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Kreative Köpfe im Calvinhaus

Rapper, Velomechaniker, Fotografinnen und Nachwuchspolitiker – seit Anfang Jahr beleben Jugendliche und junge Erwachsene die Zwischennutzung Calvinhaus.

Leiten das Calvinhaus seit Anfang Jahr: Deborah Taylor und Danilo Oesch.
Leiten das Calvinhaus seit Anfang Jahr: Deborah Taylor und Danilo Oesch.
Nicole Philipp

Abstrakte Blumen und Pflanzen zieren die Wand. Auf den bunten Matratzen und in der Hängematte lässt es sich entspannen. Noch fehlen ein zweiter Tisch und ein Sitzsack, wie man auf der Pendenzenliste lesen kann. Auf einer Zeichnung steht «Calvyn Stube» und darunter fünf Mädchennamen, die als Zwischennutzerinnen den Raum im Calvinhaus als Stube eingerichtet haben. «Das ist mein Lieblingsraum. Hier ist es so schön eingerichtet», sagt Deborah Taylor. Danilo Oesch pflichtet ihr bei: «Und so ordentlich.»

Die beiden stehen im Türrahmen und betrachten den Raum. Seit Anfang Jahr ist das Calvinhaus ihr Arbeitsort. Das ehemalige Kirchgemeindehaus an der Marienstrasse will als Zwischennutzung Jugendlichen und jungen Erwachsenen günstigen Raum für Kreativität bieten.

Der 25-jährige Oesch und die 27-jährige Taylor führten davor die Schlosserei Kulturkomplex an der Murtenstrasse – ebenfalls eine Zwischennutzung. «Parallelen zwischen den Projekten gibt es vor allem darin, dass man spontan entscheiden muss», sagt Taylor. Vor allem an schulfreien Nachmittagen und abends seien die Leute da: Eine Gruppe beispielsweise hat im grossen Saal ein gigantisches Trampolin aufgestellt. «Es ist schön, wenn man hört, wie es lebt», sagt Taylor.

Kein Ersatz für Tankere

Die Räume werden seit November 2016 von der Stadt gemietet. Die Mietkosten betragen monatlich 15'000 Franken, wie Immobilien Stadt Bern bestätigt. Vorgesehen war, dass die Schüler des Kirchenfeldschulhauses hierherziehen, damit die Schule umgebaut werden kann. Das Vorhaben ist allerdings mit einer Einsprache blockiert. Der Baubeginn hat sich auf 2019 verschoben.

Auch mit Einsprachen blockiert ist der Jugendclub Tankere an der Nägeligasse, wo Danilo Oesch im Vorstand sitzt. Dass nun das Calvinhaus in die Bresche springe, sei nicht angedacht. «Beide haben zwar die gleiche Zielgruppe, aber das Calvinhaus ist kein Ersatz für die Tankere», erklärt Oesch.

Bei der Tankere gehe es ums Nachtleben. Im Calvinhaus, das mitten im Wohnquartier ist, wäre das nicht denkbar. Hier wolle man Räume bieten, um seine Ideen umzusetzen. «Und kreative Ideen haben die Jugendlichen zuhauf», sagt Oesch. Die Mietbeträge, die laut Taylor eher symbolischen Charakter haben, richtet sich nach dem Alter der Zwischennutzer.

Velomuseum wird eröffnet

Das Projekt erstreckt sich auf zwei Stockwerke und 1000 Quadratmeter. Im Untergeschoss wünschen sich Taylor und Oesch eine Werkstatt und einen Kursraum für Yoga. Acht Gruppen sind schon dabei, sich nieder­zulassen: Den Raum neben dem ­Büro von Oesch und Taylor teilen sich eine Fotografin, eine Make-up-Artist, ein Model und eine Künstlerin.

Zwei Räume mietet das Jugendparlament. Eine Gruppe 20-Jähriger baut ein Tonstudio, wo sie rappen werden. Daneben machen die Rapper Siebdruck. Best-elle, eine 16-jährige Rapperin, hat ihr Studio hier und hat gar ein kleines Amt als Hausabwartin inne.

Nicht nur mit den Gruppen fängt das Haus an zu ­leben, auch mit Events wie Flohmärkten im Foyer wollen Taylor und Oesch Leute reinlocken. «Wir merken, dass unser Angebot ein grosses Bedürfnis ist», ist sich Taylor sicher. Am Samstag, 24. März, laden sie zum Tag der offenen Tür, bei dem die Zwischennutzer ein Fotoshooting anbieten, einen Siebdruckworkshop durchführen und das Velomuseum eröffnen.

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