Kuss der Geschichte

Bern/Ostermundigen

Ein Kommentar von Stadt-Redaktor Jürg Steiner zur eine Machbarkeitsstudie und Fusionsfahrplan von Bern und Ostermundigen.

Jürg Steiner@Guegi

Jahrzehntelang hatten nur die Bedenkenträger das Sagen. Wer in der Agglomeration Bern das Wort Fusion in den Mund nahm, argumentierte sich politisch ins Abseits – vor allem wenn er oder sie städtischer Herkunft war: Das rot-grüne Gespenst, das sich die Nachbarn einverleiben will – was für eine Anmassung.

Dann kam Alec. Der grüne Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried, als erklärter Fusionsturbo eigentlich ein Schreckgespenst par excellence, versachlichte die Debatte mit einem Schlag. Dass Ostermundigen, ächzend unter finanzieller und sozialer Last, sich genau jetzt der Fusions­frage stellt, ist für von Graffenried ein Kuss der Geschichte. Was er daraus macht, muss er noch zeigen.

Jedoch: Die Regierungen von Bern und Ostermundigen haben sich uner­wartet rasch auf eine Roadmap Richtung Heirat verständigt, und die unbernische Entschlossenheit zeigt, dass von Graffenried gewillt ist, sich dem in dieser Frage zweifellos aufkommenden Gegenwind – aus Ostermundigen und aus Bern – zu stellen.

Eher unrealistisch scheint hingegen die leise Hoffnung, dass jetzt noch andere Agglo­gemeinden auf den Fusions­express aufspringen. Ostermundigens Hauptmotivation ist die Problemlast, und in Aussicht steht wohl sogar eine Steuerentlastung. Dass weitere Fusionen im urbanen Raum vor allem eine langfristige Investition in die nationale Stärkung Berns sein könnten, diese Idee weckt immer noch vor allem Bedenkenträger.

Berner Zeitung

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