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Kritik an Ankettung im Thorberg

Zur Ruhigstellung werden Gefangene in der Strafanstalt Thorberg für mehrere Stunden angekettet. Dies sei nicht zeitgemäss, sagen Kritiker.

Die Sicherheitszelle in der Strafanstalt Thorberg, wo Gefangene angekettet werden, steht in der Kritik
Die Sicherheitszelle in der Strafanstalt Thorberg, wo Gefangene angekettet werden, steht in der Kritik
Stefan Anderegg

Gefangene in der Berner Strafanstalt Thorberg werden stundenlang an die Wand einer Sicherungszelle gekettet. Dies wenn sie die Selbstkontrolle verlieren oder andere gefährden. Das letzte Mal wurde diese Ruhigstellung im Januar verordnet. Die Praxis ist aber höchst umstritten, wie der «Bund» berichtet. «Diese Sicherheitszelle im Thorberg ist als nicht zeitgemäss einzustufen», wird Sandra Imhof, Geschäftsführerin des Sekretariats der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter, im Bericht zitiert.

Eine solche Zelle habe sie bisher in keinem anderen Schweizer Gefängnis gesehen. Weil darin die Gefahr einer Selbstverletzung bestehe – etwa wenn der Gefangene den Kopf an die Wand schlägt –, sei eine Gummizelle humaner.

Bereits 2012 hat die Kommission den Thorberg besucht und die spezielle Zelle in einem Bericht erwähnt. Gemäss der damaligen Direktion muss eine solche Fixierung zwingend durch die Direktion und einen Mitarbeiter des Forensisch-Psychiatrischen Dienstes der Universität autorisiert werden. Im vorliegenden Fall wurde dies aber nicht gemacht. Thorberg-Direktor Thomas Egger ordnete die Fesselung selber an.

Gummizelle einrichten?

Sowohl Egger als auch das kantonale Amt für Freiheitsentzug und Betreuung rechtfertigen im «Bund» das Vorgehen und die Massnahme. Er stütze sich dabei auf das Gesetz über den Straf- und Massnahmenvollzug, sagt Egger. Und Laszlo Polgar, der stellvertretende Amtsdirektor, meint: «Entscheidend ist, dass es sich um eine Schutzmassnahme und nicht um eine Disziplinierungsmassnahme handelte.»

Zudem habe Egger die Entscheidungsträger des psychiatrischen Dienstes unmittelbar informieren wollen. Das habe aber gedauert, weil sie nicht oder nur schlecht erreichbar gewesen seien. Dieser Darstellung widerspricht aber Dorothee Klecha, die Leiterin des psychiatrischen Dienstes. Sie wollte sich zur Ankettung nicht äussern. Eine fürhere Leiterin jedoch kritisiert die Methode scharf.

Weil der aktuelle Fall als «bedenklich» einzustufen sei, werde die nationale Kommission zur Verhütung von Folter die Vorwürfe jetzt im Rahmen eines Nachfolgebesuchs überprüfen. Einer Änderung nicht abgeneigt ist aber auch der Thorberg-Direktor selber: Gemäss Thomas Egger sei die Einrichtung einer Gummizelle nicht ausgeschlossen.

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