Kurzzeitige Rückkehr des «Mr. Schweizerhof»

Stadt Bern

Als «König Artus der internationalen Hotellerie» wurde Jean-Jacques Gauer bei seiner Ehrung in Muri empfangen und gefeiert. Noch immer ist sein Name unzertrennlich mit der Berner Spitzenhotelerie verbunden.

Für einen Abend zurück in seinem Revier: Hotelier Jean-Jacques Gauer im Chalet Muri.

Für einen Abend zurück in seinem Revier: Hotelier Jean-Jacques Gauer im Chalet Muri.

(Bild: Christian Pfander)

Jean-Jacques Gauer: ein Name, unzertrennlich verbunden mit den «goldenen Tagen» der Berner Hotellerie. Der 66-Jährige war von 1975 bis 1996 als Mit­inhaber Direktor des Berner 5-Stern-Hotels Schweizerhof. An legendären Partys sowie im Jazzclub Jailins verkehrten internationale Grössen. Und die Arcady-Bar war der quirlige Treffpunkt querbeet durch alle sozialen Schichten. Vergangene Woche lotste Claudio Righetti ihn für einen Cocktailempfang ihm zu Ehren zurück in die Bundesstadt – wenn auch nur für einen Abend. Er vermisse Bern schon manchmal, vor allem den Märit, sagte Ehrengast Gauer im Chalet Muri. Eine dauerhafte Rückkehr aber schliesse er aus.

Zu Hause am Genfersee

Ein paar Tage vor dem Event: Jean-Jaques Gauer sitzt in Cully entspannt auf der Gartenterrasse seines Hotel-Restaurants Major Davel. Er schwärmt von der Lage direkt am See. Dann zeigt er nach oben und ruft: «Hitchcock kommt!» Ein Vogelschwarm kreist lautlos über die uralten Bäume der Promenade. «Das ist Lebensqualität», sinniert er, «ein Privileg, hier will ich leben, und hier will ich sterben.»

Drei Häuser führt Gauer in Cully: nebst dem Major Davel (14 Zimmer) die Auberge du Raisin (10 Zimmer) sowie das Café de la Poste. «Wir haben 27 ‹Gault Millau›-Punkte», sagt er und lacht. «13 im Davel und 14 in der Auberge.» Diese, ein Haus, das Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut wurde, hatte Vater Jack Gauer bereits 1958 in Pacht genommen. Als Sohn Jean-Jacques 1953 geboren wurde (er hatte noch vier Geschwister), waren seine Eltern bereits im Besitz des Hotels Schweizerhof.

«Mein Vater kam 1937 als Direktor ins Haus, sieben Jahre später hat er es gekauft.» Zudem erwarben Gauers das Palace auf Korfu und pachteten zwei weitere Hotels, unter anderem das Miramare auf Rhodos. «Das Griechenland-Abenteuer war nie gut für uns, wir haben die Häuser mit der Zeit abgestossen», sagt Jean-Jacques Gauer. «Das Hauptproblem war die Korruption; das ist heute wahrscheinlich anders.»

Mit 22 im Schweizerhof

«Als mein Vater 1967 starb, war ich 14 Jahre alt. Meine Mutter musste einsteigen, das dauerte ein paar Jahre, bis ich meine Ausbildung abgeschlossen hatte,» erinnert sich Gauer. Er machte die Matura und absolvierte die Hotelfachschule in Lausanne. «1975 kam ich in den Schweizerhof, den ich bis 1996 geführt habe.» Unter seiner Ägide waren in der Stadt Bern zusätzlich gepachtete Betriebe im Portfolio: die Hotels Belle Epoque, City und Savoy sowie die Restaurants Zum Äusseren Stand und Le Mazot am Bärenplatz.

Ende der 1990er-Jahre habe es «Chritz in der Familie» gegeben. «Es hat sich ein Erbstreit angebahnt, und keiner wollte oder konnte den Schweizerhof weiterführen.» Gauer verabschiedete sich nach Lausanne, wo er das 5-Stern-Hotel Palace führte. 1999 wurde der Schweizerhof an die Genfer Richemond-Gruppe verkauft, vier Jahre später ging der Betrieb an die Katarer. Inhaber des Schweizerhofs ist die Bürgenstock Selection, die der Katara Hospitality gehört. In Lausanne blieb Gauer zwanzig Jahre lang, bis 2016, als das Hotel an die Fondation Sandoz verkauft wurde.

Preis fürs Lebenswerk

Damals erhielt er für sein Lebenswerk den Milestone, den wichtigsten Schweizer Tourismuspreis. Während all der Jahre pflegte er seine Berner Freundschaften. Immer wieder lud er Bekannte aus der Schweizerhof-Zeit ins Palace ein, inklusive Essen und Übernachten in einer Suite. Mehr Suiten gesehen als Gauer selbst haben indes nur wenige Sterbliche: Zwanzig Jahre lang war er Präsident der Leading Hotels of the World mit Sitz in New York. Er jettete in un­zählige Länder, allein bis zu zehnmal jährlich in die USA.«Irgendwann einmal wurde mir das zu viel», sagt der Hotellier.

Eine ruhige Kugel schiebt der Hotelier am Genfersee nicht. Er sei noch in diversen Hotelverwaltungsräten, unter anderem in Gstaad, Zermatt, Greyerz und Vevey, wo einer seiner beiden Söhne das Trois Couronnes führt. Mandate hat er auch für ein Hotel in Warschau und für eines in Jerusalem. Und seit ein paar Monaten ist er zu seinen Wurzeln zurückgekehrt: Er ist Verwaltungsrat des Schweizerhofs. Gauer: «Ich wurde angefragt, und wenn ich helfen kann, mache ich das gern. Ich war ja mit viel Herzblut in diesem Betrieb.»

Trotz aller Ehrungen ist Jean-Jacques Gauer bescheiden ge­blieben. Luxuskarrossen und Golfschläger findet man bei ihm nicht. Er fährt einen Fiat 500 und unternimmt lieber Wanderungen mit seiner Frau. Und wenn er auswärts übernachtet, zieht er auch mal ein 3-Stern-Hotel einem Luxuskasten vor. «Wichtig ist mir, dass ein Haus Sympathie ausstrahlt», sagt er.

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