Kunst statt Schläuche

Morgen eröffnet das Zwischennutzungsprojekt «Atelierturm». Vier Kunstschaffende bespielen seit kurzem den einstigen Schlauchturm der Alten Feuerwehr Viktoria mit Kunst.

Aus dem Schlauchturm machen Sergio Stupan, Zeinab Serage, Nicoletta Buri und Simone Näf einen Kunstort.

Aus dem Schlauchturm machen Sergio Stupan, Zeinab Serage, Nicoletta Buri und Simone Näf einen Kunstort.

(Bild: Beat Mathys)

Sie brennen für die Kunst: Zeinab Serage (30), Sergio Stupan (38), Nicoletta Buri (29) und Simone Näf (30). Die vier Kunstschaffenden haben ihre Ateliers an einem besonderen Ort eingerichtet. Gemeinsam beleben sie den eins­tigen Schlauchturm der Alten Feuerwehr Viktoria. Längst wird der schmale, vertikale Bau aus den Dreissigerjahren nicht mehr zum Aufhängen von Schläuchen genutzt.

Zum Kunstmachen eignet er sich indes hervorragend. «Atelierturm» nennt die Truppe ihr Zwischennutzungsprojekt, das am Samstag mit Kunst, Musik, Bar und heissen Marroni eröffnet wird. Der Eintritt wird gestaffelt erfolgen, denn zu viele Leute könnten bei den steilen, schmalen Treppen zum Sicherheitsrisiko werden. Auf dem ganzen Areal der alten Feuerwehr­kaserne gibt es rund zwanzig ­Zwischennutzungsprojekte. Eine Kollektivunterkunft für Flüchtlinge, eine Boxschule oder eine Kaffeebrennerei gehören unter anderem zur Nachbarschaft.

Die böse Schneekönigin

Zeinab Serage ist Mitglied des Vereins Alte Feuerwehr Viktoria (AFV) und hat die anderen Kunstschaffenden laufend für ihr Projekt an Bord geholt. Die Bernerin mit ägyptischen Wurzeln hat nach einem Studium der Psychologie eine Kunstschule in New York besucht. «Dort hat es mir endgültig den Ärmel reingezogen.» Ihr Reich liegt im unteren Stockwerk des Turms. Sie malt psychedelische Bilder, die von Wasseroberflächen inspiriert sind, oder fertigt aus Abfällen Neues. So hat sie etwa auf gebrauchte Kaffeepads die mal traurigen, mal fröhlichen Gesichter der Emoticons gemalt.

Künstlerkollegin Simone Näf, die als Lehrerin arbeitet, ist eine virtuose Zeichnerin. Nächtliche Landschaften oder abgründige Figuren gehören zu ihrem Repertoire. Ein wüster Kerl fesselt mit seinem Bart Gestalten an sich. «Es sind vor allem gute Geschichten, die mich interessieren.» In einem Gemeinschaftsraum des Turms steht die von ihr gefertigte «Schneekönigin». Die Künstlerin hat sich von der kaltherzigen Figur in Hans Christian Andersens Märchen inspirieren lassen. Eine Büste und ein Kleid aus lauter Kabelbindern ergeben eine ebenso schöne wie abstossende Gestalt.

Nachmittage für Kinder

Experimentell geht es im Atelier von Nicoletta Buri zu und her. Die gelernte Autolackiererin, die sich zur Farbgestalterin weiterbilden liess, stellt mit Bindemitteln ihre eigenen Farben her. Es entstehen sehr freie Werke, unter anderem eine Serie abstrakter Gemälde in subtilen Farbnuancen.

Buri will im «Atelierturm» auch Kurse für freies Gestalten anbieten und Nachmittage mit Kindern organisieren. «Uns gegenseitig inspirieren, aber auch Auswärtige mit reinholen», sei das Ziel. Der ge­lernte Hochbauzeichner Sergio Stupan spricht von einem Privileg, sich gleich mit «drei so guten Künstlerinnen» austauschen zu können. Er selbst arbeitet gerade an einem Comic über eine wahre Lebensgeschichte. «Es ist eine tragische Story mit einer Art Happy End», verrät er.

Eröffnung: Samstag, 29. 10., 17–22 Uhr, Alte Feuerwehr Viktoria. www.atelierturm.ch

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