Bern

So will das Kunstmuseum die Wyss-Millionen einsetzen

BernDas Museum plant eine Erweiterung. Dafür muss der bestehende Atelier-5-Bau weichen. Das ambitionierte Projekt finanziert zu Teilen Mäzen Hansjörg Wyss.

Soll einem Neubau weichen: Der Atelier-5-Anbau (links).

Soll einem Neubau weichen: Der Atelier-5-Anbau (links). Bild: Stefan Anderegg

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1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche will die Institution an der Hodlerstrasse dazugewinnen. Dafür soll der Atelier-5-Bau des Kunstmuseums Bern abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Realisiert werden sollen zeitgemässe, hohe ­Säle, die sich insbesondere für Gegenwartskunst eignen. Für ­Büros, Ateliers und Werkstätten sollen zudem Räume der angrenzenden Polizeikaserne zugemietet werden.

Am Anfang dieses am Donnerstag kommunizierten Vorhabens steht ein grosszügiges Angebot: Der Berner Unternehmer Hansjörg Wyss stellte dem Museum im Herbst über diese Zeitung eine Spende in Höhe von 20 Millionen Franken für einen Anbau in Aussicht.

Zunächst knüpfte Wyss sein Angebot an die Bedingung, dass das Erweiterungsprojekt «an_gebaut» realisiert werden müsse – nun ist er davon abgekommen.

1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche will die  Institution an der ­Hodlerstrasse mit einem Neubau ­dazugewinnen.

«an_gebaut» war 2006 als Sieger aus einem Architekturwettbewerb des Kunstmuseums ­hervorgegangen. Aus denkmalpflegerischen Gründen konnte damals der Anbau nicht realisiert werden. Ein weiteres Projekt scheiterte – zum einen aus Kostengründen, zum anderen, weil das Museum den Mäzen vergrault hatte.

Daraufhin zog Wyss seine Millionenspende zurück. Es folgten mehrere interne Erweiterungspläne des Museums, wovon keiner umgesetzt werden konnte. Das letzte Vorhaben scheiterte 2017, da das Kunst­museum den Umbauauftrag direkt an ein Architekturbüro vergeben hatte, statt ihn öffentlich auszuschreiben.

Alle Parteien involviert

Lange Jahre wurde punkto Anbau im internen Gremium gewurstelt. Nun will das Museum alles richtig machen. Für das jüngste Vorhaben hat es zusammen mit der Denkmalpflege die Vorgaben genau geprüft.

Dabei hat es festgestellt, dass zwar der Stettlerbau, also das sandsteinerne Hauptgebäude, als schützenswert gilt, der Atelier-5-Anbau hingegen «nur» als erhaltenswert – was bedeutet, dass er abgerissen und durch einen adäquaten, zeitgemässen Bau ersetzt werden kann.

Ein nicht unwesentliches Detail, scheiterten vergangene Anbauprojekte doch unter anderem am begrenzten Platz am ­Aarehang. Zudem ist bekannt, dass der Bau des Berner Architekturbüros Atelier 5 dem Museum mehr Sorgen als Freude bereitet. Die Räume eignen sich wenig zum Ausstellen, die klimatischen Verhältnisse sind prekär.

Auch der Mäzen ist dieses Mal stark eingebunden. Nach Bekanntwerden der Millionen­spende hat das Museum Wyss und alle Interessenvertreter an einem Tisch versammelt.

Der nun gefällte Entschluss, einen Neubau anstelle des Atelier-5-Baus zu verfolgen und Teile der angrenzenden Polizeikaserne hinzuzumieten, wurde im Dialog mit Wyss, Vertretern des Kantons Bern, der Stadt, der Denkmalpflege und verschiedenen Architektenverbänden gefällt.

Zudem wurde mit Experten eine Machbarkeitsstudie durchgeführt – ein Schritt, den auch der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) und der Bund Schweizer Architekten (BSA) in einer Mitteilung begrüssen.

Wichtig ist allen Beteiligten, dass nicht nur die Anliegen des Museums berücksichtigt werden, sondern des ganzen Areals. Schon lange ist davon die Rede, die Hodlerstrasse zu beleben – also die sogenannte «Kunstachse» zwischen Kunstmuseum und dem Atelierhaus Progr. Für die «attraktive Aufwertung dieses Altstadtabschnitts» weibelt auch der Stadtpräsident Alec von Graffenried in der Mitteilung.

Wer muss zahlen?

Ein zeitgemässer Museumsbau und ein «Kunstboulevard»: Reicht das von Wyss zugesicherte Geld für diese Visionen? Noch letzten Sommer budgetierte das Museum ein Sanierungsprojekt mit 40 Millionen Franken. «Wir machen uns keine Illusionen: 40 Millionen waren das absolute Minimum, ein Neubau wird mehr kosten», so Museumspräsident Jürg Bucher.

In der Verantwortung steht, neben Mäzen Wyss, der Kanton als Hauptsubventionsgeber. «Der Kanton war bereit, 35 bis 45 Millionen Franken in die nötige Sanierung zu investieren, wir können das Museum ja nicht einfach schliessen.

An diesem Betrag hält der Kanton fest», so der zuständige Regierungsrat Bernhard Pulver. Der Unterschied sei, dass dank Hansjörg Wyss’ Spende nicht nur eine Kompromiss­sanierung, sondern ein zeitgemässer Neubau realisiert werden könne.

Laut Jürg Bucher will das Museum den öffentlichen Architekturwettbewerb zwar noch dieses Jahr ausschreiben, doch ein ­Entscheid, geschweige denn ein Spatenstich liegt noch in weiter Ferne. So viel Zeit hat das veral­tete Klimasystem nicht. Will das Museum den Betrieb aufrechterhalten, sind Notsanierungen nötig.

Eigentlich hätten diese während der anstehenden Sommermonate realisiert werden sollen. Ob das Kunstmuseum Bern daran festhält, wird der Stiftungsrat in den kommenden Wochen entscheiden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.05.2018, 16:09 Uhr

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