Kündigungen wegen Pensionskassen-Debakel

Ostermundigen

Nach den Turbulenzen um die Pensions­kasse BIO haben mehrere Gemeindeangestellte gekündigt. Nachfolger sind keine in Sicht. Die Folgen: externe Übergangs­lösungen und reduzierte Schalteröffnungszeiten.

Gemeindepräsident Thomas Iten muss zwei Kündigungen in der Bauverwaltung zur Kenntnis nehmen. (Archivbild)

Gemeindepräsident Thomas Iten muss zwei Kündigungen in der Bauverwaltung zur Kenntnis nehmen. (Archivbild)

(Bild: Beat Mathys)

Markus Zahno

Die Personalvorsorgestiftung Bolligen-Ittigen-Ostermundigen (PVS BIO) wird ihren Ruf als «Krisenkasse» wohl nicht so schnell los. Zu gross ist der finanzielle Schaden: Mindestens 55 Millionen Franken müssen die Steuerzahler der drei Gemeinden an die Sanierung beitragen. Auch die Mitarbeitenden müssen ihren Teil leisten: Für langjährige Ostermundiger Gemeindeangestellte betragen die Lohneinbussen laut den Behörden bis zu 600 Franken. Pro Monat.

Dafür erhält die Gemeinde Ostermundigen als Arbeitgeberin nun die Quittung. Zum Beispiel bei der Bauverwaltung. Diese Dienststelle bearbeitet die Baugesuche und überwacht, ob Bauprojekte wie bewilligt ausgeführt werden. Sie zählt zwei Angestellte, die sich 140 Stellenprozente teilen. Beide haben auf Ende August gekündigt – nicht zuletzt wegen der Turbulenzen um die PVS BIO, wie Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos) auf Anfrage bestätigt.

«Sie wechseln zu einer anderen Gemeinde, die ihnen bessere Konditionen bieten kann als wir.» Vorwürfe macht ihnen Iten deswegen nicht. «Ihr Entscheid ist legitim, wir müssen damit leben», sagt er.

Extern statt intern

Die beiden Stellen sind zwar ausgeschrieben. Der Gemeinderat hat die Hoffnung aber aufgegeben, nahtlos Nachfolger zu finden. Denn: Die Probleme der PVS BIO und die damit verbundenen Einbussen für die Angestellten hätten sich herumgesprochen, sagt Iten.

Deshalb soll ab Mitte August vorübergehend ein externes Büro die Aufgaben der Bauverwaltung übernehmen. Das koste pro Monat je nach Arbeitsaufwand 24'000 bis 28'000 Franken, rechnet der Gemeinderat vor. Würde die Übergangslösung bis Ende Jahr dauern, wären das zusätzliche 120'000 Franken.

Zieht man die Löhne und Sozialabgaben der beiden gekündigten Stellen ab, beträgt der effektive Mehraufwand bis Ende Jahr etwa 35'000 Franken.

Diese Übergangslösung tritt in Kraft, sofern das Ostermundiger Parlament nächste Woche zustimmt. Im Falle einer Ablehnung hätte man definitiv ein Problem, warnt der Gemeinderat: Dann würde der Regierungsstatthalter der Gemeinde wohl die Kompetenz entziehen, Baubewilligungen zu erteilen.

Schalter bleibt zu

Doch das ist nicht alles. Auch bei den Ostermundiger Einwohnerdiensten ist es zu zwei Kündigungen gekommen. Die eine Mitarbeiterin ging, weil sie eine Weiterbildung absolviert. Bei der ­anderen Kündigung hätten die Probleme der PVS BIO ebenfalls eine Rolle gespielt, sagt Thomas Iten. Dieser Personalengpass hat nun Folgen: Der Schalter sowie die Telefonleitungen der Ostermundiger Einwohnerdienste bleiben voraussichtlich bis Ende September jeweils am Dienstag geschlossen.

Es ist nicht so, dass die Ostermundiger in letzter Zeit gar keine Stellen mehr besetzen konnten. Auf den 1. August zum Beispiel haben der neue Abteilungsleiter Tiefbau und Betriebe sowie der neue Dienststellenleiter Infrastrukturen angefangen. Bei anderen ausgeschriebenen Stellen harze es aber gewaltig, sagt Iten.

Den Hauswartjob für das Schulhaus Rothus etwa habe man soeben nochmals ausschreiben müssen. Im ersten Anlauf meldeten sich zwar mehrere geeignete Kandidaten – sie zogen sich aber zurück, weil die Entlöhnung mit den Abzügen für die Pensionskasse nicht ihren Erwartungen entsprach.

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