Kunst unter dem Guggershörnli

Guggisberg

Schon beim Start vor elf Jahren glaubte Ursula Müri an den Erfolg von Kunst in Guggisberg. Sie bekam recht: Jede der fünf jährlichen Ausstellungen wird von über 200 Personen besucht.

Das Trio von Kunst in Guggisberg mit Ursula Müri (Mitte), Thomas und Ursula Liechti auf dem Balkon des Gemeinde­hauses.

Das Trio von Kunst in Guggisberg mit Ursula Müri (Mitte), Thomas und Ursula Liechti auf dem Balkon des Gemeinde­hauses.

(Bild: Enrique Muñoz García)

«Das Kunstinteresse in Guggisberg ist gross», sagt Ursula Müri. Davon war die Grafikerin schon vor elf Jahren überzeugt, als sie damals die erste Ausstellung von Kunst in Guggisberg in die Wege leitete und ihre eigenen Bilder ausstellte. Die Bevölkerung strömte ins Gemeindehaus. Kunstinteressierte Menschen aus dem Dorf, der Region und von weit her wollten die Bilder sehen. «Die Konzerte in der Kirche gab es damals schon, aber Bilder fehlten. Das wollte ich ändern», sagt Ursula Müri, die die Zusammenarbeit mit den Konzertorganisatoren und den Marktfrauen suchte und fand.

Unterstützung gibts auch vom Tourismusverein und von einheimischen Geschäftsleuten. So entstand die Reihe mit fünf jährlichen Kunstausstellungen, die jeweils nur ein Wochenende lang stattfinden. Besucht wird jede Ausstellungen von bis zu 250 Personen, auch von solchen, wie Mitorganisatorin Ursula Liechti sagt, «die sonst nie in eine Galerie gehen würden».

Gut vernetzt

Nicht nur Einheimische, sondern auch Ausflügler, Wanderer, Velo- und Töfffahrer wagen an den ­Ausstellungswochenenden einen Blick ins Gemeindehaus, nachdem sie von den Marktfrauen, die mitten im Dorf regionale Köstlichkeiten verkaufen, eingeladen worden sind. «Es ist ein Zusammenspiel bei uns, wir sind alle vernetzt; deshalb funktioniert es auch», freut sich Ursula Müri.

Bei allem Idealismus will Kunst in Guggisberg aber nicht in die roten Zahlen rutschen. Gemäss Konzept gehen 15 Prozent des Erlöses an die Organisatoren, dazu ein Unkostenbeitrag von 350 Franken. Damit werden die Kosten für Werbung und zwei Apéros gedeckt. Die Organisatoren arbeiten ehrenamtlich.

Guggisberg als Sprungbrett

Kunst anschauen ist das eine, ein Bild oder eine Skulptur kaufen das andere. «Die Künstler verkaufen meistens recht gut», sagt Ursula Müri. Selber Künstlerin denkt sie über das Portemonnaie hinaus, freut sich, dass die Ausstellung in Guggisberg für etliche Kunstschaffende auch zum Sprungbrett in die grosse, weite Welt der Kunst wurde. Beispielsweise für die Plaffeierin Kathrin Brügger, die vom Gemeindehaus Guggisberg den Sprung in Galerien von Zürich und Basel schaffte.

Solche Erfolge machen Ursula Müri stolz. Selber ging sie mit ihren Bildern und Grafiken den umgekehrten Weg, zog Anfang der Neunzigerjahre von der Stadt aufs Land, ist geblieben und ist glücklich, dass sie Kunst aus der ganzen Schweiz nach Guggisberg holen kann. Viele Kunstschaffende kennen das Dorf wegen des Vreneliliedes; wo es liegt, wissen nur wenige. «Aber sie sagen zu, kommen her und sind begeistert von dem wunderschönen Ort.»

Strenge Auswahl

Seit ein paar Jahren kann Ursula Müri auf die Unterstützung des Ehepaars Ursula und Thomas Liechti zählen. Die beiden kümmern sich um die Administration, den Flyerversand, die Adresskartei, um Werbung und 1000 Dinge, an die es zu denken gilt. Ursula Müri pflegt den Kontakt zur Welt der Künste, sucht und wählt Ausstellungswillige. Das ist nicht leicht, denn Anmeldungen gibt es viele.

«Ich treffe eine strenge Auswahl und achte auf saubere, gute, fachgerecht ausgeführte Arbeit», sagt sie. Sie will, dass möglichst unterschiedliche Objekte gezeigt werden, darunter solche von alten Hasen und Neulingen, die ihre Bilder zum ersten Mal aus­stellen.

Strenge Auswahl

Mit der Frage, was Kunst ist und was nicht, wird Ursula Müri immer wieder konfrontiert. Vor jeder Ausstellung muss sie, oft schweren Herzens, die Auswahl treffen. Die Kunst, Unbrauchbares möglichst elegant zu umschiffen, so, dass sie eine Person nicht allzu sehr enttäuscht, beherrscht sie. Und sonst? «Wem es an Talent und Können fehlt, hört bald einmal wieder auf mit dem Malen», habe ihr die Erfahrung gezeigt.

Am nächsten Wochenende ist es wieder so weit: Die erste Ausstellung 2017 startet. Der Bündner Maler Samuel Singer zeigt seine Tierbilder, passend zum Naturpark Gantrisch: Fuchs, Hase, Berner Sennenhund und Jagdszenen.

Ausstellung, Gemeindehaus ­Guggisberg: Samstag/Sonntag, 10./11. Juni, 11 bis 17 Uhr.www.kunst-in-guggisberg.ch.

Berner Zeitung

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