Kreuzen auf drei Ebenen

Bern

Ein Grossprojekt nimmt Form an: Im September beginnt die Planung für den neuen Knoten Wankdorf. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich von 2021 bis 2024.

Der Knoten Wankdorf heute. Neu entsteht hier eine dreistöckige Kreuzung, wie es sie in der Region Bern noch nirgends gibt.<p class='credit'>(Bild: zvg/Astra)</p>

Der Knoten Wankdorf heute. Neu entsteht hier eine dreistöckige Kreuzung, wie es sie in der Region Bern noch nirgends gibt.

(Bild: zvg/Astra)

Laut einer Verkehrsstudie wird der Autobahnanschluss Wankdorf in sieben Jahren «vollständig überlastet» sein. Deshalb will das Bundesamt für Strassen (Astra) den Knoten umgestalten: Bei der Kreuzung Bolligenstrasse/ Schermenweg ist unter der Autobahn eine Art mehrspuriger Kreisel geplant. Über der Autobahn sind Überführungen für den Langsamverkehr vorgesehen. So entsteht eine dreistöckige Kreuzung, die in der Region ihresgleichen sucht.

Das Vorhaben lagert seit nunmehr fünfzehn Jahren in den Schubladen der Behörden. Jetzt wird es definitiv hervorgenommen. Das Astra hat soeben fünf wichtige Aufträge vergeben – für Bau-, Betriebs-, Umwelt- und Verkehrsplanung sowie die Vermessung. Die Planungsteams werden ihre Arbeit im September aufnehmen, wie Astra-Sprecher Mark Siegenthaler erklärt. Ebenfalls in der Schlussphase befindet sich der Architekturwettbewerb für die Brücke des Langsamverkehrs. Die Jury bestimmt voraussichtlich im September jenes Team, das die Velo- und Fussgängerüberführungen weiterplanen wird.

Widerstand zeichnet sich ab

Das Projekt kostet gemäss ersten Schätzungen 250 Millionen Franken. Finanziert wird es aus dem Globalbudget für das gut 1800 Kilometer lange Nationalstrassennetz. Letztes Jahr standen dem Bund 1,65 Milliarden Franken für Betrieb, Unterhalt und Ausbau der Autobahnen zur Verfügung. Die Mittel würden aber knapper, sagt Mark Siegenthaler. Deshalb müssten die einzelnen Projekte priorisiert werden.

Der Knoten Wankdorf hat nicht nur wegen der Überlastung Priorität, sondern auch, weil er als Unfallschwerpunkt gilt. Für den Langsamverkehr seien die heutigen Verhältnisse ungünstig, schreibt das Astra in einer Projektpräsentation. Dank der Neugestaltung würden Velofahrer und Fussgänger künftig «sicher über den Anschluss geführt».

Zudem werde die Zufahrt zum Bernexpo-Gelände neu gestaltet, was den Durchgangsverkehr in den umliegenden Quartieren reduziere. Zu guter Letzt lasse sich der Verkehr nach der Umgestaltung in alle Richtungen besser dosieren.

Weniger positiv tönt es im links-grünen Lager. Von einem «gigantischen dreistöckigen Verkehrszirkus» ist hier die Rede. Das heutige Verkehrsnetz sei genügend leistungsfähig, monieren zum Beispiel SP und VCS. Die Grüne Partei argumentiert: Wenn der Engpass im Wankdorf beseitigt werde, verschiebe sich das Problem an andere Orte – in Richtung Schönbühl und zum Autobahnviadukt im Westen. Die Velolobby fürchtet derweil zusätzliche Steigungen und Umwege für den Langsamverkehr.

In neun Jahren fertig?

Der Bund hat das Ziel, das Baugesuch für das Wankdorfprojekt im Jahr 2017 öffentlich aufzulegen. Einsprachen sind angesichts der bisherigen Reaktionen vorprogrammiert. Weniger Probleme erwartet Astra-Sprecher Siegenthaler dagegen seitens von Stadt und Kanton Bern. «Das Projekt wird mit ihnen koordiniert.»

Die Bauphase dauert voraussichtlich gut drei Jahre. Bei einem Start im Jahr 2021 wäre der neue Knoten Wankdorf also 2024 bezugsbereit. «Das wäre der bestmögliche Fall», gibt Mark Siegenthaler zu bedenken. Verzögerungen seien durchaus möglich.

Berner Zeitung

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