Bern

Auto rast bei Demo in Menschenmenge

BernDie Stadt Bern hat am Samstag den Kurdenkonflikt zu spüren bekommen. Bei Auseinandersetzungen rund um eine Kundgebung von Anhängern der Regierung und einer Gegenkundgebung von Kurden ist am Samstagnachmittag ein Auto in die Menschenmenge gerast.

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Die Auseinandersetzungen entzündeten sich rund um eine Kundgebung, zu der die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) aufgerufen hatte. Das ist eine Bewegung, die der in der Türkei regierenden AK-Partei nahe steht.

Sie wollte gegen «jegliche Art von Terrorismus» demonstrieren und hatte dafür eine Bewilligung, wie die Kantonspolizei Bern am Sonntag auf Anfrage bekanntgab. Diese Kundgebung wollten Kurden und Sympathisanten von Anfang an verhindern. Deshalb versammelten sie sich schon vor Beginn der UETD-Kundgebung auf dem Helvetiaplatz.

Die Polizei schlug den Kurden eigenen Angaben zufolge vor, die Gegenkundgebung an einem anderen Ort durchzuführen. Doch gingen diese nach Polizeiangaben nicht auf das Angebot ein. Danach entschied die Polizei, den Helvetiaplatz zu räumen.

Dabei griffen Demonstranten die Polizisten an und verletzten mehrere von ihnen. Bei der Räumung des Helvetiaplatzes kam es aber auch zu gewalttätigen Übergriffen zwischen Kurden und Türken. Die Polizei setzte Tränengas und Gummischrot ein, um die beiden Gruppen zu trennen.

Während mehrerer Stunden waren der Helvetiaplatz und die Kirchenfeldbrücke hinüber zur Berner Altstadt abgesperrt. Immer wieder fuhren Ambulanzen vor. Die Polizei führte mehrere Personen für Abklärungen auf eine Wache.

Auto fährt in Menschengruppe

Im Zug der Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Türken kam es auf einer Strasse in der Nähe des Helvetiaplatzes auch zu zwei Vorfällen mit Fahrzeugen. In einem Fall fuhr ein Automobilist nach Angaben von Kurden und Sympathisanten bewusst in eine Gruppe von Menschen.

Polizei und Staatsanwaltschaft sagen dazu, wieso das Auto in die Menschen hineingefahren sei, müsse noch geklärt werden. Bei diesem Vorfall wurden drei Menschen verletzt: zwei Fussgänger und der Automobilist. Dieser wurde von der Polizei ermittelt.

Beim zweiten Vorfall zogen Leute einen Automobilisten aus dem Auto. Der Lenker wurde dabei verletzt. Auch dieser Vorfall ereignete sich auf der Schwellenmattstrasse, welche vom Helvetiaplatz hinunter zur Aare führt. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft sind auch in diesem Fall die Hintergründe noch unklar und werden untersucht.

Bei den beiden Vorfällen wurde auch eine fünfte Person verletzt, ein Insasse eines der beiden Autos. Die Polizei gibt aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt, um welches Auto es sich handelt.

Nach-Demo am Abend

Etliche Stunden nach den Auseinandersetzungen griffen schliesslich Demonstranten das Berner Amtshaus an und bewarfen es mit Farbbeuteln. Im Amtshaus ist unter anderem das Regionalgericht Bern-Mittelland tätig. Als die Polizei einschritt, griffen die Demonstranten die Ordnungskräfte mit Steinen und Flaschen an und zündeten Feuerwerkskörper.

Später zogen sie sich ins alternative Kulturzentrum Reitschule zurück, das sich in der Nähe des Amtshauses befindet. Sie begründeten den Angriff mit der Aussage, die Polizei habe am Nachmittag türkische «Faschisten» unterstützt und die Solidaritätskundgebung für die Bevölkerung von Cizre behindert.

Cizre ist eine Stadt in Südostanatolien, welche von der türkischen Armee abgeriegelt wurde und als Hochburg der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gilt.

Die Polizei weist die Vorwürfe der Demonstranten zurück. Sie habe die Teilnehmer der unbewilligten Kundgebung vom Nachmittag angesprochen und ihnen einen alternativen Versammlungsplatz angeboten. Die Kundgebungsteilnehmer seien aber an Ort und Stelle geblieben und hätten sich den Anweisungen der Polizei widersetzt. Danach habe die Polizei entschieden, den Helvetiaplatz zu räumen. (cla, sih/sda)

Erstellt: 12.09.2015, 21:36 Uhr

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