Rekordzeit von nur zwei Monaten wurde der Personenlift entwickelt und konstruiert. Für die Ausstellungsbesucher stellte der erste öffentlich zugängliche Lift einen Höhepunkt der Landesausstellung dar. Der Emch-Lift transportierte «ohne nennenswerte Störung» rund 25'000 Besucher auf den nordöstlichen Aussichtsturm des Restaurants.

Der Landi-Personenlift war der Konkurrenz voraus

Hans Emch senior gründete die mechanische Werkstätte für den Bau von Mühlen- und Sägereieinrichtungen bereits 1880 im Sulgenbachquartier. «Hier entstanden die ersten Sackaufzüge für den vertikalen Transport in den Mühlen», sagt Jürg Emch.

Diese Aufzüge konnten auch vom Müller selbst benutzt werden, da sie bereits mit einer den Absturz verhindernden Fangvorrichtung ausgerüstet waren. Das Berner Unternehmen entwickelte sich weiter und stellte vor allem Aufzüge für den innerbetrieblichen Transport von Material in Gewerbebetrieben her. 1908 trat Hans junior ins Unternehmen ein. «Er war offensichtlich aus gleichem Holz geschnitzt wie sein Vater», heisst es in der Jubiläumsschrift von 2005. Damals feierte das Unternehmen das 125-jährige Bestehen. «Mühlen brauchten Sackaufzüge mit einer Plattform zum Mitfahren. Schon die ersten Realisierungen waren so robust und qualitativ hochstehend, dass sie teilweise noch heute im Einsatz stehen», werden in der Chronik die Anfänge beschrieben.

Für den Personenlift der Landesausstellung wurde Emch ausgezeichnet. «Für die Anerkennung seiner Glanzleistung musste Hans Junior allerdings hart kämpfen», heisst es in der Jubiläumsbroschüre. Das Preisgericht der Landesausstellung verlieh ihm erst eine Bronzemedaille, nachdem ein neutrales Gutachten die technische Überlegenheit bewiesen hatte. Es erwähnte insbesondere folgende herausragende Eigenschaften: das günstige Verhältnis zwischen dem 5 PS starken Motor und der Nutzlast von 600 Kilogramm, den Einsatz moderner Kugellager zur Verbesserung des Wirkungsgrades und damit der Energieeffizienz und die Sicherheitsvorrichtungen für den Fall eines Seilbruchs. Das Fazit der Gutachter: «Der Personenlift von Emch für die Landesausstellung war der Konkurrenz voraus.»

Grossaufträge dank Landesausstellung

Der Auftritt an der Landesausstellung brachte dem Berner Liftunternehmen grosse Bekanntheit und bescherte ihm einen Wachstumsschub sowie volle Auftragsbücher. «Mit der ‹Landi› wurde der Grundstein gelegt für weitere Aufzüge in der Öffentlichkeit», sagt Jürg Emch. 18 Jahre nach der Ausstellung baute Emch in der Überbauung Bierhübeli 20 Lifte – der erste Grossauftrag wurde damit an Land gezogen. 1970 installierte Emch den 1000. Lift, «bis heute sinds fast 9000 Lifte geworden», sagt Jürg Emch. Heute heisst das Unternehmen Emch Aufzüge AG Bern und beschäftigt rund 200 Mitarbeiter.

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