Zum Hauptinhalt springen

Kunstmuseum zeigt verborgene Facetten

Das Kunstmuseum Bern präsentiert in einer neuen Ausstellung weniger bekannte, aber dennoch bedeutsame Werke von Kurt Schwitters (1887-1948).

Das Aquarell «Anna Blume und ich».
Das Aquarell «Anna Blume und ich».
zvg

Zu sehen sind 100 Zeichnungen des deutschen Künstlers, der vor allem für seine Collagen und Installationen bekannt ist.

Diese Zeichnungen wurden lange Zeit nur wenig beachtet, wie das Kunstmuseum Bern in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt. Vordergründig haben diese Werke nämlich nichts mit der sogenannten Merz-Kunst tun, die Schwitters bekannt gemacht hat.

Der Künstler selbst zeigte seine Zeichnungen nur sehr selten. «In seinen eigenen Ausstellungen spielten die Collagen eine viel grössere Rolle», sagte Matthias Frehner, Direktor des Kunstmuseums Bern, vor den Medien.

Einige Collagen sind denn auch in der Ausstellung zu sehen. Diese und weitere abstrakte Kompositionen kontrastieren etwa mit Pflanzenstudien oder realistisch und impressionistisch geprägten Landschaftszeichnungen.

Porträts von Mitgefangenen

Unter anderem mit dem Verkauf von Landschaftsbildern an Touristen verdiente sich Schwitters seinen Lebensunterhalt in Norwegen. Dort war der Deutsche ab 1937 im Exil, weil ihn die Nazis für einen entarteten Künstler hielten.

Als 1940 deutsche Truppen in Norwegen einmarschierten, flüchtete Schwitters nach Schottland. Dort wurde er als Ausländer in verschiedenen Lagern interniert. Zuletzt zeichnete er in einem Camp auf der Isle of Man Porträts seiner Mitgefangenen.

Die Zeichnungen Schwitters' machen knapp ein Fünftel seines überlieferten Werks aus, wie Isabel Schulz, Kuratorin im Sprengel Museum Hannover, sagte. Dort war die Ausstellung zu Schwitters' Zeichnungen bereits zu sehen. Schulz bezeichnete die Werke aus dem Nachlass Schwitters' als einen «kaum beachteten Schatz».

Der Ausstellungstitel «Anna Blume und ich» nimmt Bezug auf Schwitters' dadaistisches Liebesgedicht an seine Phantasiefreundin. Zu sehen gibt es selbstverständlich auch das Aquarell mit dem gleichen Titel. Die Ausstellung, die einen Querschnitt über vier Jahrzehnte des künstlerischen Schaffens zeigt, dauert bis zum 8. Januar 2012.

Revolutionäre Merzbilder

Schwitters gilt als einer der wichtigsten Protagonisten der Kunst des 20. Jahrhunderts. Er prägte für seine Kunst aus der zufälligen Fragmentierung des Wortes «Commerz» den Begriff «Merz».

Schwitters' Merzbau gilt als Vorläufer der zeitgenössischen Installationskunst. Dieses architektonisch-skulpturale Gebilde baute der Künstler seit 1923 in sein Atelier in Hannover ein. Im Oktober 1943 schlug eine Bombe ins Gebäude ein und zerstörte den Merzbau.

Mit seinen Merzbildern, die er aus allen möglichen gefundenen Materialien anfertigte, revolutionierte er die Collage. Ein solches Merzbild gehört dem Kunstmuseum Bern. Im Jahr 1961 schlug der damalige Direktor des Kunstmuseums, Max Huggler, das Merzbild «Ausgerenkte Kräfte» für 124'000 Franken zum Ankauf vor. Wegen der Gegenstimme des Kassiers scheiterte dieser Kauf.

Huggler erwarb das Merzbild dann «unter grossen Entbehrungen und aus privaten Mitteln», wie das Kunstmuseum heute festhält. 1966 schenkte er das Bild in Form einer Stiftung dem Museum. Es bildet nun den Auftakt zur Ausstellung «Anna Blume und ich».

SDA/cls

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch